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Zugegeben, der Titel von Wolfram Fleischhauer „Die Frau mit den Regenhänden" hat anfangs nicht gerade auf einen interessanten Roman schließen lassen, doch ich mußte schnell feststellen, dass ich mich geirrt hatte. Denn die Art und Weise wie Wolfram Fleischhauer im Laufe des Romans das Schicksal der angeblichen Kindsmörderin mit dem der jungen Frau verbindet, hat mich sehr beeindruckt. Außerdem hat Fleischhauer sowohl mit dem kapitelweise abwechselnden Erzählen der beiden Geschichten als auch die unterschiedlichen Erzählpositionen zusätzlich Spannung aufgebaut und so zum Weiterlesen angeregt. Darüber hinaus war es sehr interessant durch Fleischhauers detaillierten Beschreibungen sehr viel, sehr genaues über die französische Geschichte und das Leben Napoleons III. zu erfahren, was vielleicht sogar einprägsamer war als der Geschichtsunterricht in der Schule. Dieser Roman, bestehend aus einer Liebes- und einer Kriminalgeschichte, ist unbedingt lesenswert.
Auf der Suche nach dem Warum
Ich werde nur sehr wenig vom Inhalt verraten, um weder Spannung noch Überraschungsmomente vorwegzunehmen.
Daher zum Inhalt nur so viel: Zwei Geschichten, die Untersuchung eines mutmaßlichen Kindermordes während der Zeit des letzten französischen Kaiserreiches unter Napoleon III zum Zeitpunkt der bevorstehenden Weltausstellung in Paris und die Liebesbeziehung eines deutschen Studenten zu einer Französin zu Beginn der Neunziger Jahre unseres 20. Jahrhunderts sind kunstvoll und doch schlüssig miteinander verbunden.
Die Schilderung der Aufklärung des damaligen Kriminalfalles, der Kampf des Pflichtverteidigers, um die angeklagte Mutter noch rechtzeitig zu entlasten und einen drohenden Justizmord zu verhindern, dient letztlich jedoch nur dazu, die zweite Geschichte, die Liebesgeschichte mit ihrem Ausgang verständlich werden zu lassen.
Gleichzeitig macht der historisch orientierte Schicksals- Kriminalroman deutlich, wie wenig sich doch in der Vorgehensweise politisch Verantwortlicher von der Monarchie Napoleon III bis hin zur französischen Republik um 1990 geändert hat.
Das menschliche, individuelle Schicksal wurde und wird nach wie vor dem Macht- und Gewinnstreben der Herrschenden untergeordnet mit häufig schrecklichen Folgen für Tausende von Einzelschicksalen.
Trotz der enthaltenen politischen Aussagen wirkt dieser Roman nicht nur wunderschön durch die Sprache, aktuell und doch gleichzeitig historisches Hintergrundwissen vermittelnd, auffrischend, sondern vor allem auch wegen der ergreifenden Liebesgeschichte.
Die Lösung des vermuteten Kindermordes allein wäre schon des Lesens wert. Antriebsfeder, die Unschuld der angeklagten Mutter zu beweisen, ist zunächst weniger der Pflichtverteidiger sondern eine für damalige Verhältnisse erstaunlich emanzipatorische Exilfranzösin, aus England herbeigereist zur besseren medizinischen Versorgung ihres einem Überfall zum Opfer gefallenen Bruders. Die gelungene Verknüpfung des Kriminalfalles jedoch mit der tragischen, intensiven Liebesbeziehung des deutschen Studenten mit der den damaligen Kriminalfall recherchierenden Französin, der Frau mit den Regenhänden, macht den Roman zu einem Meisterwerk.
Ich selber empfand diesen Roman als kunstvoll, spannend, dramatisch, erschütternd und doch voll positiver Lebensbejahung mit der romantischen Idee einer unsterblichen Liebe. Jeder Leserin, jedem Leser mit Niveau und Anspruch kann ich diesen gleichzeitig hochspannenden als auch erotisch freizügigen Roman nur empfehlen. Bei Amazon.de erhielt der Titel 4 Sterne von 5. Ich meine, ein Halber zu wenig.
Es gibt ihn doch, den deutschen Kriminalautor, der erstklassig recherchierte Arbeit mit spannendem Plot abliefert, so daß man förmlich eingesogen wird in sein Buch.
Diesmal wird eine romantisch-geheimnisvolle Handlung in den späten Achtziger Jahren kunstvoll verflochten mit einem packenden Mordfall in Paris zur Zeit der Weltausstellung unter Napoléon III. Die besondere Qualität des Kriminalromanes kommt dadurch zustande, daß Autor Wolfgang Fleischhauer die Spannung geschickt aufbaut und stets psychologisch glaubwürdig schreibt. Das Ganze ist so raffiniert konstruiert, man kommt bis zuletzt nicht darauf, wer der Täter und was das Motiv ist.
Diesem Roman ist zusätzlich eine Portion Sozialkritik am französischen Staat und seiner Verwaltung beigemischt. Fleischhauer weist eine durch die Geschichte gehende Kontinuität von sozialem Desinteresse der französischen Regierung nach. Sein historischer Kriminalroman hat beängstigende Parallelen zu den aktuellen Jugendrevolten und ist daher plötzlich hochaktuell.
Fleischhauers Bücher sind eine Klasse für sich und ich bin noch nie enttäuscht worden.
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