Na also, es geht doch! Nach dem desaströsen "Ringwelt-Thron" lässt "Die Flotte der Puppenspieler" aufatmen. Das Buch ist ein sehr gut gelungener Roman aus dem "Ringwelt-Universum" mit einem spannenden, interessanten Plot und symphatischen, glaubwürdigen Figuren. Der Ton und Erzählfluss ist deutlich anders als in den übrigen Ringwelt-Romanen - abgeklärter, nüchterner und ruhiger - und scheint mir auf Edward M. Lerners Konto zu gehen. Es stellt sich der Eindruck ein, dass die Hauptarbeit der "Co-Autor" geleistet hat. Wie auch immer, auf jeden Fall ist dieser Roman ein willkommenes, flott und unterhaltsam zu lesendes Kapitel aus dem "Ringwelt-Universum".
Der Roman fabuliert Elemente der Vorgeschichte der "Ringwelt"-Story aus, die dort nur kurz skizziert worden waren. Das "Wiedersehen" mit Nessus ist erfreulich, ebenso mit der Puppenspieler-Spezies, deren erzählerisches Potential endlich einmal ausgeschöpft wird. Der Kern des Plots aber, die Geschichte der Menschen, die mit den Puppenspielern kooperieren, ist neu.
Die Puppenspieler machen ihrem Namen erneut alle Ehre. Sie erscheinen mit wohldurchdachter, interessant gezeichneter Charakteristik, die über die stereotype Ängstlichkeit des Herdentieres hinausreicht. Sie manipulieren fremde Spezies mit einer Kaltblütigkeit, die auch vor der totalen Auslöschung nicht zurückschreckt, wenn es sein muss. Zugleich werden sie als höchst sensibel und kultiviert dargestellt und pflegen durchaus ihre moralischen Skrupel. Besonders Nessus selbst wirkt in dieser Hinsicht sehr widersprüchlich, um nicht zu sagen schizophren.
Sehr interessant werden auch die "Gw'oth" gezeichnet, eine auf einem Eismond lebende intelligente Spezies, die wie Seesterne aussehen und erstaunliche Eigenschaften entwickelt haben.
Die menschlichen Protagonisten sind nüchterne Raumfahrer, ein wenig zu trocken und rational vielleicht und damit letztlich zu flach bleibend, aber symphatisch. Ihr Handeln bleibt nachvollziehbar und glaubwürdig; ihr Idealismus gegen Ende hin ist fast rührend. Sie sind teilweise ziemlich naiv und wären im Verlauf der Handlung schon x-mal gescheitert, würden sich die Puppenspieler nur cleverer anstellen. Ihre Naivität erklärt sich aber glaubwürdig aus ihrer Vorgeschichte heraus.
Ein Manko ist, dass der Konflikt sich nicht stärker zuspitzt. Im Verlauf der Handlung gibt es zuwenig ernstliche Widerstände, und am Ende löst sich alles viel zu glatt und einfach auf. So gibt es in der Mitte des Buches einen leichten Spannungsabfall, doch steigt die Spannung im Showdown dann wieder an, auch wenn dieser wie gesagt noch dramatischer hätte werden können. Insgesamt ist der Roman aber dennoch empfehlenswert und ist auch für Neueinsteiger ins Ringwelt-Universum problemlos lesbar.