Pressestimmen
Ergänzt werden die gut verständlichen Texte durch die einprägsamen Illustrationen, sowie ein Verzeichnis der Labyrinthe in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Zur Vertiefung des Themas helfen das Literaturverzeichnis mit 17 Titeln, sowie 10 Internet-Adressen." (Rhön- und Streubote )
Kurzbeschreibung
Das Labyrinth gehört zu den ältesten symbolischen Zeichen der Menschheit – und erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance: Überall auf der Welt werden neue Labyrinthe gezeichnet, angelegt und verwendet. Das Labyrinth kann meditativ ausgemalt werden, man kann sein Geheimnis im Spiel erfahren oder es mit einfachen Mitteln selbst bauen.
Gernot Candolini stellt viele praktische Anregungen zum Umgang mit diesem Symbol vor. Er beantwortet dabei folgende Fragen:
• Was ist ein Labyrinth?
• Wie kann man seine Inhalte erschließen?
• Wie legt man ein Labyrinth an?
• Wie und zu welchen Anlässen verwendet man ein Labyrinth?
Mit vielen eindrucksvollen Fotos und Kopiervorlagen der wichtigsten historischen und modernen Labyrinthe eignet sich dieses Praxisbuch für alle Altersstufen.
Über den Autor
Auszug aus Die Faszination der Labyrinthe von Gernot Candolini. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Das Labyrinth ein uraltes Zeichen
Das Labyrinth gehört zu den ältesten symbolischen Zeichen der Menschheit.
Seit Jahrtausenden wird es in Felsen oder Ton geritzt, auf Keramiken gemalt, mit Steinen am Boden ausgelegt oder in
alte Handschriften gezeichnet. Man findet Labyrinthe auf alten kretischen Münzen, auf etruskischen Vasen, an sizilianischen Gräbern, auf indonesischen Goldringen, aber auch auf Schmuckstücken nordamerikanischer Indianer. Labyrinthe wurden in spanische, englische, russische Felsen geritzt, in französischen Kathedralen als Bodenmosaike ausgelegt, in indische Tempelverzierungen eingebaut und in pakistanische Moscheen geschnitzt. Sie wurden aus englischem und deutschem Rasen gestochen und in Skandinavien, Russland, Indien und Nordamerika mit Steinen ausgelegt.
In bestimmten Kulturen war das Labyrinth jahrhundertelang in Gebrauch, manchmal jedoch ist die Geschichte seiner Verwendung nur kurz. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts erlebt das Labyrinth erneut eine Renaissance: Überall auf der Welt werden derzeit neue Labyrinthe gezeichnet, gebaut und verwendet. Auch diese Blüte wird vergehen aber sie wird wiederum Spuren hinterlassen in der vieltausendjährigen Geschichte dieses Symbols.
Was ist ein Labyrinth?
Das ursprüngliche Labyrinth hat im Wesentlichen immer die gleiche Form. Von einem Kreuz ausgehend werden anfangs sieben, später mehrere Kreise gezogen, die einen verschlungenen Weg bilden. Dieser Weg hat keine Abzweigungen und bildet keine Sackgassen oder Irrwege. Er führt hin und her, biegt immer wieder nach innen und nach außen ab und gelangt schließlich zur Mitte. Dort ist der Ort der Umkehr. Es führt der gleiche Weg wieder nach außen zurück.
Ein Labyrinth malen und gestalten
Das Labyrinth kann bemalt werden, indem man zuerst den Weg zur Mitte einzeichnet oder ausmalt. Oder man hat mehr die Gestaltung des Labyrinths im Blick und beginnt mit den Begrenzungslinien des Weges. Interessant ist auch die Konstruktion eines Labyrinths. Das klassische Labyrinth wird nach einem relativ einfachen und doch überraschenden System konstruiert. Praktisch jeder ist fasziniert davon. Anfangs machen viele meist kleine Fehler, weil man sehr genau sein muss. Aber fast alle versuchen es so lange, bis es geschafft ist.
Labyrinthe konstruieren
Das einfachste Labyrinth besteht aus nur drei Umgängen. Grundschema sind ein Kreuz und vier Punkte. Vom Kreuz aus wird zuerst ein Bogen zum oberen rechten Punkt gezogen und ein zweiter vom oberen linken Punkt zum rechten Ende der horizontalen Kreuzachse. Dann setzt man am linken Ende der horizontalen Kreuzachse an und fährt zum rechten unteren Punkt. Mit dem vierten Bogen ist das Labyrinth fertig.
