Wie schon der erste Band ist dieses Buch ein spannender Einblick in die Denkmuster, Ideologie und teilweise auch Psyche von Frauen, die überzeugte Nazis waren oder zumindest von dem Regime profitiert haben. Sigmund geht über eine bloße Darstellung der Biographien der Frauen hinaus, sie versucht zu interpretieren, zu erklären und Bezüge herzustellen zwischen den Handlungen und Äußerungen der Frauen, ob mündlich oder in Briefen und Tagebuchaufzeichnungen, ohne allerdings in Spekulationen abzugleiten. Jede der Biographien ist sehr gründlich recherchiert und im Gegensatz zum ersten Band, in dem eher die üblichen Verdächtigen auftauchen, sind im zweiten Band ein paar unbekanntere, wenn auch nicht minder einflußreiche Frauen beschrieben.
Mir haben Sigmunds Bücher - mehr im Übrigen als alle Unterrichtsbücher in der Schule zusammen - eine Ahnung gegeben, was manche Leute an der abstrusen, lächerlich pseudo-wissenschaftlichen Nazi-Ideologie so anziehend gefunden haben mögen. Die gängigen Erklärungsmuster - Arbeitslosigkeit, Chaos der Weimarer Republik, Wut über den Versailler Vertrag, etc. bleiben ja in ihrer auf die Allgemeinheit bezogenen Art sehr abstrakt. Auf die Biographien einzelner Personen bezogen, ergibt sich ein Mosaik aus verschiedenen Erklärungsmustern, die plastischer sind: Ignoranz, Fanatismus, Opportunismus, Gleichgültigkeit, Machtgier bis hin zu regelrechter Dummheit, komplett verschobener Wahrnehmung oder einfach Wahnsinn. Rund 60 Jahre später wirkt das für mich als 30-jährige zwar immer noch teilweise wie eine Erzählung von einem anderen Stern, aber vielleicht ist es ja ein gutes Zeichen, wenn die jüngere Generation diesen mörderischen Irrsinn nie wird voll und ganz nachvollziehen können.