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Seit diesem Tag frühstückt der 14-jährige Evy im Nobelanwesen allein. Denn auch wenn es niemand ausspricht, geben doch viele Bewohner der Gegend dem Jungen die Schuld am Tod seiner Schwester. Und auch die Eltern brechen manchmal in eine Mischung aus Vorwürfen und Tränen aus. Zehn Jahre ist der Tod Lisas schon her, aber die Erinnerung daran schwebt immer noch wie ein Damoklesschwert über dem Hügel. Evy aber hat sich ganz in sich zurückgezogen und bewahrt sein Geheimnis über das Geschehen damals ebenso wie das Geheimnis seines eigenen Lebens und Liebens in dieser Welt der Affären und der Oberflächlichkeit eisern für sich -- bis noch ein zweites Unglück geschieht.
Mit Betty Blue hat der inzwischen 57-jährige französische Autor Philippe Djian in den achtziger Jahren ein Buch vorgelegt, das seit der spektakulären Verfilmung von Regisseur Jean-Hugues Anglade mit einer Atem beraubenden Béatrice Dalle als eine Art Kultbuch gehandelt wird: mit allen Vor- und Nachteilen, die eine solche Klassifizierung für einen Autor mit sich bringt. Zum einen verkauft sich Betty Blue natürlich immer noch und sichert seinem Verfasser ein erkleckliches Einkommen. Zum anderen aber werden alle anderen Nachfolgewerke von der Literaturkritik an diesem Bestseller gemessen. Dies aber ist überaus unfair. Denn jedes Buch Djians ist auf seine Art faszinierend und eigenständig. So ist es auch mit Die Frühreifen, das als melancholisches, durch unzählige Schattierungen glänzendes Gesellschaftspanorama einer sexualisierten, eigentlich verlorenen Welt so jugendlich frisch daherkommt, als sei sein Autor im Laufe der letzten Jahrzehnte kaum gealtert. --Stefan Kellerer
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Abgeklärtheit des Alters?,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Frühreifen (Gebundene Ausgabe)
Sicher: Djian ist seit "Betty Blue" um zwanzig Jahre gealtert. Obwohl ich ihn zu meinen größten Vorbildern zähle und auch alle Bücher von ihm gelesen habe, fand ich nicht alle gut. "Schwarze Tage, weiße Nächte" fand ich z.B. gelinde ausgedrückt "sch...". "Reibereien" war auch nicht so der Brüller. Und nat. kann man "Die Frühreifen" nicht mit "Erogene Zone" oder eben "Betty Blue" vergleichen.Aber die "Frühreifen" hat durchaus Qualitäten! Vielleicht liegt es daran, dass ich ebenfalls in dem Alter bin, wo man sich selber fragt, welche Generation eigentlich die größere Macke hat. Die Eigene, die sich auch mit 40 konsequent weigert erwachsen zu werden, oder die "Andere" die auf so seltsame Ideen kommen wie dem Papst zuzujubeln oder keinen Sex vor der Ehe zu wollen. Genau zwischen diesen beiden Generationen knallt es nähmlich gewaltig in Djians neuem Werk. Der ehemaligen "Sex, Drugs & Rock'nRoll" Generation und ihren Kindern. Und abgesehen von der Tatsache, dass beide Generationen ihre Drogen von ein und dem selben Dealer kaufen, haben sie wirklich nichts, absolut garnichts mehr gemeinsam. Die Jüngeren sind auf der Suche nach Orientierung, die Älteren können, oder wollen, keine Vorbilder sein, können keine Werte vermitteln und über ihre Nachkommen nur resigniert den Kopf schütteln. Und genau diese Situation beschreibt Djian mit der für ihn, irgendwie doch immer noch typischen, Beschreibung von lakonischem, belanglosen Alltagstrott, der dennoch die Wucht eines Faustschlags hat, versetzt mit einer gehörigen Potion Ironie. Es ist anders als seine anderen Bücher, aber auch um Längen besser als einige der letzten Werke. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Sex, Drogen, Tod,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Frühreifen (Gebundene Ausgabe)
