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5.0 von 5 Sternen
Antiker Dichterstreit, 8. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Frösche. (Taschenbuch)
Die Rahmenhandlung dieser Komödie ist rasch erzählt: Dionysos, der Gott des Rausches, aber auch des Theaters langweilt sich nach des Euripides Tod und will in die Unterwelt steigen, um ihn zurückzuholen. Dort angekommen wird er Schiedsrichter im Dichterstreit zwischen Aischylos und Euripides und entscheidet sich schließlich - entgegen seinem ursprünglichen Plan - den Aischylos (und nicht den Euripides) mit an die Oberwelt zu nehmen. Inhaltlich gibt es zwei etwa gleich lange Teile, einmal die Geschichte um die Reise des Dionysos in die Unterwelt (Akt 1-3) und dann den Dichterstreit zwischen Euripides und Aischylos (Akt 4-5).
Der erste Teil zielt auf den "schnellen Lacher" ab. Dionysos wird uns hier als Angsthase präsentiert, der sich angesichts der befürchteten Schrecken der Unterwelt in die Hose macht und sogar straflos von seinem eigenen Sklaven verhöhnt werden darf. Auch die Verkleidungs- und Verwechslungskomik gehören schon zum Repertoire der antiken Komödie. Dionysos verkleidet sich als Herakles und bezieht prompt Prügel von der Wirtin im Hades, weil der wirkliche Herakles dort die Zeche geprellt hat. Dass sich Dionysos bei der Überfahrt in die Unterwelt auf ein Quak-Duell mit Fröschen einlässt, spricht auch nicht gerade für einen überlegenen göttlichen Geist, gibt der Komödie aber einen sinnfälligen Titel.
Der zweite Teil operiert mit subtileren Scherzen: Aischylos gegen Euripides, das ist wie alt gegen neu, Mythos gegen Logos, alte Tugend gegen moderne Freigeisterei, Klassik gegen Romantik. Das Duell geht über mehrere Runden und umfasst Themenwahl, Personenführung, Einsatz des Chors, Gestaltung der Prologe, Rhythmik der Lieder. Und es schwankt unentschieden hin und her. Euripides muss Treffer einstecken, weil er angeblich unmoralische Stoffe auswählte, Leute aus dem Volk auf die Bühne stellte und seine Prologe zu monoton gestaltete. Sehr witzig und untergriffig demonstriert Aischylos, dass man auf jede Einleitung des Euripides die Floskel ... kam um seinen Pomadentopf" anhängen könne. Aischylos muss v.a. wegen der angeblichen Dunkelheit und Schwerfälligkeit seiner Sprache Treffer einstecken. Schließlich siegt Aischylos. Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen, wenn man die konservative Grundhaltung des Aristophanes in Rechnung stellt.
Die Übersetzung von Heinz Heubner in der vorliegenden Reclam-Ausgabe ist flott, frech und witzig und sie trägt meiner Meinung nach entscheidend zum Lesevergnügen bei. Sie bricht aber das Versmaß und verzichtet damit auf ein wichtiges Stilmittel des griechischen Textes. Man muss sich entscheiden. Urteilen Sie selbst:
"Und weiter, bei mir gab's vom ersten Vers an kein müßiges Herumstehen. Frau, Sklave, Herr, Mädchen und alte Vettel - sie kamen alle zu Wort"
(Euripides in der Übersetzung Heubner)
"Sodann vom ersten Vers an ließ ich niemand müßig stehen,
und reden musste mir die Frau und reden selbst der Sklave,
es sprach der Mann, die Jungfrau sprach, das alte Weib."
(Euripides in der Übersetzung Seeger)
Wie auch immer: Man zeige mir einen einzigen heutigen, modernen Komödiendichter, der, sagen wir einen Dichterwettstreit zwischen Goethe und Kleist so in Szene zu setzen vermöchte wie Aristophanes den zwischen Aischylos und Euripides. Wo der leichte Scherz getragen ist von einer tiefen Kenntnis von Leben und Werk der Parodierten und wo umgekehrt dieses tiefe Verständnis die Leichtigkeit des Scherzes erzeugt. Ich glaube nicht, dass es auch nur einen einzigen gibt. Und genau deshalb ziehe ich den Aristophanes den meisten Modernen vor.
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3.0 von 5 Sternen
Anmerkungen zur Neuübersetzung, 12. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Frösche. (Taschenbuch)
Ich mag mich nicht mit dem Inhalt selbst groß auseinandersetzen, der ist in der ersten Rezension gut zusammengefaßt. Einige Worte nur zur Neuübersetzung und den Anmerkungen:
Der Text ließt sich tatsächlich flüssiger als Seeger-Übersetzung, verliert allerdings viel vom Lyrischen des griechischen Theaters.
Die Anmerkungen tragen viel zum Verständnis des Textes bei, in ihrer Ausführlichkeit und ihrem Lehrerhaften gehen sie aber auch bald auf die Nerven, da akademische Spitzfindigkeiten, die eben zum Verständnis des Textes nicht beitragen frei mit den notwendigen Erklärungen vermischt sind.
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