Friedrich Christian Delius hat seinen Roman als fiktives Interview zwischen dem alten Zuse, ein Jahr vor dessen Tod durchgeführt, und einem jungen Journalisten aufgezogen, der von Mathematik und Informatik praktisch nichts versteht.
Zuse tritt kauzig auf, etwas verbittert erscheinend, wenn es um die ihm vorenthaltenen Lorbeeren geht, allmählich auftauend, sich dann melancholisch und geradezu romantisch in Erinnerungen an seine "Romanze" mit Ada Lovelace verlierend. Der Autor weiß jedoch, wann es genug ist - "sein" Konrad Zuse wird nie lächerlich; er präsentiert sich als alter Mann, der nur zum Teil über den Dingen steht. Und solcher Dinge, über denen man nun eben steht oder die einen unter sich begraben, gibt es viele in Zuses Leben. Spannend sind die Erinnerungen dieses Erfinders und Unternehmers, nicht zuletzt aus der Nazi- und Kriegszeit, und Delius weiß sie fesselnd wiederzugeben und mit jenem Hauch des Fiktiven zu würzen, der einem Roman guttut, ohne die Geschichte selbst zu verfälschen.
Am Ende bleibt der Eindruck einer in der Tat, wie vom Untertitel plakatiert, unglaublichen Geschichte, der Geschichte eines von Rückschlägen unbeeindruckten, seine Ideen aufopferungsvoll verfolgenden, idealistischen Erfinders, und einer so charmanten wie irrealen Liebe.
Die Hörbuchedition ist attraktiv und robust aufgemacht; sie besteht aus drei in Kunststoffhalterungen untergebrachten CDs. Delius liest selbst, und er schlüpft sehr authentisch in die Rolle des über achtzigjährigen, zurückgezogenen Eigenbrötlers, der sich mal eben vor einer Feier zur Vergabe seines "x-ten" Ehrendoktortitels drückt und stattdessen das Interview mit dem jungen Journalisten akzeptiert, den er seine mangelnde Bildung in Bezug auf Mathematik und Informatik stets spüren lässt. Verschroben-sympathisch lässt Delius' Lesung den Konrad Zuse erscheinen, weicher Kern unter rauer Schale, harte Sachlichkeit durch das Alter gemildert - und all das im Rahmen einer phantastischen, aber im Wesentlichen wahren Lebensgeschichte.
Sehr hörenswert!