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Die Französische Klassik. Einführung und Übersicht.
 
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Die Französische Klassik. Einführung und Übersicht. [Broschiert]

Jürgen Frhr. von Stackelberg


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Kurzbeschreibung

Jürgen von Stackelberg läßt sich in seiner großen Übersichtsdarstellung von dem Menschenbild leiten, das den Komödien Molieres, den Maximen La Rochefoucaulds, den Tragödien Racines und dem klassischen Roman gemeinsam ist. In diesen Zusammenhang wird die Vorgeschichte der Klassik gestellt, ein Resümee der Barockforschung gegeben und die Wegbereiter wie Malherbe und Corneille in den Kontext eingebracht. Ebenso diskutiert der Autor die wichtigsten Forschungsergebnisse zur französischen Klassik und arbeitet ihre gegenwärtige Bedeutung heraus.

Vorwort

"What is a classic?" hat T.S. Eliot in einem berühmt gewordenen Essay 1944 gefragt und gemeint, es gehörten drei Bedingungen dazu: eine gewisse historische Distanz zu den Werken, die man so nennt, deren Reife - 'maturity' - und, als Entstehungsvoraussetzung, typisch angelsächsisch: 'civilised manners'. Im übrigen verwirkliche sich in den Klassikern der "Geist der Sprache", in der sie geschrieben sind. Das liegt nicht so ferne von der Meinung Goethes, erst wenn die historischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen dafür gegeben seien, könne sich ein klassischer "Nationalautor" herausbilden. Frecher als Goethe es in seinem Aufsatz über "Literarischen Sansculottismus" gesagt hatte, hat sich Stendhal 1823 in Racine et Shakespeare über das Thema geäußert. Er erklärte, während die romantische Literatur dem Zeitgeschmack entspräche, sei klassisch diejenige zu nennen, die unseren Urgroßvätern das größte Vergnügen machte. Jüngst hat sich nun Italo Calvino, einer der belesensten Autoren unserer Zeit, erneut Gedanken über das Wort und die Sache gemacht. Er zählt in Perché leggere i Classici? nicht weniger als vierzehn Eigenschaften auf, die einen Klassiker zum Klassiker machen Es sind die Autoren, die man nicht nur einmal, sondern immer wieder liest, weil sie unausschöpfbar sind, die den reichsten Erinnerungsschatz für ihre Leser bieten, die aber auch immer wieder zum Widerspruch reizen und die die jeweilige Aktualität zu einem Hintergrundgeräusch zusammenschrumpfen lassen. Calvino meinte nicht, daß man nur noch Klassiker lesen sollte - es könnten auch Kriminalromane oder etwa soziologische Abhandlungen sein -, aber er hat doch eine Anzahl neuer, triftiger Gründe dafür gefunden, sie zu lesen. Den Begriff faßt er freilich sehr weit: er bezieht ihn auf Homer ebenso wie auf Galilei, den jüngeren Plinius oder Raymond Queneau. Selbst sein Landsmann Pavese ist für Calvino schon ein Klassiker.

Bei der hier vorgelegten Einführung handelt es sich nicht um Klassiker dieser Art, die man auf gut englisch "major works" nennen würde, sondern um eine Gruppe von Autoren, die in einem geistigen Zusammenhang zueinander stehen, großenteils miteinander bekannt oder sogar befreundet waren und - dies vor allem eine gemeinsame anthropologische Basis, ein gemeinsames Bild vom Menschen hatten, dem sie in ihren Werken Ausdruck gaben, welcher Gattung diese auch zugehört haben mögen. Wir sprechen von der französischen Klassik. Was darunter verstanden werden soll und warum es sinnvoll ist, sie so zu nennen, wird in der Einleitung erläutert werden. Hier möchte ich nur, gleichsam an Calvino anknüpfend, sagen, daß eben der Zusammenhang, auf den es mir ankommt, vielleicht als ein fünfzehnter Grund für die Lektüre dieser unserer französischen Klassiker aufgefaßt werden kann. Mir scheint, die Forschung der letzten Jahrzehnte, auf die ich mich beziehe, hat diesen Zusammenhang erst recht deutlich gemacht. Sollte die Frage nach den Gemeinsamkeiten zwischen Moliére und La Fontaine, La Rochefoucauld, Racine, Mme de Lafayette und Guilleragues (dies meine Hauptklassiker) nicht auch einen neuen Lektürereiz abgeben können? Ich halte sie jedenfalls für frappant. Und ihnen zuliebe - das ergibt sich aus der Zielsetzung dieser Arbeit - verzichte ich weitgehend darauf, die Unterschiede, die es natürlich auch gibt, zu unterstreichen. Komödien, Fabeln, Aphorismen, Tragödien oder Romane, das sind natürlich deutlich unterschiedene literarische Gattungen. Umso erstaunlicher ist es, wenn ihnen ein weitgehend identisches Bild vom Menschen zugrunde liegt. Hat man es darauf abgesehen, so stehen ideell-inhaltliche Gesichtspunkte im Vordergrund, strukturelle und stilistische interessieren weniger. Dem entspricht die Ausrichtung dieser Einführung, die ich nicht nur als eine Hinführung zur Klassik, sondern auch als eine Orientierung über diese selbst auffasse und daher Übersicht nenne.

Daß der Gegenstand groß und komplex ist, brauche ich nicht eigens zu betonen. Eine vollständige, womöglich endgültige Darstellung, falls es so etwas gibt, kann gewiß nicht das Werk eines einzelnen Verfassers sein. Deswegen spreche ich verschiedentlich im Text dieser Arbeit von einem "Versuch". Als solcher sollte er auch gelesen werden.

J. v. St.


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