Bevor jemand überlegt, dieses Buch zu Weihnachten zu verschenken, möchte ich meinen Teil als "Kaufhilfe" beitragen. Man kann sich das Bändchen übrigens auch in jeder gutsortierten Stadtteilbibliothek ausleihen (für alle, die Frau Mika nicht monetär unterstützen wollen wie ich). Ein Fakt, der die Glaubwürdigkeit/ Authentizität von Mikas Polemik konterkariert, muß jeden halbwegs aufmerksamen Leser gleich zu Beginn der Lektüre verstimmen: Jeder, der über die politisch/ soziale Stellung der Frau schreibt, sich zu ihrem Verhältnis zur Mutterschaft, Familie und Beruf wie allgemein sich über Fragen der Identität und des Lebensglücks äußert, wird dies in der Regel aus Sicht seiner speziellen Lebenssituation tun - und natürlich versuchen, diese zu rechtfertigen. Ein abschließendes Urteil über das gefälligst "richtige Leben" des weiblichen Individuums in einer freiheitlich verfaßten, pluralistischen Gesellschaft zu fällen, wie Mika das tut, ist geradezu so wie die Sonne verklagen zu wollen, weil sie zum Geburtstag nicht scheinen wollte.
Basha Mika, die eine bruchlose Karriere von der einfachen taz-Schreiberin zur gefeierten Publizistin während der hochfeministischen Phase der Bundesrepublik aufgebaut hat, ist selbst kinderlos und unverheiratet. Auf die persönlichen Lebensumstände geht B.M. jedoch mit keinem Wort ein; sie kämpft mit geschlossenem Visier, was zunächst einmal ziemlich unredlich und einer ernstzunehmenden Kritikerin nicht angemessen ist. Richtig schäbig wird es aber, wenn die so biografisch verhüllte Mika dazu übergeht, alle diejenigen verbal zu vermöbeln, die sich ihr gegenüber lebensweltlich zu erkennen gegeben haben, in ihr feministisches Frauenbild aber nicht einpassen wollen: vorzugsweise die Mütter, die sich der Aufgabe, ihre Kinder zu nähren, zu erziehen und ihnen ein intaktes, harmonisches Familienleben zu ermöglichen, ernsthaft verpflichtet fühlen. Was Frau Mika mit ihrer altbackenen, unendlich larmoyanten Tirade gegen die berühmten drei K's betreibt - und das werfe ich ihr zornig vor - ist mitnichten eine längst fällige Abrechnung mit der jüngeren Frauengeneration, sondern ist die künstliche Verbreiterung der häßlichen Kluft, die sich seit `68 zwischen Familien und Kinderlosen aufgetan hat.
Ich weiß, daß gewisse Fragen aus Gründen der political correctness längst nicht mehr zu stellen erlaubt sind, aber ich frage dennoch: Wer von den heute Kinderlosen inklusive Frau Mika glaubt, wird einmal dafür sorgen, daß sie auf eine regelmäßige Rente vertrauen können, wer wird sie im Alter pflegen, wer wird die Innovationen hervorbringen, die ihnen das Altern erleichtern? Was die Familie produziert ist nicht allein der (in Zahlen meßbare) monetäre Beitrag zum gegenwärtigen Staatshaushalt wie bei kinderlosen Singles eben auch, sondern es ist die (privat getätigte) Investition in das Humanvermögen unserer Gesellschaft, die nur diejenigen leisten, die sich eben Kinder "leisten". Je besser, je liebevoller unsere Kinder von heute aufwachsen, je besser die Qualität ihrer Erziehung/ Ausbildung, desto verantwortungsvoller, desto leistungsfähiger werden sie als steuerzahlende Bürger von morgen sein. Da ist es nur eine Küchenweisheit, daß je höher die Bildung einer Hausfrau ist, desto mehr sie davon ihren Kinder mitzugeben imstande ist. Es ist also gewiß nicht zu hochgegriffen zu sagen, daß die Sorgetätigkeit der "verhühnerten, vermausten" Hausfrau die Stärke und Innovationskraft der zukünftigen Generation bestimmt - und das völlig gratis, oft bis weit in die Abendstunden hinein und dazu noch auf der untersten Stufe der gesellschaftlichen Werteskala stehend. Umgekehrt könnte man auch sagen: Während die Kosten der Kindererziehung auf die Familie verlagert, d.h. privatisiert werden, so wird ihr Nutzen vergesellschaftet und dem Solidarwesen einverleibt. Vielleicht, so könnte man vermuten, ist das der kinderlosen Vollberufstätigen wie Frau Mika alles zuviel an ungerecht belohnter Verantwortung für die Allgemeinheit...?! Sie gönnt sich stattdessen den Luxus, alles Wünschbare an Selbstverwirklichung aus der (egoistischen) Sicht der Frau zu denken (egal, ob diese Kinder hat oder nicht!), wenn sie der kommunistischen Zwangsbeglückung durch Vollberufstätigkeit der Mutter das Wort redet, die dann wiederum durch die Möglichkeit bezahlter Fremdbetreuung so leben kann, als hätte sie kein Kind (alle Welt läßt sich heute schon beim simplen Liebeskummer vom Psychologen helfen, aber wer fragt hier einmal nach den Folgen für die Psyche eines Kleinstkinds?). Man kann bereits jetzt von einer kollektiven Verbindlichkeit dieses Lebensmodells der berufstätigen Mutter sprechen, wenn Familien lediglich vor die Wahl zwischen Zuverdienst/Kita oder Armut durch ein einziges Einkommen gestellt sind. Echte Freiheit bedeutet Wahlfreiheit. Doch diese ist im deutschen System für Familien nicht vorgesehen. Dies beschreibt zugleich die moderne Lebenswirklichkeit der meisten deutschen Kleinfamilien, die Basha Mika sehr einfach hätte überprüfen können, wenn sie nur ein paar Broschüren des Bundesfamilienministeriums etwas gründlicher gelesen hätte.
Ich selbst, 33 Jahre, verheiratet und Mutter einer kleinen Tochter (übrigens mit einem Abschluß in Soziologie mit dem Schwerpunkt Gender), bin glücklich mit meinem Leben so wie es ist, wäre noch glücklicher, wenn ich ein paar Jahre länger bei meinem Kind bleiben dürfte (was leider aus o.g. Gründen nicht finanzierbar ist) und trotzdem würde es mir nie in den Sinn kommen, mit einem derartigen Zorn und einer solchen Unerbittlichkeit andere Frauen für meine Art zu leben zu missionieren wie Frau Mika. Es ist kein Thema, das sich für die wissenschaftliche Erörterung eignet und daher glaube ich, daß man erst dann eine glaubwürdige Meinung über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vertreten kann, wenn man diese Situation von innen heraus einzuschätzen weiß. Basha Mikas Streitschrift ist daher nichts weiter als das haßsprühende Pamphlet einer Blinden im (feministischen) Tal der Ahnungslosen gegen einen Lebensentwurf, der ihrem diametral entgegensteht. Urteil: überflüssig. Wer will Frau Mika zuerst wegen Rassismus verklagen?