Sollte man die spannendsten, aufregendsten und bedeutendsten Jahre der Weltgeschichte auswählen, ich würde mich für die Zeit zwischen 1789 bis 1815 entscheiden, die Geburtsstunde der modernen Welt in der Französischen Revolution und der anschließenden Napoleonischen Epoche. Keine andere Zeit der Weltgeschichte hebt wie in einem Brennglas so viele Persönlichkeiten aus dem Hinterhof der Existenzen in das gleißende Licht der großen Geschichte, lässt so viele Reiche und Dynastien stürzen und legt in solch folgenreicher Weise die Fundamente für die Zeit, in der wir leben.
Das vorliegende Filmwerk entfaltet diese Große Revolution als ein großes 6-stündiges Drama packend und mitreißend von der ersten bis zur letzten Minute. Der Film bietet großes Kino mit all seinen Merkmalen: mit glaubhaften und exzellent gespielten Charakteren (herrlich, wie der König durch den Thronsaal watschelt, geradezu schrill wie Robespierre mit seiner schwarzen Intellektuellenbrille in der Konventbank lauert ), mit einer nach den Gesetzen von Drama und Spannung sequenzialisierten Handlungsführung und last not least opulentes Ausstattungskino vom Feinsten.
Wie wir es alle in der Schule gelernt haben, beginnt alles mit der Wahl zu den Generalständen. Wir blicken in das Audienzzimmer des Königs, lernen Ludwig XVI, und Necker, Marie Antoinette, Danton und Desmoulins, Robespierre, Lafayette und Mirabeau kennen, wir sehen die Gärten von Versailles im Abendlicht, die Gefängnisse von Paris in der Nacht und (immer öfter, je weiter die Handlung voranschreitet) die Guillotine auf dem Platz der Revolution. Marat wird im Bad von Charlotte Corday erstochen, Brissot konspiriert gegen Danton, Mirabeau stirbt, Lafayette richtet auf dem Marsfeld ein Blutbad an. Unaufhaltsam gestaltet sich der Aufstieg des kalten Robespierre, bis er sich beim Fest des höchsten Wesens lächerlich macht und sein Abstieg beginnt. Die archetypischen Szenen der Revolution, von denen jeder schon einmal gelesen hat, der Ballhausschwur, der Sturm auf die Bastille oder der Marsch der Marktfrauen nach Versailles erhalten eine so überzeugende Anschaulichkeit, dass man sie sich hinfort nur noch schwerlich wird anders vorstellen können. Wir schaudern bei der Hinrichtung des Königs, wir ekeln uns vor dem psychopathischen Urkommunisten Hebert und lauschen den kraftvollen Gesängen der Marseillaise, wenn die französische Armee bei Valmy auf das Schlachtfeld zieht. Großartig, die Verkündigung der Menschenrechte durch den Präsidenten der Nationalversammlung am 26.8.1789, bei zu jedem verlesenen Artikel zu grandioser Musik die passenden Bilder aus dem Umfeld der revolutionären Hoffnungen und Ängste erscheinen. Dieser meisterhafte Film beschönigt aber auch nichts - er zeigt am Beispiel von Danton auch die Bereicherung und die Korruption, die mit der Revolution einhergehen. Noch weniger schmeichelhaft ist das Bild des einfachen Volkes, das in diesen großen Jahren der Weltgeschichte durch die Straßen rast - es mordet und schändet, jubelt und leidet - nur eines ist es nicht: vernünftig! Am Ende lernen auch all die Aufsteiger, Hinrichter und Königsmörder, die in der zweiten Phase der Revolution so leichtfertig unschuldigen Menschen in den Tod schickten, selbst die Guillotine kennen. Im Juli 1794 fällt sogar der Kopf des Tyrannen Robespierre in den Korb, und der Terror ist zu Ende. Das Volk tanzt, und aus dem Grab heraus spricht (ausgerechnet) noch einmal Danton die edlen Worte von der Geltung des Gesetzes als Grundlage der Freiheit. Ich hätte diese Worte lieber noch einmal vom König gehört, aber das ist natürlich Geschmackssache. Ansonsten ein absolutes Highlight des historischen Films und ohne Einschränkungen voll empfehlenswert.