... und damit eine gelungene Literaturverfilmung. Die bleibt nah am gleichnamigen Buch, mit nur wenigen Änderungen und Streichungen, was aber m. E. keine Einbuße bedeutet. Und umfangreich wie die Vorlage ist auch das Filmepos. Es beginnt in den Siebziger Jahren des 19ten Jahrhunderts und endet zwischen 1920 und 1930. Wir erleben drei Generationen der Forsytes; Dreh- und Angelpunkt der Saga ist die gescheiterte Ehe zwischen Soames und Irene.
Wie bei den meisten britischen Filmen so wohltuend, wird einfach nur filmisch "erzählt" und das Augenmerk auf den Zuschauer und dessen eigene Denkfähigkeit gerichtet. Nicht wie bei deutschen Produkten oft so ärgerlich, auf die Eitelkeiten des Regisseurs, auf übergestülpte Bedeutungsschwere und Schürfen in der Tiefe. Bei den Briten bleibt es dem Zuschauer selber überlassen, sich seine Meinung zu erarbeiten, hier hat er viele Optionen für seine eigenen Schlüsse und sein eigenes Bild.
Die opulente, sorgfältig und mit viel Liebe zum Detail gewählte Ausstattung an Kostümen, Requisiten, Landschaftsaufnahmen und ähnlichen Zutaten mit authentischem Zeitkolorit vermittelt dem Betrachter ganz besondere Eindrücke, und die machen das Ganze schon deshalb zu einem Genuss. Allein die Entwicklung von der Pferdedroschke zu den ersten Automobilen, der Wandel der Mode im Laufe dieser fünf Jahrzehnte: Hinreißend! Nicht immer jedermanns Geschmack, aber hinreißend, weil halt authentisch. Denn darauf haben die Filmemacher geachtet und kaum Zugeständnisse an den heutigen Geschmack gemacht (die ersten Hosen in der Damenmode waren alles andere als "sexy").
So sind denn auch die Darsteller keine Hollywood-Dutzend-Schönheiten heutigen Geschmacks, sondern britische Charakterköpfe. Damian Lewis und die aparte Gina McKee in den Hauptrollen, lösen ihre Aufgabe mit Bravour, sie schaffen es, die Vielschichtigkeit ihrer Figuren auf die Leinwand und damit zum Zuschauer zu bringen. Keiner ist der alleinige Täter, keiner ist das alleinige Opfer. Und um sie herum der gesamte Forsyte-Clan, mit all seinen patenten und weniger patenten Geistern, mit großen und kleinen Schicksalen - ganz so, wie sich das für eine Familien-Saga gehört.
Alles zusammen ein schwelgerischer Genuss für den Zuschauer, der dieses Genre mag.