Die FLIPPERS kennt man als jüngerer Mensch meist aus der nach- mitternächtlichen WErbung in diversen Dauerwerbesendungen kleiner Fernsehkanäle; meist auch in dem Zusammenhang von "Greatest Hits"- Alben oder aufgrund der Tatsache, dass sich die Band kürzlich aufgelöst hat nach über 40 Jahren bestehen.
Ich hatte die DVD dann als Geschenk für ältere Verwandte gekauft, nicht für mich. Es ist meist nicht ganz mein Fall, da ich sonst lieber Blues, Jazz und Rock and Roll höre, und noch wesentlich jünger bin als das Alter der Band (wegen des Alters der Band sind ja meist auch die Fans schon entsprechend alt, weil die mit der Band aufgewachsen sind). Die Musik ist deutscher Schlager.
Ich bin dann aber mal neugierig geworden, weil ich mal eine wirklich gute Rock and Roll- Version von "Weine nicht, kleine Eva" im Radio gehört habe (würde mich noch immer interessieren, welche deutsche Band das da gespielt hatte!). Wenn man aus solchen Songs Rock and Roll- Songs machen kann, dann muss an den Songs dieser Band ja doch auch für mich was dran sein!
Die DVD ist als "besonderes Bonbon", als Dankeschön für die Fans gedacht. Und tatsächlich ist die DVD nicht schlecht gemacht, auch wenn man bedenkt für wen; für meine Begriffe insgesamt aber doch etwas arg kitschig.
Die FLIPPERS geben dem Gefühl Ausdruck nach Nostalgie, nach vergangenen Zeiten, als man noch jünger war und alles anders war, die Sehnsucht nach dem Urlaubsschwarm oder überhaupt die Erinnerungen zurück an den Urlaub in Mallorca oder an der Adria, ... Davon handeln die Songs. Und dafür lieben die Fans die Band.
Die Flippers kennen ihre Zielgruppe und richten sich mit ihrer Musik ganz auf deren Bedürfnisse ab. Kaum zu glauben, dass die FLIPPERS in den Anfängen der Bandgeschichte einmal eine Rock and Roll- Band (!) waren. Aber wenn man mal genau hinhört, wird bei manchen Songs doch deutlich, dass die Band da ihre Wurzeln haben könnte; bestimmte Rhythmen kommen Einem doch manchmal etwas vertraut vor ...
Es sind vielleicht auch diese Rock and Roll- Wurzeln, die Einen diese Band für einen Rock and Roll- Hörer zumindest hörbarer machen als andere (deutsche) Bands dieser Sparte.
Geschickt hat die Band im Laufe ihres 40-jährigen Bestehens immer wieder aktuelle und internationale Popmusik- Trends in ihre Songs eingeflochten, was deren Musik oft flotter und moderner erscheinen lässt als die Musik der deutschen Schlager- Konkurrenz.
Die Bandmitglieder sind mir nicht unsympathisch. Sie sind sehr bodenständig, bescheiden und bezeichnen ihre Musik manchmal sogar selber als "Schnullzen" oder dergleichen. Aber sie haben auch nie behauptet, dass ihre Musik etwas Außergewöhnliches sein soll. Ich nehme die Songs (vor allem die Textaussagen) der Band nicht ganz Ernst, und habe den Eindruck, die Bandmitglieder tun das bei sich auch nicht.
Die Songs werden meines Wissens fast ausschließlich von den Bandmitgliedern selbst komponiert, was immerhin auf ein gewisses musikalisches Vermögen hinweist.
Als die Band zwischenzeitlich große Popularitätsprobleme hatte, gingen ihre Mitglieder ganz bodenständig in ihre bürgerlichen Berufe zurück: ins EDV- Business, ins Fensterbau- Business, als Tennis- Trainer.
Ursprünglich sind die jetztigen Bandmitglieder ja nur aus Freizeit- Interesse zu der damaligen Rock and Roll- Band gestoßen. Die anderen Bandmitglieder sind nach und nach ausgestiegen, bis diese Drei geblieben sind, die ihren Stil vereinfacht haben, und dann Schlager gemacht haben, entsprechend den Bedürfnissen eines Publikums, bei dem man sich mehr Sympathien erhoffte als auf dem hart umkämpften Rock and Roll- Markt für Teenager.
