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In zehn Romanen und auf über 3.500 Seiten hat Håkan Nesser den legendären Van Veteren ermitteln lassen. Sein letzter Fall sollte tatsächlich der letzte bleiben. Auch in Die Fliege und die Ewigkeit müssen wir auf den lakonischen Ermittler wider Willen verzichten und stellen einmal mehr erstaunt fest, dass die Faszination, die von Nessers Romanen ausgeht, nicht an diesem einen Ermittler hängt.
Der berühmte Philosoph Tomas Borgmann verfügt testamentarisch, dass sein ehemals bester Freund und Studienkollege Maertens eine Woche Zugang zu seiner exquisiten Bibliothek in einem abgelegenen Haus am Meer bekommen soll. Für Maertens, den die lange Gefängnisstrafe für einen Mord zum kauzigen Eigenbrötler gemacht hat, erkennt langsam, dass er eine Figur im grausamen Spiel des Verstorbenen ist.
Vor der Kulisse einsamer schwedischer Landschaften führt uns Nesser zu menschlichen Abgründen -- intelligent erzählt, mit moralischen Einsichten, die nicht belehren wollen. Und er verzichtet darauf, sich am "Wettrüsten" zahlreicher Krimiautoren zu beteiligen, die sich an Grausamkeit und Todesopfern zu überbieten versuchen. Nesser versteht es meisterhaft, hintergründig über Gewalt zu schreiben.
Einmal mehr erweist sich Nessers Diktum auf beklemmende Art als richtig: dass wir über den Tod lesen und dabei Fragen über das Leben stellen. --Henrik Flor, Literaturtest -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
47 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein leiser, zurückgezogener und besinnlicher, alter und neuer Krimi, nicht aus Veeterem-Holz geschnitzt,
Von Christian Mayr "einmeier" (München) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Die Fliege und die Ewigkeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wer Van Veeteren's Abschied traurig verfolgte und mit Spannung Nesser's neue Krimireihe um den Kommissar Gunnar Barbarotti erwartet, dürfte sich auf diese Neuerscheinung gefreut haben, die jedoch bereits 1999 in der Originalausgabe erschien und somit mit 7-jähriger Verspätung nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt, damit wiederum mitten in der 10-bändigen Van Veeteren-Geschichte verfasst wurde, die zwischen '93 und '03 entstand.Diese Zeitfolge erwähne ich, weil ich von diesem sehr sanften, sehr leisen Krimi überrascht war: sprachlich und inhaltlich unterscheidet sich dieser sehr bedächtige Roman fast drastisch von den mir bekannten und geliebten v.V.-Krimis: die Handlung rund um das zutiefst erschütterte und erschütternde Leben zweier früherer Freunde und Philosophie-Studenten führt dazu, dass Nesser sich inhaltlich implizit wie aber auch explizit philosophischer Fragen widmet, die für die eigentliche Handlung erst im zweiten Blick relevanten Dialogen der beiden wesentlichen Protagonisten führen Platon, Hegel, Russell, Moore, Descartes an, in ebendiesen Dialogen werden philosophische Thesen angerissen und diese erst führen in Folge zu der eigentlichen Handlung, die diesen Roman zu einem Krimi macht. Wie selbstverständlich ist also die Sprache in diesem Roman durchzogen von philosophischen Termini. Zugleich auch bei den nicht-philosophischen Exkursionen äusserst gehalt- und niveauvoll, gerade im dirketen Vergleich zu den v.V.-Publikationen. Hakan Nesser erzählt hier sehr langsam und gefühlvoll, bedächtig und emotional sehr ergreifend eine durchaus melancholische Geschichte einiger, weniger Personen, mal in Form einer 'Rückblende', mal in Form des von der Hauptperson verfassten Tagebuchs und dann distanziert aus der Sicht des Erzählers. Die Emotionen und Gedanken sind hierbei der Kern dieses Krimis, weniger die Handlungen selbst und aus den verschiedenen Ebenen schält sich sehr langsam wie in einer Metamorphose ein Krimi aus einem vorerst 'nur' tragischen Drama. Dieser fantastische Roman benötigt vom Leser Ruhe und Aufmerksamkeit, um seine Kraft und Melancholie zu entfalten. Selten erschütterte mich ein Krimi auf den letzten Seiten in einer solch brachialen Art, 'ergreifend' wäre eine Untertreibung. Die Spannung ist hier sehr subtil, aber stets spürbar, insofern man keine