"Wow, was ist das?", war mein erster Gedanke als ich diesen sensationellen Bildband aufschlug. Ich hatte tolle Fotos von dem Planeten erwartet, auf dem wir leben, aber was ich zu sehen bekam, hat all meine Erwartungen übertroffen.
Zuerst die Fakten: Nach einer vierseitigen Einleitung (vom Spiegel-Korrespondenten Alexander Smoltczyk, der von Klaus Franckes fabelhaften Fotos ebenfalls merkbar fasziniert und verzaubert ist) folgt das Kapitel "Die Erde" mit 154 sagenhaften Luftaufnahmen von Vulkanen, Gebirgen, Seen, Meeren, Flüssen etc. Danach kommt das Kapitel "Der Mensch"; 90 Aufnahmen zeigen die Erde und die Natur und immer ist der Einfluss des Menschen zu erkennen (z. B. eine Schafherde in einem Pferch, eine angelegte Miesmuschelzucht etc.). Im letzten Kapitel "Der Traum" vereinen 40 Bilder Mensch und Erde; man sieht traumhafte Plätze der Erde, die die Anwesenheit des Menschen verraten, doch das "Menschenwerk" passt sich hier in die Natur ein, ohne zu stören. Bildunterschriften zu jedem Foto erklären, wo die Aufnahme gemacht wurde und was darauf zu sehen ist, und in unregelmäßigen Abständen sind kleine Zitate und Verse eingestreut, die die Bilder untermalen.
Ich kenne auch "Die Erde von oben" von Yann Arthus-Bertrand, doch was dieses Buch von Klaus Francke so absolut ezinzigartig macht, sind die Farben, Formen und Strukturen, die er mit seiner Kamera eingefangen hat. Die Farben sind ungeheuer vielfältig, überraschend und zum Teil auch absonderlich (z. B. der magentafarbene Salzsee Pink Lake, der durch eine Alge rot gefärbt wird). Man kann auf den Fotos erkennen, wie sich Strukturen, die man im Kleinen kennt (z.B. Kristallbildungen unter dem Mikroskop) im Großen wiederholen (z. B. Prielbildung im Wattenmeer). Einige Bilder erinnern an Kunstwerke von Anselm Kiefer (z.B. die Painted Desert in Australien) oder Piet Mondrian (Salzgewinnung in der Sowa Pan in Botswana).
Beim ersten Durchblättern ist der Bildband bereits fesselnd und faszinierend, doch man kann ihn immer wieder zur Hand nehmen und auch nach häufigem Betrachten immer wieder Neues in den Bildern entdecken. Das macht ihn meiner Meinung nach zu einem der besten, überraschendsten und schönsten Bildbände über die Erde, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind.