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Die Frauen
 
 

Die Frauen (Gebundene Ausgabe)

von Tom Coraghessan Boyle (Autor), Dirk van Gunsteren (Übersetzer), Kathrin Razum (Übersetzer)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
  • Verlag: Hanser; Auflage: 10 (4. Februar 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446232699
  • ISBN-13: 978-3446232693
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 15,2 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 18.822 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Tadashi Sato ist enttäuscht. In einem acht Jahre alten Stutz ist der junge Japaner zum Anwesen des weltberühmten amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright gefahren, um dort von seinem Vorbild gegen Bezahlung in die Geheimnisse des ästhetischen Hausbaus eingewiesen zu werden – um muss erst einmal zum Kohlschneiden, Maisblättern und Kartoffelschälen in die Küche. Überhaupt ist sein Idol ganz anders, als er es sich erträumt hat: geizig ist er, egoistisch, mit allerlei Allüren. Aber: ist er das wirklich, oder; ist er vielmehr nicht gerade alles? Hat er einfach alle Facetten zwischen Genie und Biedermann?

In Die Frauen stürzt der US-amerikanische Autor T.C. Boyle, der in Santa Barbara gemeinsam mit seiner Frau und seinen drei Kindern selbst ein Wright-Haus bewohnt, ein weiteres Mal eine Ikone der US-Kulturgeschichte vom Sockel. In Dr. Sex hatte es den als voyeuristisch und paranoid geschilderten Sexualforscher Alfred Kinsey getroffen, in Willkommen in Welville wurde der Gesundheits- und Zerealienfanatiker John Harvey Kellogg (einem Miterfinder der Cornflakes) aufs Korn genommen.

In Die Frauen wird Wrights Leben aus der Sicht Tadashi Sato geschildert, vor allem aber aus der Perspektive jener drei Ehefrauen, die im Leben des Architekten eine herausragende Rolle spielten. Dabei nähert sich Boyle seinem Opfer und dessen skurrilen Eigenheiten einmal mehr durchaus mit Sympathie, zeichnet den emotionalen Bogen beim Leser über Verwunderung bis hin zu strikter Ablehnung: dem genialen Schachzug geschuldet, dass ja auch die Frauen Wright mit Liebe, aber auch Hass gegenüber gestanden haben.

Seit jeher gilt Boyle als Enfant terrible und Punk-Autor des Literaturbetriebs. Dabei schreibt er eine gemessene, geschliffene, fast schon klassische Prosa, die in ihrer Architektur – zumindest in der großartigen Übersetzung durch Kathrin Razum und Dirk van Gunsteren – in vielen Aspekten an die Texte Thomas Manns erinnert. Die Frauen ist da nicht anders. Großartige Literatur, unterhaltsam auf höchstem Niveau. -- Stefan Kellerer



kulturnews.de

T. C. Boyle liebt exzentrische Genies. Nachdem er bereits Romane über Cornflakes-Erfinder John Harvey Kellog und den Sexualforscher Alfred Charles Kinsey geschrieben hat, ließ sich der Altpunk der US-Literatur für "Die Frauen" von den eigenen vier Wänden inspirieren. Der Architekt Frank Lloyd Wright ist nicht nur für die an einem kleinen Wasserfall erbaute Villa Fallingwater in Pennsylvania und das New Yorker Guggenheim-Museum verantwortlich - er entwarf auch das Haus, in der Boyle mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Santa Barbara lebt. Und er passt perfekt in Boyles Antiheldenreihe: Wright errichtete einen Kult um seine Person und seine Arbeit, ohne dabei Rücksicht auf sein Umfeld zu nehmen. Seine Ateliers waren ein Anziehungspunkt für Jungarchitekten aus aller Welt, mit denen er kommunenartig zusammen lebte und die er radikal ausbeutete, um an einer neuen, unabhängigen Bauweise zu arbeiten. Doch die größten Leidtragenden seiner Egomanie waren Wrights Ehefrauen und Geliebte, und so erzählt Boyle das Architektenleben aus der Perspektive eines fiktiven japanischen Assistenten und der vier Frauen, die sein Leben prägten. Entgegen der Chronologie arbeitet er sich von Frau zu Frau und erfindet fiktionale Situationen und Dialoge, mit denen er den visionären Guru verspottet und sich gleichzeitig vor ihm verneigt. Vor allem aber outet Boyle die Prüderie der amerikanischen Gesellschaft. Das entschädigt auch für die teilweise etwas sperrige Detailfülle, denn "Die Frauen" funktioniert auch als Parabel auf das amerikanische Jetzt: Knapp 50 Jahre nach Wrights Tod ist noch immer reichlich Doppelmoral übrig. (cs)