Berührungsängste vor dem stark philosophischen 'Touch' hat und gewillt ist, zu akzeptieren, dass man nicht jede, kleine philosophische Abhandlung in diesem - wohlgemerkt! - Krimi verstehen wird: es tut keinen Abbruch. Ein starker Krimi, subtil aber spannend, melancholisch und dramatisch, dabei gefühlvoll und sanft auf sprachlich niveauvollster Ebene, ein Krimi, der Aufmerksamkeit und Muse und Ruhe erfordert. Ich bin begeistert. Jedoch: Unkonzentriertes Kleinst-Häppchen-Lesen in der S-Bahn oder an der Bushaltestelle würde ich nicht empfehlen. ;-) Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Philosophie und Mord..,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Fliege und die Ewigkeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
...zugegeben, die philosophischen Ausführungen sind nicht gerade leicht zu lesen und eröffnen einen vollkommen anderen Blick in - oder besser aus der Story, als man gemeinhin vermutet, nimmt man sich einen Krimi zur Hand. Als ich an den ersten philosophischen Stellen stolperte, reflektierte ich meine Erwartungshaltung: lese ich einen Krimi, einen Roman oder eine philosophisches Traktat. Das mag sicher den einen oder anderen Leser irritieren. Doch der Reiz des Buches liegt gerade darin, den ausschweifenden philosophischen Ideen der beiden Hauptakteure zu folgen, um jedesmal anschliessend in die Realität des Buches zurückgeworfen zu werden und mit unerbittlicher Sicherheit sich der eigentlichen Katastrophe zu nähern.Das Verweben der verschiedenen Zeitstränge ist anfangs ebenfalls gewöhnungsbedürftig, aber dadurch gewinnt die psychologische Dramaturgie, und unterstreicht den Spannungsbogen, der hier nicht durch einfache Rückblenden erzeugt wird, sondern durch die Teilhabe an den philosophischen Überlegungen der beiden Hauptfiguren. 5 Sterne, weil es trotz der schwierigen Passagen eine starke Faszination zu erzeugen vermag. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Kein Buch für "klassische" Krimi-Fans,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Fliege und die Ewigkeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich hab schon einige Bücher des Autors gelesen und fand seine Bücher immer sehr spannend und absolut genial geschrieben. Leicht zu lesen waren Sie andererseits nie, insbesondere bis man von der Handlung gefangen war.Dieses Mal weiß ich gar nicht recht was ich von dem Buch halten soll. Ist das wirklich ein Krimi??? Es gibt einen Toten und einen verurteilten Mörder, aus dessen Sicht erzählt wird und der durch den Tod seines alten Freundes Borgmann gezwungen wird, sich mit der Vergangenheit und dem von ihm verübten Mord auseinander zu setzen. Leider geschieht dies aber so langatmig, ja leider langweilig, dass es Hakan Nesser zwar überzeugend gelingt, das Innenleben eines intelligenten Eigenbrötlers zu schildern, aber das macht das Buch für mich nicht spannender. Die philosophischen Studienjahre sind zäh und verwirrend, häufig für den Leser nicht in direkten Zusammenhang mit der späteren Tat zu bringen. Einzig die Beschreibung der Beziehung der beiden Philosophiestudenten zueinander und die geschilderte Bewunderung, ja fast Abhängigkeit Maertens von Borgmann scheint wichtig für die Entwicklung der späteren Tat. Und natürlich die Quintessenz Borgmanns, der irgendwann feststellt, dass alles darauf rausläuft, dass man sich immer ab einem Punkt entscheiden muss ob man handelt oder nicht. Hier bekommt der Roman (ein Krimi sollte man das nicht nennen) eine Tiefe die das Lesen in gewissem Rahmen spannend macht. Und dennoch ist schon recht früh der weitere schicksalhafte Verlauf der Handlung vorhersehbar. Fazit: Es handelt sich um einen Roman, um keinen Krimi. Die Handlung wirkt in weiten Teilen so langatmig und verschroben, wie es die Hauptperson nach 14 jähriger Haft wohl ist. Wer sich für ein solches Psychogramm begeistern kann, für den scheint mir dieses Buch lesenwert. Wer sich aber für die spannenden Krimis dieses Autors begeistert, sollte eher zögern und sich nach etwas anderem umschauen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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