Der Klappentext umreißt die Grundhandlung des Buches sehr gut. Familiengeschichten, überhaupt über mehrere Generationen hinweg, haben ihren ganz besonderen Reiz.
Die Hauptprotagonistin ist jedenfalls Käthe, Tochter eines Dresdner Tischlermeisters, die wohlbehütet und geliebt aufwächst. Seit dem Tod ihrer Mutter führt sie ihrem Vater den Haushalt und frönt nur einer Leidenschaft - das Trinken heißer Schokolade. So lernt sie schließlich den eleganten, gebildeten und charmanten Alexander Wolkenrath kennen und wird schließlich seine Frau.
Das Leben der jungen Familie und das ihrer Kinder ist die eigentliche Geschichte.
Ehrlich muss ich gestehen, dass ich nach den ersten 20 bis 50 Seiten meinte, das Buch nicht weiterlesen zu wollen. Zu banal erschienen mir die Geschehnisse, zu schwach der Schreibstil und zu wenig die Spannung. Das Erzähltempo und auch, dass wirklich etwas Leben in die Geschichte kommt, ändert sich erst, als Käthes und Alexanders Kinder schon halbwüchsig sind. Vesper bietet nun dem Leser die Möglichkeit, die Erlebnisse aus den verschiedensten Blickwinkeln der Familie zu sehen, wenngleich dabei die Herren der Schöpfung etwas zu kurz kommen. Es wird sehr ereignisreich, die Perspektiven wechseln und somit kommt die Erzählung in Schwung. Nur sprachlich bleibt alles etwas lau.
Die Autorin ist zwar bemüht, beim Leser Empathie zu wecken, was ihr zeitweise auch gelingt, aber im Großen und Ganzen ist der Schreib- und Erzählstil zu farblos.
Die Charaktere wiederum sind vielschichtig und glaubwürdig. Werden von den Frauen der Wolkenraths einem auch die Beweggründe und Gedanken näher gebracht, so bleibt der Leser gegenüber den Männern hier im Unklaren. Man hätte manchmal gerne mehr über Alexander Wolkenraths Gedanken, Beweggründe und auch berufliche Tätigkeit erfahren, was einem die Autorin aber komplett verwehrt.
In der Zeit in der die Wolkenraths ihren Alltag meistern, fällt auch der erste Weltkrieg, den die Autorin mit viel Feingefühl nachvollziehbar dargestellt hat.
Im Grunde eine unterhaltsame Lektüre, die alles beinhaltet, was man sich von einem Roman über eine Familie erwartet. Nur das gewisse Etwas" fehlt, dass aus dem ganz passablen Buch ein wirklich gutes Buch macht.
Wennvon Amazon aus möglich, gäbe ich 3,5 Sterne, so bleiben es aber leider nur bei 3