Das ist ihnen m.E. sehr gelungen. Und für mich gibt es wesentlich "schlimmere" Schlagerbands als die FLIPPERS. Ich gebe ganz ehrlich zu: manche Songs höre ich sogar ganz gerne: "Weine nicht, kleine Eva", "Sajonara", "Die rote Sonne von Barbados"; "Rote Sonne, weites Land", "Lotusblume", "Je t'aime heißt: ich liebe Dich".
Das war es dann aber auch schon. Der Rest kann mich nicht mehr begeistern. Oft finde ich die Songs äußerst schwach; dann habe ich manchmal meine Zweifel, ob die Band wirklich ihr Handwerk versteht. Besonders peinlich finde ich es, wenn sie dann wieder einmal schwachen Abklatsch ihrer selbst bieten, sich nur selber kopieren, bzw parodieren.
Und ganz ehrlich: bis auf wenige Ausnahmen macht mir die Band den Eindruck einer typischen Schlager- Amateurband ohne besondere Ambitionen.
Es würde mich nicht erstaunen, wenn sich diese Band über ihren letztlichen Erfolg selbst am meisten gewundert hätte.
Denn ich frage mich, ob der Erfolg der Musik der FLIPPERS eher Beweis für deren musikalischen Klasse ist, oder eher für die Anspruchslosigkeit deutscher Musikkonsumenten?
Aber immerhin: für mich haben die FLIPPERS gewissermaßen einen eigenen Stil entwickelt. Gewisse Pop-/Rock- Rhythmus- Anleihen beleben ihre sonst meist faden Schlager- Songs.
Und tatsächlich bin ich der Meinung, dass sich die FLIPPERS gegenüber anderen deutschen Schlager- Bands nicht zu verstecken brauchen; im Gegenteil: auf mich wirkt die Band flotter und peppiger und hat nicht weniger Charakter als die meisten anderen Schlager- Bands hierzulande; selbst Peter Maffay ist m.E. nicht viel besser.
Für mich hat derartige Musik in meiner Jugend eine Brücke zu meinen Großeltern/ Eltern geschlagen.
Und tatsächlich transportiert die Band stellenweise ganz gut eine gewisse Harmonie in die Wohnzimmer der (meist älteren) Leute.
Aber ob die Professionalität der Band so gerechtfertigt ist? Für eine Amateur- band würde ich wirklich sagen: Große Klasse! Aber als Profi- Band? - Naja! Denn besonders anspruchsvoll finde ich den Großteil der Songs der Band einschließlich der Texte wirklich nicht.
Aber das müssen letztlich die Fans entscheiden. Und über einen Mangel an Anhängerschaft kann sich diese Band ja nunmal wirklich nicht beschweren.
Dennoch haben einige Songs der Band ein gewisses Profil, was auch darin zum Ausdruck kommt, dass auch in jüngster Zeit immer wieder Schlager- Songs der Band gecovert werden, und dabei oft mehr Erfolg ernten als zu der Zeit der Veröffentlichungen als Originalaufnahmen der FLIPPERS.
Und auf die Art und Weise lebt die Band dann weiter.
Es würde mich allerdings auch nicht wundern, wenn man diese Band in einigen Jahren ganz vergessen hat. Denn ganz unersetzbar ist die Band - selbst auf dem Markt für Schlagermusik - bestimmt nicht.
Am meisten erstaunt mich aber noch, dass die Band 8,5 Millionen Tonträger verkauft haben soll! Irgendwo muss die Band also doch noch "das gewisse Etwas" haben. Für mich allerdings nicht ganz erkennbar.
Für mich dennoch eine der besten Schlager- Bands hierzulande überhaupt!
Ob man jetzt letztlich aber unbedingt die DVD braucht, und ob nicht die CD ausreicht, will ich für Andere nicht beantworten. Aber so viel Besonderes bietet die DVD wohl nicht, wenn man die CD's hat!
FAZIT: Es muss nicht immer (reiner) Blues oder Rock and Roll sein! Für Fans dieser Musik ist die DVD sicherlich ein