Ihr Schreibstil ist faszinierend. Ich hätte dieses Buch vermutlich nicht unbedingt weitergelesen, wenn es nicht so wundervoll geschrieben wäre. Eine für heutige Zeiten unvorstellbare Ehe wird von zwei Menschen eingegangen, die als Ziel haben, Gott zu gefallen und in die Mission zu gehen. Nur deswegen heiraten sie, weil es für jeden von ihnen keine andere Möglichkeit gibt, dieses Ziel zu erreichen. Jeder der beiden ist so grundlegend anders, das man im ganzen Buch das Gefühl hat, der Mann lebt sein Leben und die Frau ihres. Sie sind in China, er zieht durch die Lande, um zu predigen, sie kümmert sich um die Kinder, von deren sieben, sie vier an den Tod verliert. Perl S. Buck schreibt von ihrer Mutter, Carie, eine fröhliche Person, die aufgrund des strengen religiösen Lebens, das man ihr als Kind beigebracht hat immer wieder versucht, diese Fröhlichkeit unter Kontrolle zu bringen.Und doch vermittelt sie viel davon an ihre Kinder. Und noch etwas ist ihr sehr wichtig: Amerika, das Land, in das sie als Kind mit ihren Eltern einwanderte. Sie ist stets damit beschäftigt, ihren Kindern Amerika lieb zu machen - genauso wie sie es immer wieder bei den Chinesen versucht. Irgendwie ist dieses Buch durchdrungen von einer Hymne auf das Land ihrer Herkunft.
Trotzdem lernt man so manches über das Leben in China zur Zeit um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert.
Wie gesagt, wenn das Buch nicht so umwerfend gut geschrieben wäre, hätte ich vermutlich aufgegeben. Oft war ich verwirrt von dem, was da weitergegeben wurde. Ich hatte ein Buch erwartet über das, was Gott in dieser Zeit in China tat, so wie vielleicht bei Hudson Taylor. Stattdessen verkündigte Carie in der Hauptsache Amerika. Von ihrem Mann, einem Musterexemplar von Geistlichkeit mit viel Mangel an praktischem Sinn, hören wir in einer Weise, die ihn eher negativ darstellt. Er war eigentlich nur Missionar, wäre besser allein dran gewesen, hatte keinen Bezug zu seinen Kindern und keinen zu seiner Frau, wie es scheint. In ihrer Todesstunde wollte sie ihn nicht um sich haben, und er war nicht böse darum. Ein seltsames Leben und doch vermutlich nicht ungewöhnlich für diese Zeit. Wir sind vielleicht ein Stück weit auf der anderen Seite vom Pferd gefallen, was das Durchhalten in einer Ehe angeht.