Dies ist die preisgekrönte (Schweizer Filmpreis Quartz 2010, Publikumspreis der Bozener Filmtage 2010, Publikumspreis der Triester Filmspiele 2010, Atlantis Award des Moondance Filmfestivals 2010, Gewinner Schweizer Filmperle 2010 ...) Dokumentation der 85-jährigen Swetlana Geier, der Grande Dame russischer Dichtkunst. Das Übersetzen, sagt sie, ist ihr Schicksal. Aufgewachsen in Kiew, Mutter zweier Kinder, ließ sie sich in den 60er Jahren scheiden und verliebte sich unsterblich in das Werk der großen russischen Dichter. Daber war ihr Fjodor Dostojewski immer der Wichtigste.
Für Pausen sei sie zu alt, denn sie sei dem Leben etwas schuldig. Es macht Freude, einen Einblick in das Leben der bescheidenen Grande Dame der Übersetzer russischer Dichtkunst zu gewinnen. Innerhalb von 10 Jahren hat sie in bereits hohem Alter die fünf Elefanten Dostojewskis ins Deutsche übersetzt:
1. Verbrechen und Strafe (1993)
2. Der Idiot (1996)
3. Böse Geister (1998)
4. Die Brüder Karamasow (2003)
5. Ein grüner Junge (2006)
"Nase hoch beim Übersetzen. Das heißt man übersetzt nicht von links nach rechts, wie eine Raupe kriecht, sondern nachdem man sich den Satz angeeignet hat. Er muss nach innen genommen, ans Herz gelegt werden. Ich lese das Buch so oft, bis die Seiten Löcher kriegen. Im Grunde kenne ich es auswendig. Dann kommt ein Tag, an dem ich plötzlich die Melodie des Textes höre."
Ihre spezielle Technik der Verinnerlichung der zu übersetzenden Texte, ihre Begeisterung und der sinnliche Umgang mit Sprache sind faszinierend. Vadim Jendreyko nimmt sich spürbar Zeit für seine Protagonistin und läßt neben ihr seine kraftvollen, authentischen Bilder sprechen. Mit vielen behutsamen Nahaufnahmen gibt er uns intime Einblicke in das Leben der großen Übersetzerin. Den doch sehr unfilmischen Vorgang des Übersetzens macht er auf beeindruckende Weise anschaulich.
Doch man übersetzt Dostojewski nicht ungestraft, so ihre Worte. Vielmehr hat sie nicht nur viel für ihre Profession, sondern auch ganz viel für ihr Leben gelernt. Und die Frage, warum man übersetzt, beantwortet sie mit der tiefen Sehnsucht nach dem unerreichten Original.
Sie werden zwischen den Zeilen des Films von einem Menschen berührt, der mit großer Behutsamkeit und Achtsamkeit dem Leben begegnet. Jemand, der sich für das, was was er tut, die Zeit nimmt, die es braucht und dadurch auch die kleinen Dinge des Alltags ganz unvermutet zum Strahlen bringt. Eine wahrlich bbeeindruckende, weise Frau und eine Dokumentation, die dieser außergewühnlichen Persönlichkeit gerecht wird.