Pressestimmen
»Dieser Text ruft nach dem Leser, dem Hörer, dem Theaterpublikum, nach dem Regisseur und der großen Schauspielerin.«
(Walter Hinck
Frankfurter Allgemeine Zeitung )
»Der schmale Band
Die Frau und die Stadt ist ein Langgedicht, ein fiktiver Monolog Gertrud Kolmars aus einem ihrer letzten Lebensjahre, der zwischen 1941 und 1943 hätte gehalten werden können. Als Zwangsverpflichtete arbeitete sie damals in einer Fabrik für die deutsche Rüstungsindustrie, ihr Vater war bereits nach Theresienstadt deportiert worden. ... Reinshagen trägt ihn in freirhythmischen Versen vor und meidet so den Vergleich zum übermächtigen Werk Kolmars, das formal weitgehend der Ballade nahesteht. Nicht das lyrische, sondern das private Ich Kolmars soll zur Sprache kommen. So herrschen stille Töne vor, die zu Momenten höchster Beklemmung geraten.«
(Jean-Michel Berg
Süddeutsche Zeitung )
»Die Frau, die in Reinshagens Erfindung ein Monodrama durchlebt, ist die grosse Gertrud Kolmar. Die Dichterin tritt auf während einer Nacht im Februar 1943. Es sollte eine ihrer letzten Nächte überhaupt sein. Das ahnt sie voraus. Ihr 81-jähriger Vater ist im Herbst zuvor nach Theresienstadt verbracht worden. In der Fabrik in Berlin-Charlottenburg, wo sie zusammen mit anderen jüdischen Mitbürgern Zwangsarbeit leistet, erwartet sie täglich, abgeholt zu werden. Eine bewegendere Gestalt könnte man kaum finden. ... Es braucht Mut, diese letzte Phase in Kolmars Leben dichterisch anzugehen. Das Resultat ist erstaunlich, ein überzeugendes Stück Literatur.«
(Beatrice von Matt
Neue Zürcher Zeitung )
Kurzbeschreibung
An einem ihrer letzten Berliner Tage besteigt Gertrud Kolmar im Morgengrauen die Siegessäule, um zu springen, um Schluß zu machen, selbstbestimmt, wenn auch nicht aus freien Stücken – bevor sie von der Fabrikarbeit weggeholt und ins Vernichtungslager transportiert wird. Schließlich steigt sie wieder herunter. Sie hat beschlossen, durchzuhalten bis zum letzten Augenblick, und sei es nur, »um ein Dreck zu werden unter euren Stiefeln, Mörderbande, der euch noch tausend Jahr lang an den Sohlen kleben soll«.