Ein mitunter ziemlich heikles Thema ist die Beziehung zwischen Indianern und weißen Frauen. Derartige Beziehungen gibt es schon sehr lange: aber während die indianische Seite mit dem Thema sehr offen umgeht, haben gerade die weißen Amerikaner ein großes Problem damit. Viele Frauen, die im Grenzland von Indianern entführt worden waren, hatten nach ihrer Rückkehr in die sogenannte Zivilisation mit dem Stigma zu kämpfen, bei den "Wilden" gelebt zu haben. Und war es früher selbstverständlich, dass solche Beziehungen verteufelt wurden, so besteht heute das Problem der Mythisierung der Problematik, indem man sagt, den Frauen wurde nie Gewalt angetan, sie wurden zu nichts gezwungen. Doch dabei darf nicht übersehen werden, dass der Raub der Frauen eine Form von Sklaverei ist. In der römischen Mythologie als Raub der Sabinerinnen noch verklärt und dort von allen Frauen, zumindest in der Sage, akzeptiert, notierte man in Nordamerika keine einheitlichen Abläufe. Es gab immer wieder Frauen, die zurück in die "Zivilisation" flüchteten - es gab aber auch häufig Frauen, die ein Leben mit ihrem indianischen Mann dem bisherigen Leben bewusst vorzogen. Denn man darf nicht vergessen, dass alle von den Indianern geraubten Frauen einen Kulturschock erlebten: alles war anders. Die Sprache, die Religion, das alltägliche Leben.
In ihrem neuen Roman zeigt Kerstin Groeper, wie dieses neue Leben sich entwickeln konnte. Dabei bedient sie sich einer wirkungsvollen Methode, indem sie abwechselnd ein Kapitel aus der Sicht des Mannes und eines aus der Sicht der Frau schreibt. Auf diese Weise gelingt es, die Gefühle und Gedanken beider Protagonisten überzeugend darzustellen. Und die Entscheidung, die beide am Ende treffen müssen, wird dadurch für den Leser sehr gut nachvollziehbar.
Der Roman bezieht sich auf tatsächliche Begebenheiten, die historisch nachgewiesen sind. So wird trotz aller prosaischen Fiktion deutlich, dass es sich hier um eine authentische Darstellung handelt, auch wenn die beiden Hauptfiguren des Romans nicht tatsächlich gelebt haben.
Dass sich die Autorin mit den vielen Facetten der Handlung vertraut gemacht hat, merkt man schon beim Lesen des ersten Kapitels, in dem die Überfahrt der deutschen Aussiedler nach Amerika beschrieben wird. Diese sehr realistische Darstellung wird auch auf den folgenden Seiten fortgesetzt.
Kleine Ungereimtheiten vermögen den Lesegenuss nicht zu trüben. Aber ein Lakota wird im Jahre 1865 sicher nicht daran denken, eine Frau "in seinem Bett zu wissen". Wird doch an anderer Stelle beschrieben, wie sich die Lakota in ihre Felle kuscheln. Andererseits klingt die Formulierung: "er will sie zwischen seinen Fellen wissen" auch ziemlich albern, weshalb die Wahl der oben genannten Formulierung durch die Autorin durchaus verständlich wird. Und schon an dieser einen Formulierung zeigt sich, wie schwer es doch ist, für heutige Leser einen historischen Roman zu schreiben, in dem alle Fakten stimmen und der sich trotzdem gut liest und auch verstanden wird.
Detailreich und mit großer Sachkenntnis schildert die Autorin das Alltagsleben in einem Indianerlager. Dabei ist gerade die Aufteilung der Kapitel in die männliche und weibliche Sichtweise sehr interessant, denn gerade auf diese Weise gelingt es, das indianische Alltagsleben von Mann und Frau darzustellen.