Bei den Buddenbrooks brauchte ich noch zwei Leseanläufe, um mich in diese Sprache und Welt vor einem guten Jahrhundert hineinzufinden und in Thomas Manns großartigem Roman die Feinheiten der Charakterisierung zu entdecken, um auf eine "spannende Handlung" verzichten zu können. Bei der Forsyte-Saga erging es mir genau andersherum: durch die dramatischen Liebesverwicklungen um Irene erhält die Geschichte einen regelrechten Sog, eine Spannung, die einen kaum mehr loslässt. Dafür sind allerdings die Charakterisierungen ein wenig zu kurz gekommen bzw. weniger stark und bildhaft als bei dem großen deutschen Pendant. Gerade diese bildschöne Frau Irene, eine der wichtigsten Figuren, die die Schuld an der großen Familienfehde trägt, Männer auf ewig fesselt mit ihrem Äußeren, sie ins Unglück stürzt oder sie glücklich macht, ist recht blass geraten -- oder sollte das Absicht sein? Irene als eigentlich unerreichbarer Männertraum, als Phantom ohne klare Konturen? Aber neben den sehr geglückten Figuren, vor allem des ältesten Jolyons und der patenten June, sind auch andere Personen weniger gelungen bzw. sind in ihrer nicht ausgewogenenen Widersprüchlichkeit wie Soames schwer zug reifen. Dennoch: Ein unglaubliches Lesevergnügen, bis zur letzten Seite.