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52 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Gut durchdacht, aber spannungsarm, 22. Februar 2009
Mit seinem Roman "Die Frauen" widmet sich T.C. Boyle dem Leben des US-amerikanischen Star-Architekten Frank Lloyd Wright (1867 - 1959) im Zeitraum von 1909 bis zu Beginn des 2. Weltkriegs.

Wright war nicht nur ein begnadeter Architekt, sondern auch eine Person des öffentlichen Lebens, die sich aufgrund ihres "unmoralischen Lebenswandels" immer wieder in die Schlagzeilen brachte. Als "unmoralisch" ist zu verstehen, dass Wright dreimal verheiratet war und auch während seiner Ehen Beziehungen zu anderen Frauen unterhielt.

T.C. Boyle schildert in seinem Roman drei dieser Beziehungen/Ehen, wobei es jeweils darum geht, wie sie entstehen, wie die Reaktion der jeweiligen (noch-)Ehefrau ist, wie die Presse (und die öffentliche Meinung) darauf reagiert, wie sie sich entwickeln und wie sie enden.

Was mir an "Die Frauen" gefällt:

* Die Erzählperspektive.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht eines (fiktiven) japanischen Architekten, der in den dreißiger Jahren mehrere Jahre als Schüler bei Wright lebte, lernte und arbeitete und trotz der vielen charakterlichen Schwächen Wrights auch im hohen Alter noch loyal gegenüber seinem ehemaligen Meister ist.

* Die gut durchdachte Struktur.
Der Roman ist klar in drei Teile gegliedert. Jeder Teil widmet sich einer "Beziehung", wobei chronologisch rückwärts erzählt wird. Begonnen wird also mit der dritten Ehefrau, der montenegrinischen Olga und dem Drama der Scheidung von der zweiten Ehefrau Miriam, einer morphiumsüchtigen Psychopatin. Im zweiten Teil wird geschildert, wie Wright eben diese Miriam kennen lernt und wie sich die Beziehung entwickelt. Der letzte Teil beginnt mit der Trennung von seiner ersten Ehefrau Kitty, die er nach zwanzig Ehejahren und sechs gemeinsamen Kindern verlässt, um "in wilder Ehe" mit seiner Geliebten Mamah zusammenzuleben, bis diese auf äußerst tragische Weise ihren Tod findet.

Jeder dieser Teile hat eine Einleitung, in der gewissermaßen als Rahmenhandlung der japanische Architekt seine eigene Zeit gemeinsam mit Wright erzählt. Diese Gliederung empfinde ich als sehr gekonnt und gut gelungen.

* Die Darstellung des prüden Amerikas zu Beginn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Obwohl es damals weder Fernsehen, noch Internet gab, brachte es Wright immer wieder zu Schlagzeilen - allein weil er es als "Promi" wagte, mit anderen Frauen als seinen jeweiligen Ehefrauen zusammenzuleben.

Was mir an "Die Frauen" nicht gefällt:

* Die unsympathischen Charaktere.
Star-Architekt Wright wird als eitler, von sich selbst vollkommen eingenommener Mensch, der ständig über seine Verhältnisse lebt und selten seine Schulden zurückzahlt, dargestellt. Er kann gut reden und sich selbst darstellen, ist aber ein Ausbeuter mit bigotten Moralvorstellungen. Auch seine Frauen bleiben mir letztlich unsympathisch. Die erste ist eine Zicke, weil sie nicht in die Scheidung einwilligt. Die zweite lässt ihre beiden Kinder in einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" zurück, nur um mit ihrem geliebten Architekten zu leben. Die dritte ist einfach nur unmöglich und die vierte vollkommen farblos.

