"Der Beitrag des Mannes zur Geschichte bechränkt sich auf einen Tropfen Samenflüssigkeit."
(Jiang Qing, 1914 - 1991)
Unter seinem französischen Originaltitel "
Femmes de dictateur" ist Diane Ducrets Buch bereits im Januar 2011 in den Pariser Editions Perrin erschienen. Im September 2011 folgten Publikationen in spanischer ("
Las mujeres de los dictadores"), italienischer ("
Le donne dei dittatori") und im Oktober schließlich in niederländischer Sprache ("
In bed met een dictator / druk 1: de vrouwen van Hitler, Mussolini, Mao, Lenin, Stalin, Salazar, Bokassa & Ceausescu"). Die am 18. Februar 2012 erschienene deutsche Ausgabe ist daher nicht mit dem - unter dem selben Titel herausgegebenen "
Die Frauen der Diktatoren." - Buch von Erich Schaake aus dem Jahre 1983 zu verwechseln.
Diane Ducret beginnt ihr Buch mit einer Auswahl von Liebesbriefen von Verehrerinnen an ihren "Führer", bzw. "Duce". Mit Hitler und Mussolini beschränkt sich diese Zusammenstellung von Liebesbriefen mit zum Teil sehr intimen Inhalts auf zwei der insgesamt acht Diktatoren mit deren Frauen sich das Buch beschäftigt. Sie lässt jedoch bereits erkennen, dass der avisierte weibliche Personenkreis weit über die Person von nur einer Ehefrau, Geliebten, Lebensgefährtin etc. hinausreicht. Ducret zitiert aus einem Zeitungsartikel von Allan Hall in der Daily Mail vom 8. Oktober 2007, wonach Hitler mehr Briefe weiblicher "Fans" erhalten habe, als Mick Jagger und die Beatles zusammen.
Mit der von ihr gewählten Reihenfolge zur Vorstellung der Frauen von Benito Mussolini (1883 - 1945), Wladimir Iljitsch Uljanow "Lenin" (1870 - 1924), Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili "Stalin" (1878 - 1953), António de Oliveira Salazar (1889 - 1970), Jean-Bédel Bokassa (1921 - 1996), Mao Zedong (1893 - 1976), Nicolae Ceaucescu (1918 - 1989) und Adolf Hitler (1889 - 1945) lässt die Autorin keine Systematik erkennen. Weder eine historisch-chronologische oder alphabetische Reihenfolge, noch eine mögliche andere, die sich z. B. an der Anzahl der Ehefrauen und Konkubinen orientiert....
...würde man Letzteres als Parameter für eine Reihenfolge anlegen, würden sich der selbst gekrönte "Kaiser von Zentralafrika" Bokassa I. und der der einstige "Grosse Vorsitzende" sicherlich ein Kopf-an-Kopf rennen liefern. Während sich Salah Eddine Ahmed Bokassa dies mit einer Konversion zum Islam zu rechtfertigen versuchte, konnte sich Mao auf eine revolutionäre Legitimation der freien Liebe berufen. Der Begriff "Liebe" bedarf jedoch gerade bei diesen beiden Zeitgenossen oftmals einer Relativierung, bzw. einer Substitution durch das Wort "Macht". So hat hat Bokassa Frauen die er begehrte - wie seine sechste Ehefrau und spätere Kaiserin Catherine Denguiadé - einfach entführen lassen und deren Eltern mit finanziellen Zuwendungen oder Gewalt eine Zustimmung abgerungen....
...es gibt jedoch auch völlig andere Geschichten, wie die Schwärmerei des erst 16jährigen Hitlers für seine Linzer Schuldkameradin Stefanie Isak, der er sich seine Liebe nicht zu anders zu erklären traut, als mittels eines anonymen Briefes. Auch den Rat seines Freundes August Friedrich Kubizek, tanzen zu lernen, um seiner Angebeteten näher zu kommen, schlägt er in den Wind. Später erkennt er, dass man in der Politik die Unterstützung von Frauen braucht, da einem die Männer von alleine folgen. Seiner Affäre mit Maria "Mitzi" Reiter, folgt das obsessive Verhältnis von "Onkel Alf" zu seiner Nichte Angelika "Geli" Rauba, die 1931 Suizid begeht. Erst danach lernt er sein 23 Jahre jüngeres "Tschapperl" kennen, die schließlich am 30. April 1945 als eine Ehefrau gemeinsam mit ihm der irdischen Gerechtigkeit entfliehen soll. Zwei Tage später sollte ihm auch Magda Goebbels in den Freitod folgen, die "ihrem Idol" auf ganz besondere Weise verbunden war.
Die Motive der vorgestellten Frauen und ihre Gemeinsamkeiten mit ihren Männern sind durchaus unterschiedlich, weisen mitunter die selben oder gar noch schlimmere kleptokratische Züge auf. Elena Ceausescu sammelte Doktortitel, Catherine Bokassa Juwelen und Jiang Qing wollte schlicht Macht. Über sie und auch Magda Goebbels wurde gemunkelt, dass sie sich zeitweise dem horizontalen Gewerbe hingegeben haben. Im Hinblick auf den Macht- und Geltungsdrang und der Verschwendungssucht des Gros der vorgstellten Damen muten Lenins sich Nadja und die beiden Ehefrauen Stalins geradezu bieder und bescheiden an....
....eine achtseitige Fotostrecke dient der Visualisierung der Protagonistinnen eines spannenden historischen Episodenbuches, dem die Autorin am 23. Februar 2012 die Veröffentlichung von "
Femmes de dictateur II Dans l'intimité de Saddam Hussein, Khomeiny, Ben Laden, Kim Jong-Il, Milosevic & Castro" folgen lassen wird.
Trotz gegenteiliger Behauptung, ist von den Ehefrauen der acht Diktatoren noch eine am Leben. Die am 7. August 1949 im heutigen Tschad geborene "Kaiserin des einstigen Kaiserreiches Zentralafrika", Catherine Bokassa geb. Denguiadé, lebt nach Jahren ihres Exil im schweizerischen Lausanne wieder in Bangui, der Hauptadt der Zentralafikanischen Republik!