"Die Frühreifen", der deutsche Titel von Phillippe Djians neuem Roman, legt den falschen Schluss nahe, dass es sich um einen Jugendroman handelt. Im Original heisst das Buch "Impuretés", also Unreinheit, Unkeuschheit, Unzucht. Djian entwirft ein Gesellschaftsportrait über drei Generationen, in dem der 14-jährige Evy, seine nonkonformistischen Eltern, seine Kollegen, Freunde und Nachbarn in einem Villenviertel im Zentrum stehen. Das Titelbild ist übrigens ein Gemälde von David Hockney mit dem sinnigen Titel "Portrait of an Artist".Örtlich ist die Handlung nicht fassbar, vielmehr haben Ort und Geschichte Modellcharakter, eine dekadente Gesellschaft an einem Nirgendwo. Die beschriebene materialistische Gesellschaft ist ziemlich oberflächlich, aber auch abgeklärt. Auch wenn Evys Schwester und weitere Personen sterben, so geht das Leben unbeirrt weiter. Mit Drogen und sexuellen Ausschweifungen wird die Realität zugedröhnt. Konflikte werden unter der Oberfläche gehalten. Alles dem Spass untergeordnet. Kein Innehalten, um nach Sinn zu suchen. Zwischen den Generationen sind schliesslich überhaupt keine Unterschiede feststellbar. Die Alten sind genauso unreif wie die Jungen. Djian läuft auf der stilistischen Ebene wieder einmal in Hochform auf, vergleichbar mit "Pas de deux". Allerdings ist die Geschichte seltsam statisch. Alles dreht sich irgendwie im Kreis, es findet keine Entwicklung statt und es kommt zu thematischen Wiederholungen. Das macht die Lektüre auf Dauer etwas ermüdend. Darum schwanke ich zwischen 3 und 4 Sternen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Meister des Stils,
Von cucculain (dorthin) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die Frühreifen (Broschiert)
Die Geschichte des 14 jährigen Evy zeigt einmal mehr, mit welch unvergleichlicher Stilsicherheit Phillip Djian es versteht, Geschichten in einem Tempo vorzutragen, dass einem die Spucke wegbleibt und es einem kaum gelingt, das Buch aus der Hand zu legen.Djian beschreibt in seinem neuesten Werk drei Generationen des modernen Lebens. Die Sprachlosigkeit der Jungen, vollgedröhnt mit Drogen und sexuellen Eskapaden, der Hoffnungslosigkeit bis in den Tod und die abgrundtiefe Verachtung, die sie ihren Eltern entgegenbringen. Die Genration der Eltern, die sich in ihrem Leben der Oberflächlichkeiten verstricken und bezüglich Drogen und Sexualität den Kindern ein wenig gutes Vorbild geben. Und die Generation der Großeltern, die mit ihren starren Vorstellungen, der eigenen Unbeweglichkeit und der nervtötenden Bevormundung der jüngeren Generationen ihr Recht auf Gehör verspielen. All das spielt an einem beliebigen, fiktiven Ort mit fiktiven Personen, dramatisch überzogen und teilweise ins Unglaubliche geschrieben, trotzdem immer mit dem Beigeschmack der schonungslosen Offenheit und knallharten Realität. Geschrieben in einer Sprache, die die Liebe zum Wort in jeder einzelnen Zeile widerspiegelt, die einmal mehr beweist, dass Phillip Djian ein Meister der Gegenwart ist und völlig zu Recht zu den am meisten gelesenen Autoren unserer Zeit zählt. Die Art, Situationen, Menschen und Landschaften zu beschreiben beweisen seine geistige Verwandtschaft zu Herman Melville und Kerouac. Wer Djian kennt, wird sich in die Hände klatschen und das Buch nicht aus Hand legen. Wer ihn noch nicht kennt, wird einen notorischen Ästheten mit dem Talent, den Leser bis ins Mark zu erschüttern, kennen lernen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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