* Die fehlende Identifikation mit den Protagonisten.
Ein ganz wichtiges Kriterium für einen guten Roman ist aus meiner Sicht, dass ich mich in die Figuren hineinversetzen und somit ihr Denken und Handeln nachvollziehen kann. Das ist bei "Die Frauen" weitestgehend nicht der Fall. Nur der neu eingestellte Butler, der das Massaker, bei dem auch die Geliebte Mamah umkommt, verursacht, ist wirklich gut dargestellt.

* Flacher Spannungsbogen.
Dieser ergibt sich fast zwangsläufig aus den unsympathischen Protagonisten, in die ich mich nicht hineinversetzen kann. Denn wenn mich Menschen nicht interessieren, lassen mich auch deren Geschichten eher kalt. Aufgrund der gelungen Struktur und auch der spöttischen Erzählweise gelingt es T.C. Boyle dennoch, seinen Roman so interessant zu gestalten, dass die Spannung, gerade im dritten Teil, deutlich steigt und in einem echten Show-down gipfelt.

Fazit: "Die Frauen" ist ein interessanter, ordentlich gemachter Roman, bei dem der Funke für mich jedoch nicht übergesprungen ist.

Die Frauen
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Early in life I had to choose between honest arrogance and hypocritical humility..., 15. April 2009
Von Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Die Zitate mit den entsprechenden Seitenangaben beziehen sich auf die englischsprachige Originalausgabe The Women.

...I chose honest arrogance and have seen no occasion to change" (Frank Lloyd Wright). Frank Lloyd Wright (1867-1959) bleibt bis heute einer der revolutionärsten und wirkungsmächtigsten Architekten der USA. Zudem faszinierte und provozierte er seine Zeitgenossen mit einem Privatleben, welches selbst heute die reizüberfluteten Konsumenten des Medienzeitalters für ein paar Sekunden aus ihrer Lethargie reißen würde und im prüden Amerika der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts radikal mit als unantastbar geltenden moralischen Konventionen brach. Im Zentrum des Romans stehen die Ehen Lloyd Wrights mit Catherine Tobi, Maude Miriam Noel und Olgivanna Lazovich Milanoff sowie die Beziehung zu seiner Geliebten Mamah Borthwick Cheney.

"Die Frauen" wird erzählt aus der Sicht des japanischen Architekten Sato Tadashi, der zwischen 1932 und 1941 auf Wrights Anwesen Taliesin im ländlichen Wisconsin lebte, wo er eine Art Akademie für vielversprechende und zahlungswillige Nachwuchstalente eingerichtet hatte. Sato erzählt die Geschichte seines Idols anhand der Beziehungen des Maestros zu seinen Frauen. Dementsprechend ist der Roman in drei Teile gegliedert mit den jeweiligen Titeln "Olgivanna", "Miriam" sowie "Mamah". Bemerkenswert ist, dass der Erzähler mit der aktuellsten Beziehung Wrights beginnt, um sich anschließend zurück in die Vergangenheit zu arbeiten, so dass einzelne zu Beginn erwähnte Aspekte erst im weiteren Verlauf der Handlung für den Leser zu erschließen sind. So gelingt es Boyle auf beeindruckenden Art und Weise die Ikone, die er uns zu Beginn des Romans präsentiert, Stück für Stück und für den Leser miterlebbar zu entmystifizieren.

Und was muss dieser Frank Lloyd Wright für eine Person gewesen sein, so faszinierend und abstoßend zugleich. Folgendermaßen wird er von Miriam charakterisiert, als er sie für die 30 Jahre jüngere Olgivanna verlassen will: "He was impossible, the single most infuriating human being she'd ever met, what with his God complex and his perfectionism [...] the utter soul-crushing desolation of rural Wisconsin where he all but kept her prisoner [...]. Of course she'd left him. But that didn't mean she didn't love him still" (42). Verstärkt wird die Wirkung der Hauptperson durch die Reaktion seiner Zeitgenossen, für die er aufgrund seiner als amoralisch und gottlos empfundenen Lebensweise als die Verkörperung des Antichristen erschien. Dabei entsteht im Verlauf der Handlung der Eindruck, dass der Verstoß gegenüber Konventionen ein bestimmendes Element im beruflichen als auch im privaten Leben des Architektens gewesen ist. Seine Einstellungen gegenüber Gesetzen und Regeln formulierte Wright folgendermaßen: "I want to say this: laws and rules are made for the average. The ordinary man cannot live without rules to guide his conduct. It is infinitely more difficult to live without rules, but that is what the really honest, sincere, thinking man is compelled to do" (390). Hier definiert sich Wright als Übermensch im Sinne Nietzsches, der alle tradierten Moralvorstellung ablehnt und einzig und allein aus sich selbst heraus Werte und Normen erschafft, nach denen er zu Leben gedenkt.

