Camilleri erzählt - wie man dem Nachwort entnehmen kann - SICH ein altes Märchen ganz neu.
Ich habe mich gewundert, dass die ganze Vorgeschichte sehr schnell und in knappen und kurzen Sätzen erzählt wird. Aber wenn man das Nachwort und die Absicht des Autors kennt, dann wird das verständlich. Das Buch ist im Übrigen sehr schnell gelesen. Nur 155 Seiten. Diese sind auch sehr lesefreundlich gedruckt. Der Autor legt die Geschichte in die Jahre von 1850 bis 1944 / 1945.
Camilleri erzählt die Geschichte eines italienischen Bauern, der sich, nach der Rückkehr aus Amerika (USA) in Sizilien ein Stück verwildertes Land kauft, dieses kultiviert und sich dort ein einfaches Haus baut. Und weil er dann das Gefühl hat, heiraten zu müssen, sucht er sich eine Frau. Bei dieser Suche hilft ihm eine dort ansässige, kundige Kräuterfrau, die heiratswillige und heiratsfähige Frauen kennt. Diese Kräuterfrau vermittelt auch die "Kontakte" und bahnt "das Ganze" an.
Der Autor erweitert das Märchen zu einer kleinen italienischen Familiensaga. Mit dieser Erweiterung erzählt er auch sehr plausibel was aus den Sirenen wurde, die es seit Homers "Lieder" in der Gegend um Sizilien bzw. dort im Mittelmeerraum gab.
Die Geschichte will ich nun nicht weiter ausbreiten.
Es gelingt Andrea Camilleri den Zauber der Zeit, den Zauber der Landschaft und auch die Mühen des Landlebens wunderschön darzustellen und auszubreiten. Er spielt auch ein wenig mit dem "erotischen Kopfkino" seiner LeserInnen, wenn er die "Freuden des Ehelebens" beschreibt. Das Buch ist ein wunderschönes Märchen über den Sommer und das Leben in Sizilien. Eine Hommage an den italienischen Lebensstil einer untergegangenen Zeit.
Dem Autor gelingt es aber auch die alten Erzählungen von Sirenen und den wunderlichen Dingen am/im Meer in warmen und schönen Worten zu erzählen. Darüber kann man noch viel schöner ins Träumen geraten.
Das Buch ist daher kein Buch für jemanden, der den spannenden und ultimativen "Kick" sucht. Das Buch regt eher an, sich nun endlich einmal mit Homer und dessen Erzählungen zu befassen (soweit man das noch nicht getan hat) und die Basis dieser Geschichten zu ergründen und auszuleuchten. An ein paar Stellen hat das Buch Fußnoten, die einen solchen Einstieg möglich machen.
Insgesamt ein lesenswertes und schönes Buch. Schöer Einband, angenehmes Papier, Lesebändchen. Auch "der Bücherfreund" freut sich darüber. Daher meine Leseempfehlung und von mir fünf Sterne.