KlappeAuf - Karlsruher Szene Magazin
Badischen Neuste Nachrichten - Der Sonntag
Stuttgarter Nachrichten, August 2004
Kurzbeschreibung
Seinem Vorstrafenregister und der Arbeitslosigkeit der dreißiger Jahre in Deutschland versucht er durch eine Flucht in die Fremdenlegion zu entfliehen. Auf dem Weg nach Nordafrika bleibt er in Italien hängen. Er ist krank und finanziell völlig am Ende. Da kommt er auf die Idee, sich als deutschee Kriegsgefangener auszugeben, der nach 16-jähriger Haft in einem französischen Straflager in Algerien entflohen ist. Er nimmt dazu den Namen eines gefallenen Kameraden an, den er aus seinem Heimatdorf kannte. Dort wird ihm ein rauschender Empfang bereitet. Ab diesem Zeitpunkt wird er ein Objekt der Rechten, die sein Schicksal propagandistisch ausnutzen. Er wird in die Rolle des Opfers des "Erbfeindes" Frankreich gepresst. Doch die Sache fliegt auf, und das Schicksal des Karl Ignaz Hummel nimmt seinen Lauf.
Schließlich gipfelt sein "Betrug" in einem Prozess, der mit einer Gefängnisstrafe für ihn endet. Die Zeit des Zweiten Weltkrieges verbringt er in Haft, eine Sicherheitsverwahrung stempelt ihn zu einem gemeingefährlichen Subjekt. Die Richter entscheiden: "Wiedevorlage nach dem Endsieg". Vielleicht hat ihm aber auch diese Sicherheitsverwahrung das Leben gerettet, er wird die nächsten 10 Jahre in Bruchsal hinter den Gefängnismauer verbringen. Er kommt vorbau an der Zwangssterilisation, überlebt den Bomenangriff auf Bruchsal, und wird erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in die Freiheit entlassen.
Die Geschichte des Schneiders Karl Ignaz Hummel aus Südbaden hat einen historischen Hintergrund. Die Schauplätze der Handlung von Basel, Karlsruhe, Offenburg und Bruchsal sind nachweisbar. Und doch handelt es sich hierbei nicht um einen historischen Roman. Es ist vielmehr die Geschichte eines Mannes, der zwar Täter ist, aber in viel stärkeren Maße auch Opfer. Ist Hummel eine Betrüger? Ein badischer Hauptmann von Köpenick? Oder nur ein einfacher Schneider aus einer Provinz am Rande des Reiches, der seinem Glück hinterherrennt?
"Um Politik habe ich mich nich gekümmert, das ist etwas für große Leute". sagt er irgendwann. Und doch schildert dieser Roman nicht nur eine Lebensgeschichte sondern audch ein Stück Zeit- und Gegenwartsgeschichte.
Wie endet die Geschichte dieser zum Scheitern verurteilten Existenz? Kommt er letztlich doch in der bürgerlichen Gesellschaft an, der er einzig und allein anstrebt? Oder zerbricht er an den Abweisenden Vorurteilen der Gesellschaft?
Über den Autor
Rainer Wedler hat bereits einige Literaturpreise erhalten, u.a. 1992 Hafiz-Preis, 1993 Anerkennungspreis der UNESCO Burgenland. 1998 erlangte er ein Stipendium im Brecht-Haus in Svendborg, Dänemark. Mit seinem neuen Roman "Die Farben der Schneiderkreide" verbindet er die Spurensuche eines Historikers mit den Elementen eines Romanes und schafft so ein eindringliches Zeitgemälde, insbesondere von den dreißiger Jahren in Deutschland.
"Die kaschubische Wunde", Roman, 1995. "Die Befreiung aus der Symmetrie", Roman, 1999. "Zwielichtzeit", Roman, 2000. "Die Katze", Kurzgeschichten, 2000. "Svendborg Skovsbostrand 8", Gedichte, 2001.