Michael Connelly muss sich tatsächlich geärgert haben: der erste Top-Fall "Schwarzes Echo" erwähnt kurz Harry's tödlichem Schuss auf den den Puppenmacher, einen lang gesuchten Serienkiller, der allerdings unbewaffnet war. Harry Bosch hatte den Richtigen erwischt, hätte aber nicht schießen dürfen. Der "Dollmaker" war der Grund für Harrys Straf-Versetzung nach Hollywood, mit der das "Schwarze Echo" beginnt. Nun wäre dieser Fall eigentlich einen eigenen Band wert gewesen, doch er ist schon Vergangenheit.
Dieses Versäumnis holt Connelly deshalb mehr oder weniger geschickt in diesem Band nach: in einer Gerichtsverhandlung wird der Puppenmacher rückwirkend durchgekaut, und als Steigerung gibt es eine frische tote "Puppe", so dass Harry möglicherweise sogar einen Unschuldigen getötet hat. Das verschärft die Situation. Parallel zur Verhandlung laufen deshalb die Ermittlungen auf Hochtouren, und es kommt ganz anders als man denkt.
Die "Betonfrau" ist nicht wirklich schlecht, aber amerikanische Gerichtsverhandlungen lese ich einfach nicht gern - John Grisham & Co. haben uns mit dem scheinheiligen Kampf um "wahre Gerechtigkeit" schon überversorgt. Harry wird von der gegnerischen Staranwältin Honey alias "Money" Chandler auseinandergenommen, ansonsten sitzt er lange Strecken da, hört nur zu und ärgert sich. Chandler erinnert an eine der vorlauten Anwältinnen aus "Ally McBeal", nur dass es hier nicht darum geht, ob eine <Hochzeit annuliert werden darf, wenn nicht aus Liebe geheiratet wurde>. Am Ende des Buches wird es dann auch noch sehr nervös, und das ist bestimmt nicht der coole Harry. Er ist sogar fast das ganze Buch mit Sylvia Moore zusammen, seiner Affaire aus Fall 2, man könnte ihn schon fast für beziehungsfähig halten! :-) Also eine mittelschwere Identitätskrise für einsame Cowboys, doch das Ende des Westens ist noch nicht erreicht: das "Comeback" wird wieder härter (siehe meine Lieblingsliste No.5 mit Harry's Fällen). So long...