Nachdem ich nun auch den bisher letzten auf Deutsch erschienenen Band der Serie mit Decius Caecilius Metellus gelesen habe, kann ich auch eine zusammenfassende Bewertung abgeben. Ich habe die Serie nicht so sehr als historische Kriminalromane, sondern wegen der historischen Hintergründe und den Einblicken in das Alltagsleben der zu Grunde gehenden Römischen Republik gelesen. Gewiß, es gibt bessere Krimis, aber nur wenige bessere historische Romane, die in dieser Zeit spielen.
Wieder mutet uns Roberts einen Zeitsprung zu: Der Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius wird komplett übersprungen (wie schon einmal die finale Auseinandersetzung zwischen Milo und Clodius), aber das hat Gründe. Es geht Roberts wohl weniger um die großen Linien der Politik - die gewöhnlich in ermüdenden Schlachtszenen und Bürgerkriegswirren (wer tötet wen) beschrieben werden - als vielmehr um die Frage, wie ein Mitglied der römischen Oberschicht ungeschoren durch den blutigen Untergang der Republik kommen konnte. Auf Caesars Seite schlug sich Decius ja schon im letzten Band, und langsam aber sicher deutet sich das sogar schon im ganzen Verlauf der Serie an. Dennoch bleibt er überzeugter Republikaner, laviert sich durch die Ansprüche und Zumutungen von Caesars zunehmender Autokratie und Despotismus. Stilistisch hilft dabei Decius' Ehefrau, eine geborene Julierin, die allmählich ihre glühende Verehrung für Gaius Julius verliert, spätestens als er die roten Stiefel der Könige anzieht.
Auch am Beispiel der Darstellung von Marcus Antonius läßt sich das Prinzip verdeutlichen: Er wird kaum als römischer Politiker oder gar Feldherr dargestellt, sondern als etwas zu rustikal gearteter Playboy.
Caesars Kalenderreform, die bekanntlich bis heute nachwirkt und deren Durchsetzung vielleicht eine seiner größten Leistungen darstellt, dient in diesem Sinne nur als Folie für die Darstellung des Herrschaftsstils des Imperators als Dictator. In den Dialogen mit Decius bekommt man ein gutes Gefühl dafür, warum er schließlich ermordet wurde.
Wer einen spannenden Krimi lesen möchte, sucht sich wohl besser etwas zeitgenössischeres; wer den Niedergang der Römischen Republik spannend findet, wird bestens bedient. Roberts kann mit seiner Romankonstruktion Erklärungen liefern, wie es kein Sachbuch kann. Flüssig zu lesen ist der Band wie alle seine Vorgänger.
Einen "Nachteil" will ich nicht verschweigen: Bei vorhandenem historischem Interesse besteht Suchtgefahr. Ich habe mir jetzt Biographien über Sulla, Pompeius, Cicero und andere besorgt. Vielleicht lese ich sogar Caesars Gallischen und seinen Bürgerkrieg nochmal. Und ich mache weiter im gleichen Zeitabschnitt mit der Serie von Steven Saylor...
Mir scheint, Roberts gelingt es vorzügich, seine Leser in die Zeit seiner Romane zu versetzen - mehr muss man von einem historischen Roman nicht erwarten. Vergnüglich ist die Lektüre allemal.