Wer Alice Herdan-Zuckmayers hinreißende Erinnerungen in "Das Scheusal" genossen hat, der wird auch bei der "Farm in den grünen Bergen" auf seine Kosten kommen. Denn auch wenn das grandiose Mistvieh Mucki hier nur noch einmal in der Erinnerung auftaucht, heißt das nicht, dass das Zuckmayer'sche Leben nun langweilig geworden wäre.
"Die Farm in den grünen Bergen" setzt in etwa da ein, wo "Das Scheusal" endet -- nachdem die ständige Aufenthaltserlaubnis nicht eben unproblematisch ergattert wurde, beschließt das Ehepaar Zuckmayer, seinen Unterhalt als Farmer in der Wildnis von Vermont zu verdienen. Nicht, dass einer von ihnen eine Ahnung von Landwirtschaft gehabt hätte, aber wozu gibt es die USDA, eine US-Behörde, die in allen Belangen der Landwirtschaft und darüber hinaus Rat weiß? -- Natürlich gestaltet sich der Farmer-Alltag etwas anders als erwartet, und es ist wohltuend, wie elegant Herdan-Zuckmayer in ihren höchst amüsanten Schilderungen den billigen Pointen aus dem Wege geht. Es ist zum Schießen, wie sie es nun, statt mit einem egozentrischen Köter, mit eigenwilligen Ziegen und allerlei exzentrischem Federvieh zu tun bekommt.
Das Buch geht jedoch weit über die Nöte landwirtschaftender Intellektueller hinaus. Herdan-Zuckmayer erweist sich nämlich auch in Sachen "Amerika und die Amerikaner" als gute Beobachterin, meilenweit entfernt von der Pose der kultivierten Dame, die es unter die Hinterwäldler verschlagen hat. Statt dessen liest man sympathische Schnurren über ebenso sympathische Käuze und Sonderlinge, die anscheinend in Vermont besonders gut gedeihen, man liest aber auch kluge Überlegungen über spezifisch amerikanische Eigenheiten allgemein, ohne erhobenen Zeigefinger -- und dazu gibt es ja schließlich auch nicht immer einen Grund. Beneidenswert bis heute die Bedingungen an amerikanischen Bibliotheken (seit Herdan-Zuckmayers Zeiten haben sie sich nicht wesentlich geändert), sympathisch so manche Direktheit, natürlich auch befremdlich so manches andere.
Freilich muss man an "Die Farm in den grünen Bergen" andere Maßstäbe anlegen als an Carl Zuckmayers Jahrhundertbuch "Als wär's ein Stück von mir": Ist letzteres eine erstaunlich leicht lesbare Enzyklopädie des 20. Jahrhunderts, so ist die "Farm" erkennbar als Unterhaltungsliteratur der besten Sorte konzipiert.