Fazit: "Die Frauen" begeistert von der ersten bis zur letzten Seite. Das liegt an der schillernden Hauptfigur des Romans, der herausragenden Rhetorik T.C. Boyles und der gewählten Erzählperspektive, in der das unkonventionelle Leben der Hauptfigur aus der Sicht eines höflich-reservierten Japaners berichtet wird, der sich so seinem Idol zu nähern versucht. Es bleibt zu erwähnen, dass der Roman nicht für sich in Anspruch nimmt, biografisch korrekt zu sein. Vielmehr sollen in dieser fiktionalen Rekonstruktion bestimmende Wesensmerkmale einer Person und einer Epoche verdichtet und für den Leser nachvollziehbar dargestellt werden.
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18 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ehrliche Arroganz statt scheinheiliger Demut, 10. März 2009
Von Helga Kurz "helgakurz" (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Kurz nachdem Frank Lloyd Wright das Haus entworfen hatte, in dem T. C. Boyle seit einigen Jahren lebt und das ihn zu diesem Roman inspirierte, ließ er seine Frau Catherine mit den sechs gemeinsamen Kindern wortlos sitzen und reiste mit seiner Geliebten Mamah nach Deutschland. Damit war er vorerst aus der Schusslinie, eine Strategie, die er vollkommen beherrschte, ebenso wie den Missbrauch von entgegengebrachtem Vertrauen, was vor allem seine jeweiligen Frauen beim Bruch der Beziehung schonungslos zu spüren bekamen.

In Amerika herrscht kein Mangel an tatsächlicher wie erzählerischer Weite. Wen wundert es da, wenn die Literatur zur Mythisierung der scheinbar großen Männer beiträgt, deren Kehrseiten nicht selten zappenduster sind. Einer der Erzähler, die dem geschriebenen Wort mächtig Raum geben, ist T. C. Boyle. Sein hintergründiger Humor, gepaart mit messerscharfer Ironie und vor allem sein gewaltiges schriftstellerisches Können, demaskieren die Figuren seiner Erzählungen völlig, jedoch ohne sie bloßzustellen. Das ist eine Kunst, die nicht viele beherrschen, er aber ist ein Meister darin. Seine Erzählungen mit historischen und biografischen Anklängen, verstärkt durch seine wortschöpferische Kraft, garantieren Lesevergnügen pur.

Nach John Harvey Kellog (Willkommen in Wellville) und Alfred Charles Kinsey (Dr. Sex) widmet sich T.C. Boyle in "Die Frauen" mit seinem sehr speziellen Sinn für Humor liebevoll einem weiteren großen Egomanen aus der Welt der mythischen Amerikaner: Frank Lloyd Wright, Lichtgestalt der Architektur, zu dessen Häusern heute unzählige Fans pilgern (weshalb T. C. Boyle ein solides Schloss am Gartentor hat), um sich an der Schönheit und Harmonie seiner verwirklichten Entwürfe zu erfreuen. Tadashi Sato, ein ebenso fiktiver wie loyaler und schlitzohriger japanischer Schüler wird uns mit Einleitungen und etlichen Fußnoten durch den Roman über seinen bewunderten Meister "Wrieto-San" führen. Der handelt von den Wirrnissen im Leben eines Mannes, der die Öffentlichkeit durch seine Arbeit begeisterte und durch seine Eskapaden zutiefst empörte. Sein Privatleben war - abgesehen vom permanenten Geldmangel - besonders von vier Frauen geprägt: Kitty, seine Jugendliebe und erste Frau, die er mit dem millionenfach als Vorwand abgenutzten Argument, "dass sie nicht mitgewachsen sei" zur Seite fegte, als er auf die Midlife Crisis zusteuerte und schlicht und ergreifend Frischfleisch witterte, das willig war: Mamah, die junge Freundin seiner Frau. Sie verließ Mann und Kinder, um als seine Geliebte und "Seelenverwandte" zu fungieren. Für sie, aber in erster Linie für sich selbst, entwarf und verwirklichte er das Anwesen Taliesin in seiner Heimat Wisconsin. Es wurde, getreu sein Leben widerspiegelnd, der schöne Schauplatz etlicher Tragödien. Seine zweite Frau wurde Miriam, die um ihn und das zweite Taliesin vergebens kämpfte und die dritte und letzte Olgivanna, für die er sich in einem Rosenkrieg von Miriam scheiden ließ und die sich für das schon wieder vom Untergang bedrohte Taliesin aufrieb und für ihn, Frank Lloyd Wright, den begnadeten Architekten und Lebenskünstler.

