Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
28 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Subtle World of Distinctions, 5. Oktober 2004
"Die Festung der Einsamkeit" ist definitiv mein Buch des Jahres, ein wunderbares Kaleidoskop einer Kindheit in Brooklyn in den 70er Jahren: Graffiti, Soul, Rap. Zwischen den schwarzen Nachbarn wächst das Hippiekind Dylan auf, als "Whiteboy" hat er es dementsprechend schwer; nur mit seinem Freund Mingus kann er in Phantasiewelten aus Superheldencomics, Drogen und Musik flüchten. Wie dieses kleine Universum dann auch noch implodiert, ist traurig und zugleich kraftvoll beschrieben - und wirkt beim Leser noch lange nach!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein weiterer vielversprechender amerikanischer Autor, 6. Juli 2006
'Die Festung der Einsamkeit' von Jonathan Lethem ist einerseits ein klassischer Entwicklungsroman, andererseits alles andere als klassisch. Auf mehr als 700 Seiten werden Kindheit, Jugend, Adoleszenz und Erwachsenenalter des Protagonisten, Dylan Ebdus, beschrieben. In der ersten Hälfte des Buches aus einer Erzählersicht, in der zweiten Hälfte aus einer Ich-Erzähler-Perspektive.
Der Titel umschreibt die Tatsache, dass Dylan Ebdus zeit seines Lebens einsam, wenn auch nicht immer alleine war. Seine Eltern, ein physisch anwesender, aber autistischer und damit für Dylan nicht greifbarer Künstler, der jahrzehntelang an einem Trickfilm malt, und eine physisch abwesende, weil verschwundene Mutter, die dafür dem Jungen geistig präsent war, trugen wenig zu seiner Erziehung, seinem Aufwachsen bei. Dylan sucht dafür Zuflucht bei Menschen, bei denen er aufgrund seiner Hautfarbe, als Weißer in Brooklyn immer ein Außenseiter bleibt, die ihm jedoch bei aller Haltlosigkeit mehr Stützwerk sind als seine Familie.
Der Roman ist ein Zeitgemälde insbesondere der 60er, 70er und 80er Jahre. Wie andere Autoren auch (stellvertretend genannt seien Haruki Murakami oder selbstverständlich Nick Hornby) nutzt Lethem die Musik dieser Zeit, baut Künstler, Titel und Texte ein, um Stimmungen und Lebensgefühle zu vermitteln. Selbst als durchaus versierter Musikhörer konnte ich jedoch nur mit einem kleineren Teil der genannten Künstler und Werke konkret etwas anfangen. Ähnlich erging es mir mit anderen Namen der amerikanischen jüngeren Zeit, Künstler, Architekten und anderen, vor allem mit der Comicwelt der späten 60er und frühen 70er. Dem Lesevergnügen war das nicht wirklich ab-, leider jedoch auch nicht zuträglich.
Die an anderer Stelle bereits geschilderte Episode mit dem magischen Ring nutzt Lethem, um die allzu realistischen Umstände des Buches, seine Verwurzelung in Drogen, Sex, Musik, Rassenkämpfen zeitweise zu verlassen und der Wirklichkeitsnähe etwas Mystisches entgegen zu setzen.
