Dieses Buch ist der Auftakt zu Camilleris grandioser Serie um den sizilianischen Commissario Montalbano. Montalbano lebt in der fiktiven Stadt Vigàta, ist über seine Sturm & Drang Zeit schon hinweg und wägt trotz vielfältiger Angebote bedacht ab, ob er eine schöne Frau nun einem guten Essen vorziehen soll oder umgekehrt. Entgegen den Vermutungen haben die "Form des Wassers" und auch die anderen Fälle nicht direkt mit der Mafia zu tun. Die Paten bilden lediglich den Hintergrund der Handlung. Beim ersten Fall wird am Straßenstrich von Vigàta die Leiche des einflussreichen Ingenere Luparello gefunden, und zwar in eindeutiger Situation mit offenstehender Hose, Diagnose: Herzversagen. Montalbano nimmt wegen einiger Ungereimtheiten genauere Untersuchungen vor und stösst auf interessante Zusammenhänge.
Die Kriminaltechnik ist weit hinterher, Montalbano löst seinen Fall gemütlich mit Instinkt, Gewitztheit und seinen guten Kontakten in alle Kreise 'auf sizilianische Art'. Camilleri zeichnet ein interessantes, eigentlich liebenswertes Bild der sizilianischen/italienischen Gesellschaft, in der so gut wie nichts den offiziellen Weg geht, und doch über Umwege und Hintertürchen alle über alles im Bilde sind. Die Charaktere sind liebevoll dargestellt, nicht zuletzt wegen Montalbanos kauziger Sprüche kommt man hin und wieder um ein Schmunzeln nicht herum. Camilleri vermittelt geradezu das Gefühl, unter Nachbarn zu leben: jeder hat seine Stärken und Schwächen, wünscht sich eigentlich nur ein bisschen Frieden und versucht, sein Scherflein ins Trockene zu bringen. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum Camilleri in Italien schon seit Jahren (das Buch ist von 1994) so erfolgreich ist. Im Vergleich zu seinem bekannten venezianischen Wettbewerber Commissario Brunetti der Donna León kämpft Montalbano weniger für die Gerechtigkeit, vielmehr nimmt er den mafiösen Hintergrund als gegeben hin - was zu den teilweise grotesken inoffiziellen Abläufen führt.
Die weiteren Fälle ("Hund aus Terracotta") werden sogar noch witziger und bissiger (siehe meine Montalbano-Lieblingsliste No.7). Nicht zuletzt ist auch die deutsche Übersetzung sehr gelungen: fast ein kleiner Italienischkurs. Wegen der wunderbaren italienischen Stimmung mussten wir abends erst mal einen großen Topf "spaghetti dell'aglio e olio" kochen :-)