T. C. Boyle rollt das Feld von hinten auf und stellt uns zuerst die schöne Olgivanna vor. Bei seiner Arbeit bemühte Frank Lloyd Wright sich stets, die Bauwerke der Natur anzupassen und unterzuordnen. Mit unendlicher Sorgfalt wählte er Form, Ausrichtung und Materialen aus, damit sie mit ihrer Umgebung harmonierten und verschmolzen. Dominanz vermied er. Im Umgang mit seinen Frauen war davon aber nichts zu spüren. Mit der Gewalt einer Dampfmaschine und äußerst dominant fiel er in ihr Leben ein und ließ keinen Stein ihres bisherigen Lebens auf dem anderen. Die furchterregende Morphinistin Miriam entsprach seinem Charakter wohl am ehesten, weshalb die Beziehung zu ihr auch am turbulentesten verlief. Wie Wright in dieser Lebensphase (im Gegensatz zu der restlos scheiternden Miriam) noch produktiv arbeiten und sich an der neuen Liebe zu einer wesentlich jüngeren Frau erfreuen konnte ohne einen Herzinfarkt zu erleiden, wird sich dem ruhigen, in geordneten Verhältnissen lebenden Leser vermutlich nur schwer erschließen. Dieser äußerlich so durchschnittliche Mann - allerdings mit Charakterkopf oder, unfreundlicher ausgedrückt, veritablen Sturschädel, muss ein wahres Energiebündel mit geballter Überzeugungskraft gewesen sein. Nicht nur, dass er seine Frauen immer wieder für sich einnahm, egal was er sich leistete, nein, er schaffte es auch stets, seinen Freunden, Gönnern, Bewunderern und Auftraggeber Geld aus den Rippen zu leiern, obwohl er doch längst als "Frank Säumig" galt und vom Zurückzahlen geliehener Summen nichts hielt. Seine Schüler und Mitarbeiter nahmen viel in Kauf, um in seinem Dunstkreis arbeiten und leben zu dürfen. Nur allzu oft mussten sie auf Geheiß des Meisters den Bleistift (den weichen bitte, nicht den harten!) mit der Mistgabel, dem Spaten oder Küchenmesser eintauschen, denn Taliesin, das im Leben von Frank Lloyd Wright eine große Rolle spielte, war nicht nur Studio, Wohnhaus, Ideenschmiede und Ausbildungsstätte, sondern auch eine Farm, die eine große Zahl von Menschen und Tieren zu ernähren hatte. Harmonisch auf einen Hügel im ländlichen Wisconsin thronend, einen schon fast genialen Exzentriker mit einem für damalige Verhältnisse erschütternden Lebenswandel gehörend, wurde Taliesin von den biederen Farmern der Umgebung mit äußerstem Misstrauen beäugt. Auf über 500 Seiten erzählt T. C. Boyle eine fantastische Geschichte mit wahren Anklängen und lässt gleich zu Beginn des Buches Frank Lloyd Wright selbst zu Wort kommen: "Schon früh in meinem Leben musste ich mich zwischen ehrlicher Arroganz und scheinheiliger Demut entscheiden; ich entschied mich für die Arroganz".

Lassen Sie sich T. C. Boyles Blick auf "seinen" Frank Lloyd Wright auf keinen Fall entgehen, auch wenn dieser vielleicht ganz anders war - oder auch nicht. Wer weiß das schon genau. Der Architekt und seine Frauen sind tot, nur Taliesin existiert noch und hütet seine Geheimnisse.

Helga Kurz

10. März 2009
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