Dieses einfachste aller Labyrinthe kommt jedoch in der Geschichte praktisch nicht vor und es stellt sich sogar die Frage, ob es überhaupt ein Labyrinth ist. Der Weg wendet sich zwar hin und her, aber immer nach innen.
Man könnte der Labyrinthdefinition noch ein weiteres Merkmal anfügen, nämlich dass sich der Weg in unregelmäßiger Abwechslung von der Mitte weg und zur Mitte hin wenden muss. Genau das ist im klassischen und allen anderen Labyrinthen der Fall.
Konstruktionsplan für ein klassisches Labyrinth I
Grundschema für die Konstruktion eines klassischen Labyrinths mit sieben Umgängen ist ein Kreuz, dazu vier Ecken und vier Punkte. Vom Kreuzscheitel wird zur ersten Ecke ein Bogen gezogen. Dann ein Bogen nach dem anderen, wobei immer das nächste Eck oder der nächste Punkt mit dem nächsten freien Eck oder Punkt auf der anderen Seite verbunden wird. Wichtig ist dabei, darauf zu achten, dass nichts ausgelassen wird.
Konstruktionsplan für ein klassisches Labyrinth II
Es gibt noch eine etwas kompliziertere Konstruktionsmöglichkeit des klassischen Labyrinths, indem man auf die Ecken verzichtet und dafür die Linien um die Punkte herumführt. Durch diese Konstruktionsweise wird einem das Ineinandergreifen der Wege bewusster und das Hin- und Herschwingen der Wege kann mit der Hand nachvollzogen werden. Es ist aber eine größere Genauigkeit beim Einhalten der Linienabstände Voraussetzung für ein gelungenes Labyrinth.
Konstruktionen mit mehr Umgängen
Die meisten skandinavischen Trojaburgen bestehen aus elf Umgängen. Dazu ist es notwendig, jeweils eine Ecke mehr zu verwenden. Zwei Ecken mehr ergeben 15 Umgänge oder ein 15-Pfade-Labyrinth.
Wen das Konstruktionsfieber gepackt hat, der wird es vielleicht auch bis 27 Umgänge oder mehr probieren. Auch das Erfinden neuer Labyrinthe ist reizvoll und man kann dabei entdecken, dass es mit einem Fünferstern und fünf Punkten funktioniert, mit einem Sechserstern und sechs Punkten aber nicht.
Konstruktionsplan für ein gotisches Labyrinth
Die Konstruktion eines gotischen Labyrinths ist schwierig und gelingt nicht aus dem Handgelenk. Man beginnt mit einem Kreuz und zeichnet dann mit dem Zirkel in der Regel zwölf konzentrische Kreise. Für die Mitte ist dabei im Labyrinth von Chartres etwa ein Viertel des Gesamtdurchmessers vorgesehen. Nun zeichnet man den Eingangsbereich. Der erste Weg geht in den fünften Bogen hinein. Die eingetragenen Punkte zeigen an, wo der Weg die vorgegebenen Linien durchbrechen muss. Nun werden die Linienabschnitte, wo sich die Punkte befinden, gelöscht und das gotische Labyrinth ist entstanden
(s. auch S. 35).
Malen mit dem Labyrinth
Das Labyrinth eignet sich auch sehr gut zum Bemalen. Mit Farben kann die momentane Stimmung ausgedrückt werden. Das selbst ausgemalte Labyrinth wird plastischer und verwandelt sich von der allgemeinen Vorlage zu »meinem« Bild. Die Art der Farben, die beim Bemalen gewählt werden, kann faszinierende Seelengeschichten entstehen lassen oder bei Kindern das meist unbewusste, aber tiefe Symbolverständnis hervorlocken.
Das Labyrinth als Mandala
Manche Labyrinthe lassen sich wie ein Mandala verwenden. Ein Mandala ist eine runde, auf eine Mitte zentrierte Form. Das Wort kommt aus der altindischen Sprache Sanskrit und bedeutet »Kreis«. Mandalas finden sich beinahe in jeder Religion oder Kultur: als Felszeichnung, als indianisches Medizinrad, als gotische Fensterrosette ...
