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Die Farben der Schneiderkreide
 
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Die Farben der Schneiderkreide [Gebundene Ausgabe]

Rainer Wedler
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktbeschreibungen

KlappeAuf - Karlsruher Szene Magazin

Er war eine Art badischer Felix Krull, der Schneider Karl Ignaz Hummel. Seine Geschichte war vergessen, bis der Schwetzinger Schriftsteller Rainer Wedler zufällig auf ihn stieß, in Archiven recherchierte und daraus einen spannenden Roman gemacht hat. Aufgewachsen in einem ärmlichen Elternhaus und einer Besserungsanstalt, wird Hummel rasch zum Kleinkriminellen. Angesichts der Massenarbeitslosigkeit Ende der zwanziger Jahre und einer schwangeren Frau flieht Hummel Richtung Algerien, um Fremdenlegionär zu werden. In Italien muss er unter widrigen Umständen umkehren. Bei der abenteuerlichen Rückreise mutiert er allmählich zu Oskar Daubmann, dem letzten Kriegsheimkehrer nach 16 Jahren Straflager in den Klauen des Erzfeindes Frankreich. Mit diesem „Fake“ fasziniert Hummel die badischen Massen. Rainer Wedler rekonstruiert, wie Hummel in den besten Hotels absteigt, wie er enttarnt wird und den Zweiten Weltkrieg in Sicherungsverwahrung zubringt (was sein Glück ist), schließlich das Happy End: Ein kleinbürgerliches Dasein nach dem Krieg. Knapp und lakonisch ist Wedlers Sprache, und so entsteht ein lebendiges Psychogramm eines schlichten Gemüts. - maske

Badischen Neuste Nachrichten - Der Sonntag

...ein kraftvoller, authentischer Roman! bo

Stuttgarter Nachrichten, August 2004

Es ist eine so tragische wie kuriose Geschichte, die Rainer Wedler in seinem Roman erzählt. Karl Ignaz Hummel vorbestrafter Schneider aus Südbaden, will aus der Massenarbeitslosigkeit Anfang der dreißiger Jahre in die Fremdenlegion fliehen. Krank und pleite in Italien gestrandet, hat er die Idee, sich als letzter Heimkehrer aus 16 Jahren französischer Kriegsgefangenschaft auszugeben. Zurück im Deutschland des Jahres 1932 wird sein Fall sofort von den Rechten ausgeschlachtet, Hummel wird zum Helden. Doch er fliegt schnell auf, wird zu Haft im Zuchthaus verurteilt und erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder freigelassen. „Hummel ist ein Underdog, der nie wirklich eine Chance hatte“, erklärt Rainer Wedler. Den schlicht gestrickten Hochstapler gab es wirklich. Der Historiker recherchierte alle verfügbaren Quellen, wollte aber keine Dokumentation, sonder einen Roman schreiben.Dies ist ihm sehr gut gelungen, in lakonischer Sprache zeichnet er das Bild eines Menschen! in einer der düsteren Epochen deutscher Vergangenheit. Hummel ist nicht unschuldig, aber auch kein Krimineller – erst die Umstände machen aus seiner Eselei eine Tragödie.

Kurzbeschreibung

Karl Ignaz Hummel wird in seiner Jugend so manches Mal aus dem Gleis geworfen. Er wächst in Heimen und in der Großherzoglichen Badischen Erziehungsanstalt auf und rebelliert permanent dagegen. Immer wieder kommt er mit dem Gesetz in Konflikt.

Seinem Vorstrafenregister und der Arbeitslosigkeit der dreißiger Jahre in Deutschland versucht er durch eine Flucht in die Fremdenlegion zu entfliehen. Auf dem Weg nach Nordafrika bleibt er in Italien hängen. Er ist krank und finanziell völlig am Ende. Da kommt er auf die Idee, sich als deutschee Kriegsgefangener auszugeben, der nach 16-jähriger Haft in einem französischen Straflager in Algerien entflohen ist. Er nimmt dazu den Namen eines gefallenen Kameraden an, den er aus seinem Heimatdorf kannte. Dort wird ihm ein rauschender Empfang bereitet. Ab diesem Zeitpunkt wird er ein Objekt der Rechten, die sein Schicksal propagandistisch ausnutzen. Er wird in die Rolle des Opfers des "Erbfeindes" Frankreich gepresst. Doch die Sache fliegt auf, und das Schicksal des Karl Ignaz Hummel nimmt seinen Lauf.

Schließlich gipfelt sein "Betrug" in einem Prozess, der mit einer Gefängnisstrafe für ihn endet. Die Zeit des Zweiten Weltkrieges verbringt er in Haft, eine Sicherheitsverwahrung stempelt ihn zu einem gemeingefährlichen Subjekt. Die Richter entscheiden: "Wiedevorlage nach dem Endsieg". Vielleicht hat ihm aber auch diese Sicherheitsverwahrung das Leben gerettet, er wird die nächsten 10 Jahre in Bruchsal hinter den Gefängnismauer verbringen. Er kommt vorbau an der Zwangssterilisation, überlebt den Bomenangriff auf Bruchsal, und wird erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in die Freiheit entlassen.

Die Geschichte des Schneiders Karl Ignaz Hummel aus Südbaden hat einen historischen Hintergrund. Die Schauplätze der Handlung von Basel, Karlsruhe, Offenburg und Bruchsal sind nachweisbar. Und doch handelt es sich hierbei nicht um einen historischen Roman. Es ist vielmehr die Geschichte eines Mannes, der zwar Täter ist, aber in viel stärkeren Maße auch Opfer. Ist Hummel eine Betrüger? Ein badischer Hauptmann von Köpenick? Oder nur ein einfacher Schneider aus einer Provinz am Rande des Reiches, der seinem Glück hinterherrennt?

"Um Politik habe ich mich nich gekümmert, das ist etwas für große Leute". sagt er irgendwann. Und doch schildert dieser Roman nicht nur eine Lebensgeschichte sondern audch ein Stück Zeit- und Gegenwartsgeschichte.

Wie endet die Geschichte dieser zum Scheitern verurteilten Existenz? Kommt er letztlich doch in der bürgerlichen Gesellschaft an, der er einzig und allein anstrebt? Oder zerbricht er an den Abweisenden Vorurteilen der Gesellschaft?

Über den Autor

Rainer Wedler. 1942 geboren. Studium der Germanistik, Geschichte, Philosophie. Promotion über Burleys "Liber de vita".

Rainer Wedler hat bereits einige Literaturpreise erhalten, u.a. 1992 Hafiz-Preis, 1993 Anerkennungspreis der UNESCO Burgenland. 1998 erlangte er ein Stipendium im Brecht-Haus in Svendborg, Dänemark. Mit seinem neuen Roman "Die Farben der Schneiderkreide" verbindet er die Spurensuche eines Historikers mit den Elementen eines Romanes und schafft so ein eindringliches Zeitgemälde, insbesondere von den dreißiger Jahren in Deutschland.

"Die kaschubische Wunde", Roman, 1995. "Die Befreiung aus der Symmetrie", Roman, 1999. "Zwielichtzeit", Roman, 2000. "Die Katze", Kurzgeschichten, 2000. "Svendborg Skovsbostrand 8", Gedichte, 2001.

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