Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Am schönsten, als die Heldin dreißig ist, 3. Januar 2000
Von Ein Kunde
Balzacs Roman 'Die Frau von dreißig Jahren' schildert das Leben einer Frau in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Heldin Julie hat die Freiheit, ihren Bräutigam selbst auszuwählen und fällt ihre Entscheidung zwar gegen die Meinung, jedoch schließlich mit der Zustimmung ihres Vaters. Schon sehr bald beginnt sie, die Heirat mit dem Marquis d'Aigelement zu bereuen: Als Halbwaise hatte sie keine Mutter, die sie auf die 'ehelichen Pflichten' hätte vorbereiten können. Mit ihrem egozentrischen Gatten erlebt sie eine böse Überraschung, die nicht mehr enden soll. Sein Verhalten ist in jeder Hinsicht von Gleichgültigkeit gegenüber ihren Gefühlen und Bedürfnissen geprägt. Julie ergibt sich in ihr Schicksal und nach langen Jahren der Passivität, der Depression, der körperlichen Schwäche und der Verleugnung ihrer Leidenschaft lässt sie sich im Alter von dreißig Jahren auf eine Affäre ein, die von Liebe und emotionaler Nähe erfüllt ist. Die Lebensgeschichte Julie d'Aiglements wird bis zu ihrem Tod im Alter von etwa fünfzig Jahren verfolgt. Leider verpackt der Autor dabei offenbar delikate Details in verwirrenden Andeutungen, die seinen Zeitgenossen zugänglich sein mochten, deren Bedeutung sich aber nicht jedem heutigen Leser voll erschließen wird. In ihren Anmerkungen am Ende des Buches erklärt Erika Wesemann, dass die sechs Kapitel des Romans ursprünglich als eigenständige literarische Werke geplant gewesen sind. Das erklärt, weshalb jedes Kapitel - obwohl die Geschichte fortgesetzt wird - isoliert erscheint. Im ersten und zweiten Kapitel gewährt Balzac tiefe Einblicke in das Innenleben von Julie d'Aiglement. Im dritten Kapitel - jetzt ist sie dreißig Jahre alt - sieht der Leser sie aus der Sicht ihres künftigen Liebhabers. Überraschend wechselt der Autor im vierten Kapitel in die Ich-Erzählform und schildert eine tragische Episode aus Julies Leben, als sei er selbst zufällig Zeuge des Vorfalls geworden. Das fünfte Kapitel ist so fantastisch und idealistisch, dass es die Glaubwürdigkeit der gesamten Erzählung in Frage stellt. Im sechsten Kapitel erfahren wir wieder etwas über das Seelenleben von Julie, nun fünfzig Jahre alt, vom Leben gezeichnet, doch leider nicht am Leben gereift. Das gibt der Geschichte einen unbefriedigenden Ausgang. Etwas langatmig und blähend wirken die ausführlichen Landschaftsbeschreibungen. Erstaunlich dafür sind Balzacs Menschenkenntnis und sein Einfühlungsvermögen in das Gefühlsleben eines jungen Mädchens und einer 30jährigen Frau.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Ehe, ein Hort des Unglücks, 16. Mai 2008
Die bezaubernde, junge Julie schlägt die Warnungen ihres Vaters in den Wind, heiratet den Marquis von Aiglemont und ihr lebenslanges Unglück nimmt seinen Lauf. Die Ehe mit dem anständigen, aber erzlangweiligen Offizier wird zum Gefängnis, aus dem es kein Entrinnen gibt. Zwar lässt sich Julie auf mehrere Liebschaften ein, aus denen z. T. sogar Kinder hervorgehen, doch mehr als vorübergehende Linderung verschafft ihr dies nicht. Sie ist das Opfer ihrer eigenen Glücksbedürfnisse und die Leidtragende einer Gesellschaft, die Frauen in ein enges Korsett aus herzlosen Konventionen steckt. Julie verliert ihre Tochter an einen Verbrecher und wird am Ende ihres Lebens vom Glauben überwältigt, alles falsch gemacht zu haben. Das 1842 erschienene Werk gehört zu Balzacs großartigem Romanzyklus Die menschliche Komödie. Es ist ein vielschichtiges, ergreifendes Psychodrama, das zahlreiche literarische Grundthemen des 19. Jahrhunderts aufgreift und in lose verbundenen Szenen die Stationen eines verzweifelten Lebens schildert. Mit seinen feministischen Zügen ist Die Frau von dreißig Jahren bis heute ein äußerst lesenswertes, modern anmutendes Werk geblieben.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Kleiner Roman zwischendurch, 16. Juni 2008
Es macht immer wieder Spaß, sich zwischendurch mit einem Werk von Balzac zu befassen. Auf den Inhalt des vorliegenden Romans möchte ich nicht näher eingehen, denn er wurde an dieser Stelle bereits sehr gut zusammengefasst.
"Die Frau von dreizig Jahren" macht auf den Leser einen etwas unzusammenhängenden Eindruck, da die Art der Erzählweise mit den einzelnen Abschnitten wechselt. Wie man nachlesen kann mag dies daran liegen, dass der Roman in einem Zeitraum von vier Jahren aus mehreren, voneinander unabhängigen Erzählungen entstanden ist.
Trotz dieses kleinen "Schönheitsfehlers" habe ich die Geschichte sehr gern gelesen. Was mich an Balzac immer wieder fesselt ist zum einen sein für die damalige Zeit recht schnörkelloser Schreibstil, der seinen Werken einen gegenwartsnahen und zeitgemäßen Charakter verleiht sowie die absolut spitze Feder, mit der er die Mißstände seiner Epoche beschreibt. (Victor Hugo tat ähnliches, aber für meinen Geschmack wesentlich "weichgespülter").
Zum anderen beeindruckt mich die Brillanz der tiefenpsychologischen Ausleuchtung seiner Protagonisten. Auch der Seelenzustand der "Frau von dreizig Jahren" wird von ihm mit großem Einfühlungsvermögen Stück für Stück analysiert. Er muss ein hervorragender Beobachter gewesen sein.
Balzac zeichnet nicht nur den Leidensweg dieser unverstandenen und verletzten Frau, sondern versucht gleichzeitig einen Ausweg zu weisen, indem er sie gegen die bestehenden gesellschaftlichen Konventionen ankämpfen lässt. Sie durchbricht schließlich den bürgerlichen Moralkodex und versucht somit zu einem glücklicherem und ausgefüllterem Leben zu gelangen.
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