...schon diese "von den Vorfahren überlieferte Richtschnur" zeigt, dass es in dem kleinen Buch Perspektiven zu entdecken gibt, welche für viele von uns Lesern neu und unvertraut sind. Das macht die Lektüre zu einer bereichernden Horizonterweiterung. Die Erzählung nimmt den Leser unmittelbar in das Alltagsleben der Beduinen im Nahen Osten mit hineien. Das ist eine in den Turbulenzen der Nahost-Konflikte wenig beachtete Gruppe von Menschen. Und schon deshalb lohnt es sich, von ihnen zu lesen. Neben der Schilderung der im Mittelpunkt stehenden Rechtsangelegenheit, vermittelt die Erzählung eine berührende Anschauung und ein Gefühl davon, was den Alltag dieser Menschen ausmacht oder zu der beschriebenen Zeit (60er Jahre) ausmachte. Alles, was geschieht, wird in einem einfachen und unsensationellen Ton beschrieben. Man erfährt nicht oder kaum, was die Menschen denken, man erfährt, was sie sagen und tun. Man erfährt nicht, warum die Feuerprobe funktioniert und was es für eine Kraft ist, welche die Menschen an ihre Wirksamkeit glauben lässt. Unter der Oberfläche des Geschehens scheinen starke Überzeugungen an die Überlieferung, an das Schicksal zu wirken, oder allgemeiner: an Kräfte, die in der westlichen Lebensweise kaum zu Tage treten. Und so bleiben alles in allem nach der Lektüre der an sich faszinierenden Erzählung auch viele Fragen, denen es sich m.E. nachzuspüren lohnt.
Ein unbedingt lesenswertes Buch. Ich gebe 4 statt 5 Sterne, weil die Geschichte meiner Ansicht nach als solche einen größeren Umfang verdient hätte und so erzählt ein wenig zu schnell abläuft.