Das Ausmalen von Mandalas hat auf Menschen eine beruhigende Wirkung. Verschiedene Labyrinthe sind dafür geeignet, allerdings ist einzuräumen, dass die Form und die Linien eines Labyrinths immer auch etwas Spannendes haben und somit nicht ausschließlich beruhigend wirken, wie etwa streng symmetrische Muster. Auch wenn die meisten Labyrinthe auf den ersten Blick symmetrisch wirken, ist keines wirklich symmetrisch. Es ist sogar theoretisch unmöglich, ein symmetrisches Labyrinth zu konstruieren. In jedem Labyrinth steckt nicht nur die Harmonie des Kosmos, die in den Mandalas ausgedrückt werden soll, sondern auch die Unordnung der Welt und des menschlichen Lebens. Ein Labyrinth kann also auch sehr »aufregend« wirken.
Mit den Farben spielen
Es gibt viele Möglichkeiten, die Vorlagen mit Farben auszumalen: von innen nach außen, in frei gewählten Farben; von außen nach innen, immer heller werdend; entlang der Kreise oder entlang des Weges. Bei manchen Vorlagen kann man den Weg selbst und die Begrenzung ausmalen, manchmal nur den Weg.
Man kann auch versuchen, einen zusätzlichen symbolischen Inhalt mit den Farben auszudrücken, wie es beim Schulhoflabyrinth in Amras geschah.
Malaktion im Freien
Wer daran denkt, ein Labyrinth im Freien aufzumalen, sollte den Aufwand nicht unterschätzen. Aber mit guter Vorbereitung hat eine Schulklasse oder Jugendgruppe große Freude an einer solchen Aktion. Die Farben sollten unbedingt im Voraus ausgetestet werden. Am haltbarsten sind Straßenmarkierungsfarben, die aber aufgrund der Dämpfe für eine Arbeit mit Kindern ungeeignet sind. Es kann sich auch ein Versuch mit Fingerfarben lohnen. Falls es in den darauf folgenden 30 Stunden regnet, schwimmt alles davon. Wenn aber die Sonne kräftig auf das Kunstwerk scheint und die Nacht nicht feucht ist, so halten Fingerfarben überraschend gut. Alle Farben blättern jedoch im Winter ab. Da hilft nur nachmalen. Falls jemand eine besonders gute Farbe oder eine neue Technik findet, würde es mich freuen, davon zu hören.
Das Schulhoflabyrinth von Amras
Viele Schulvorplätze empfangen die Menschen in schlichtem Grau. Meist erkennt man ein Schulgebäude nur an seiner stallungsähnlichen Architektur und an einigen Scherenschnittschneeflocken an den Fenstern. Wenige Kindergärten und Schulen wagen sich mit Farbe in die Umgebung.
Nicht eine Einmalaktion, sondern etwas Buntes, das die Kinder länger benützen, wollte die Schulleiterin der Volksschule Amras und entschied sich für ein Labyrinth.
»Wenn ich mich am Morgen meiner Schule nähere,
höre ich Kinderlachen und Kindergeschrei. Es sind die Schüler,
die auf das Einlassklingelzeichen warten.
Sie sind beschäftigt mit dem Durchschreiten,
Durchlaufen unseres Labyrinthes, eines bunten, auf den Boden
gezeichneten Farbbandes. Vor allem die Kleinen trippeln
gerne die 50 Meter ab. Dasselbe Bild sieht man in der
15-minütigen Pause. Wer ist schneller? Wer kann geschickt ausweichen? Wer kann überholen, ohne den Spielpartner
zu berühren? Kinder erfinden gerne, sind kreativ.
Für unsere Handycapkinder ist es ein wichtiges Bewegungsspiel
im Freien. Beim Schreiben muss oft die Hand einen Richtungswechsel vollführen, um ein Wort zu Papier zu bringen. Beim Durchschreiten des Labyrinthes erlebt das Kind
dieselbe ständige Änderung des Weges der Richtungswechsel
im Schriftzug wird körperlich nachvollzogen.
Unser Labyrinth ist eine Bereicherung, ein Lehrmittel im Freien,
das auch nach den Unterrichtszeiten Schülern wie
Erwachsenen zur Verfügung steht.«
Margarete Habringer, ehemalige Schulleiterin der Volksschule Amras