Alle Töchter wurden verheiratet, die Söhne blieben, bis auf den ältesten unverheiratet; die Verträge dafür wurden von ihren Angehörigen vereinbart. Der Feudalgesellschaft des Mittelalters garantierte die Ehe den Fortbestand des Geschlechts und die Wahrung des Besitztums. Einerseits war sie der normale Rahmen jedes weltlichen Lebens andererseits brachte die Kirche schliesslich die Entwicklung einer Ideologie der christlichen Ehe zum Abschluss, man versuchte sie zu spiritualisieren. Vor allem die Ehefrau hatte zwei Herren: Gott war der Eigentümer von Körper und Seele - die Seele behält er allein - und nach dem Ehegesetz hatte der Ehegemahl das Nutzungsrecht am Körper seiner angetraueten Ehefrau. Er durfte ihn benutzen, ausbeuten, Frucht tragen lassen. Von den Frauen erwartete man das Streben nach Höherem, Inbrunst, Sublimation im Spirituellen aber auch passiven Gehorsam und Unterordnung unter den Vater / Ehemann / Sohn. Eine Stimme resp. die Möglichkeit der Selbstverwirklichung hatten sie nicht. Sie waren dazu bestimmt Kinder zu gebären die Knaben sein sollten. Aber auch für den Mann war die Ehe keineswegs der Ort dessen, was man mit Liebe definierte, Eheleuten war es verboten sich z.B. leidenschaftlich zu umarmen. In dieser religiösen und frommen Verbindung schickten sich Ernsthaftigkeit, zärtliche ehrbare Gefühle aber keine Liebe. Ehemänner mussten in guten und in schlechten Zeiten die Mühe auf sich nehmen ihre Gefährtin zu unterstützen und mit ihr bis zum Tod zusammenzuleben, d.h. beim Ehemann entstand bestenfalls herablassende Zuwendung, bei der Ehefrau verängstigte Ehrerbietung.
In vier Kapiteln beschreibt der Autor, Georges Duby, Liebe und Ehe im Mittelalter, was einem Bild von Weiblichkeit und Ehe entspricht das sich zu Beginn des 12. Jahrhunderts alle Führer der Adelshäuser zu eigen gemacht hatten.
Empfehlenswerte Lektüre für Interessierte.