Steven Eriksons neuester Streich DAS FEUER DER REBELLION erweist sich mal wieder als äusserst komplex, vielschichtig und erbarmungslos gut.
Handelten die letzten beiden deutschsprachigen Bände KINDER DES SCHATTENS und GEZEITEN DER NACHT vom Eroberungsfeldzug der Tiste Edur im Königreich Lether, so geht der Autor hier wieder zurück in das Reich der sieben Städte und schildert die fortlaufenden Ereignisse nach dem Ende Felisins alias Sha'ik, der Erwählten der Göttin des Wirbelwinds.
Während in der "Hauptstory" die Mandata Tavore und die vierzehnte Armee sich durch endlose Wüsten schleppen um die Reste der Rebellarmee unter Leomanns Führung aufzureiben...ein in der Wüstenstadt Y'Ghatan endendes mörderisches Unterfangen aus Blut, Feuer und tausendfachen Tod, welches mit der dargestellten Intensität mal wieder seinesgleichen sucht. Erikson ist wahrlich ein Autor, der entfesseltes Chaos dem Leser nahebringen kann.
Aber es sind dann auch die anderen Geschichten, die das wahre Interesse wecken.
Icarium, der Weltenvernichter. Zusammen mit dem ewig hadernden Trell Mappo (was für ein tragisch verzweifeltes Gespann die Beiden doch sind) auf der Suche nach seiner Vergangenheit...
Apsalar, die im Auftrag Cotillions ihrem Handwerk nachgeht und dabei mit dem Geistergespann Rinnsel und Telorast die Lacher auf ihrer Seite hat...
Ganoes Paran, Herr der Drachenkarten, der einen Dämonen mit der Erweckung anderer Urgewalten aufhalten will...
Toblakai alias Karsa Orlong, der mit der Hexe Samar Dev auf Reisen ist und sich um Feinde, Dämonen und Götter keinen Deut schert...
Iskaral Pustl, der zu laut denkt und dennoch Macht in sich trägt, die man ihm kaum zutraut...
Heboric, ungewollter Günstling Treachs, der zusammen mit Scillara, Schlitzer, Fellisin und Graufrosch seinem Schicksal in der Wüste begegnet...
Kalam und der schnelle Ben, die im zerissenen Schattengewirr eine Entdeckung ungeheurer Grösse machen...
Die Aufzählung lässt sich fortsetzen. Erikson lässt die (Anti)Helden der früheren Ereignisse fast alle wieder zurückkehren, die Lebenden wie die Toten, auf das sie manipulieren und manipuliert werden, töten und getötet werden...ihrem Schicksal entgegensehen und es erdulden, leben und sterben, im ewigen Spiel der Götter.
Fast möchte man dennoch nur vier Sterne vergeben, denn man liest eine unfertige Geschichte, die zwar mit einem Cliffhanger endet, der aber keiner ist...denn zu viele Fäden sind durch die Buchzweiteilung (Danke Blanvalet!) noch offen und lose. Also muss der Leser, so er denn die deutsche Ausgabe lesen will, wieder bis zum nächsten Jahr warten, um zu wissen wie es dann weitergeht.
Aber, machen wir uns nichts vor, die Vorzeichen sind nur allzu deutlich...es wird böse enden.