Da mir
Die Beschenkte von Kristin Cashore so gut gefallen hat, musste ich natürlich auch "Die Flammende" lesen. Ich hatte mich sehr darauf gefreut und mit hohen Erwartungen angefangen zu lesen - um dann ziemlich enttäuscht zu werden.
Ich habe wirklich versucht, nicht zu sehr zwischen den Büchern zu vergleichen und "die Flammende" eigenständig zu betrachten. Aber egal, ob Folgeband oder nicht, diese Geschichte konnte mich nicht begeistern.
Über den Inhalt wurde ja bereits genug gesagt, ich beschränke mich auf meine Eindrücke.
Um zuerst die positiven Aspekte zu erwähnen: Ich hatte wirklich nicht nochmal die gleiche Geschichte in grün erwartet, wie in der Beschenkten. Von daher fand ich die Idee gut, die Geschichte zwar in der gleichen Welt wie "Die Beschenkte" spielen zu lassen, aber einige Jahre zuvor und in einem anderen Land. Auch die Idee mit den Monstern und Fire als einzigem menschlichem Monster fand ich gelungen. Schönheit als richtigen Fluch darzustellen, unter der die Hauptperson leidet, ist auch mal eine interessante Sichtweise.
Die Hauptperson Fire ist sanft, zurückhaltend und gütig. Zwar kann sie auch mit dem Bogen umgehen, muss aber das ganze Buch durch beschützt werden. Das ist ja auch nicht weiter schlimm. Die meiste Zeit ist ihr Charakter durchaus sympathisch und einigermaßen interessant, aber ihre "Güte" grenzt zeitweise schon an Selbstlosigkeit. Sie denkt immer zuerst an andere, ist nie verletzt, kennt keine Eifersucht und hat einfach weder Ecken noch Kanten. Im letzten Drittel ist sie mir dann mit ihrem plötzlichen unreifen Verhalten gehörig auf die Nerven gegangen.
Was mir, genau wie anderen Rezensenten, besonders negativ aufgefallen ist: der Schreibstil. Keine Ahnung ob das an der Übersetzung oder der Autorin lag, aber es gab viele holprige Stellen und Wiederholungen. Beim Lesen blieb ich immer wieder an Formulierungen hängen, die sich für mich komisch anhörten, statt so richtig in die Geschichte zu versinken.
Dann die Spannung, wo war sie? Etwa bei der Hälfte habe ich mich gefragt, wann denn endlich mal was passiert. Die Geschichte plätschert einfach so vor sich hin, ohne große Höhen und Tiefen. Fast ein bisschen emotionslos. Dann wurde es nach gut 350-400 Seiten endlich interessanter, nur um dann auf letzten 50 Seiten wieder vor sich hin zu dümpeln.
Ich lese wirklich gerne auch ruhig erzählte Geschichten, es muss nicht immer actionlastig sein, aber IRGENDWANN sollte doch trotzdem mal IRGENDWAS passieren und zwar nicht erst, wenn das Buch fast vorbei ist! Spannung hat ja nicht nur mit Kämpfen, aussichtslosen Situationen o.ä. zu tun; Spannung kann auch durch Zwischenmenschliches, durch Gefühle entstehen. Aber davon auch Fehlanzeige! Auf spannende Momente, die Höhepunkte der Geschichte, muss man sehr lange warten und dann erstrecken sich nur über ganz wenige Seiten und werden praktisch sofort aufgeklärt bzw. die Rettung ist gleich da.
Ein großer Kritikpunkt von mir ist die Liebesgeschichte, wenn sie diese Bezeichnung überhaupt verdient, denn sie kommt extrem zu kurz. Auch in diesem Punkt passiert fast das ganze Buch über nichts. Ein paar belanglose abendliche Gespräche, ein paar kurze Gedanken von Fire - fertig. Warum die beiden sich verlieben, kommt einfach nicht rüber und über seine Gefühle erfährt man gar nichts. Er (dessen Namen ich nicht verrate) bleibt recht blass und konturlos, weil man von ihm nur mitbekommt, was Fire sieht u. was er mit ihr spricht. Meistens glänzt er durch Abwesenheit. Da kommt kein Prickeln und vor allem keine Romantik auf!
Den Bezug zu "Die Beschenkte" will ich nur kurz ansprechen: Wer es gelesen hat, weiß um wen es sich bei dem Jungen handelt und was er kann. Dass der Leser das weiß, macht die Sache nicht unbedingt spannender und ich fand es eigentlich unnötig. Das ist aber natürlich Ansichtssache.
Wovon man im Buch allerdings überschüttet wird, sind tägliche Spaziergänge, weil Fire nicht schlafen kann. Fire weint, dann bekommt sie ihre Tage, dann weint sie wieder, führt ein paar telepathische Gespräche, wird von Greifvogelmonstern belauert, kriegt schließlich wieder ihre Tage und weint sich in den Schlaf. So könnte man in etwa das Buch beschreiben. Frustrierend!
Abschließend kann ich einfach nur sagen, dass ich sehr enttäuscht bin. Hätte ich nicht zuvor "Die Beschenkte" gelesen, würde ich jetzt kein Buch mehr von Frau Cashore lesen wollen. Die Autorin kann wesentlich mehr, hat hier aber meiner Meinung nach viel Potenzial verschenkt. Hoffentlich wird das nächste Buch wieder besser.