Einiges bleibt im Unklaren oder unbefriedigend, beispielsweise die erfolglose Suche nach seiner Mutter am Ende des Buches. Aber so ist es wohl, das Leben. Insgesamt ein weiterer amerikanischer Gegenwartsroman, der das Meiste, was im deutschen Sprachraum derzeit geschrieben wird, in den Schatten stellt. Ärgerlich die lasche Arbeit des Goldmann-Verlags, die eine Menge Fehler im Text lässt, von der Interpunktion bis zur Unfähigkeit, einen Eigennamen (Lisa / Liza) durchgehend gleich zu schreiben.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
9 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Überleben in Brooklyn, yo!, 3. August 2005
Feststellung gleich zu Beginn: „Die Festung der Einsamkeit" ist zu lang. Viel zu lang. Nur die ersten rund 400 Seiten sind tatsächlich purer Lesegenuss. Immerhin: hier schreibt Jonathen Lethem unfassbar gut. Zum Schluss hin hat er aber leider, anscheinend die Herren Franzen und Euginedes als Beispiele vor Augen, unbedingt einen möglichst dicken Wälzer abliefern wollen. Und damit im Ergebnis seine im Grunde faszinierende Geschichte verhunzt. Das Streben zahlreicher US-Autoren der jüngeren Generation, nicht weniger als die ganze Welt in prallen Romanen abzubilden, ist ein ambitionierter Ansatz. Auch ist eine atmosphärisch dichte Szenenbeschreibung, eine genaue Zeichnung der Personen und ein informatives Detailreichtum in der Schilderung von Land und Leute wünschenswert. Zumal wenn es, wie hier, um das energiegeladene Moloch Brooklyn - im Grunde der Hauptprotagonist in Jonathan Lethems' „Festung der Einsamkeit" - geht. Und damit um Gewalt und Schmerz. Oder gleich ums nackte Überleben. Aber wenn dies, wie im Falle von Jonathan Lethem, auf Kosten des Romans geht, gilt doch die kluge Weisheit: weniger ist manchmal mehr. Dabei ist Jonathan Lethem ein sprachgewandter, intelligenter und origineller Schriftsteller. Er dürfte also um die „Würze der Kürze" wissen. So aber ist aus dem Roman, laut Lethem ein „Schlüsselwerk" von tiefer autobiographischer Grundierung, eine schlussendlich nervige Angelegenheit für die Leser geworden. Schade drum'. Zur Handlung: Brooklyn in den 1970er Jahren. Es ist die Zeit von Hula-Hoop und der Ballspiele „Spaldeen" und „Skully". Auch für den fünfjährigen Dylan Ebdus, Sohn einer kettenrauchenden Hippie-Mutter und eines schrullenhaften Künstlervaters, spielt sich das Leben zumeist auf der Straße ab. Das macht nicht immer Spaß. Als einziger „Whiteboy" in einer von Schwarzen beherrschten Wohngegend darf man nicht zimperlich sein. Fast täglich wird er das Opfer von Jugendlichen, die ihm Geld und anderes abpressen. Oder einfach die Machtverhältnisse klarstellen wollen. Yo! Eine harte Schule. Beschützt wird er von seinem gleichaltrigen schwarzen Freund Mingus. Künstlername: DOSE (so zeigen es die Graffiti-Tags auf der Dean Street). Er ist beispielsloser Fürsprecher des Außenseiters Dylan (besser bekannt als "Dill-Man", "D-Lone", "Dillinger" und/oder "Diggity Dog"') und „eine explodierende Bombe von Möglichkeiten". Mut und Kraft verleiht darüber hinaus ein geheimnisvoller Ring, der die Superkräfte berühmter Comic-Helden wie Captain America und Spiderman zu bündeln scheint. Aber tatsächlich nur sehr sporadisch aus der Patsche helfen kann. Chris und Mingus entwachsen langsam den trendigen Kinderschuhen. Die Probleme häufen sich. Und lassen sich nicht immer lösen. Die Freunde trennen sich. Mingus gerät schnell auf die schiefe Bahn. Und landet nach Drogendealerei und Mord im Knast. Nur Chris kann helfen. Ob die Zauberkräfte des magischen Rings diesmal wirken? Jonathan Lethem, aufgewachsen in der Hippie-Boheme von Brooklyn, beschwört mit dem Roman „Die Festung der Einsamkeit" das Milieu seiner Kindheit herauf. Er erzählt von den Songs und den Filmen der 1970er Jahre. Von American Graffiti und den Superhelden der amerikanischen Comic-Kultur. Und er berichtet von den sommerlichen Nachmittagen der Kindheit, die nie enden wollten. Oder wie wir es heute vielleicht sehen: nie hätten enden dürfen. Die schönsten Stellen des Romans. Der Leser ist also knapp 400 Seiten lang glücklich. „Und wird am Ende unsanft aus dem Paradies vertrieben", wie es Christoph Schröder so treffend formuliert hat. Wenn Lethem die „multiperspektivische Erzählhaltung" aufgibt und fahrig in die Ich-Form wechselt, gepaart mit einem plötzlichen Zeitsprung von mehreren Jahren, verwirkt der Roman abrupt seine bisher so harmonische Balance. Der plötzliche Einbruch ins Phantastische (Stichwort: Zauberring) verärgert. Der Genre-Mix überfordert den Autor. Lethem will am Ende alles aufklären. Dafür er nimmt er sogar einen qualitativen Absturz seines Romans in Kauf. Im Hintergrund eindeutig hörbar: flatteriges Handwerkgeklapper. Aber wozu der ganze Aufwand? Verflucht sei dieser Ring!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|