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Die Farben der Lust. Sex in lesbischen Liebesbeziehungen
 
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Die Farben der Lust. Sex in lesbischen Liebesbeziehungen [Gebundene Ausgabe]

Renate Stendhal , Andrea Krug
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

„Kein Sex – und es funktioniert nicht“ oder „Zu viel Sex – und es funktioniert nicht“ – zwischen diesen beiden Polen pendeln oft Wohl und Wehe der lesbischen Liebesbeziehung. Dazwischen finden wir die wohlbekannte sexuelle Malaise der lesbischen Langzeitliebesbeziehungen. Sie stellt uns eindeutig vor ein Rätsel. In unserer Kultur werden Frauen für Beziehungen her- und zugerichtet, aber was Sex anbelangt - die letztlich intimste Form des Zusammenseins -, stolpern wir immer noch über Freuds „dunklen Kontinent“ und seine beharrliche Frage: „Was will das Weib?“ So bringt es Renate Stendhal auf den Punkt. Die Einzel- und Paartherapeutin lässt viel eigene Berufserfahrung einfließen, beschreibt die einzelnen Stufen des gegenseitigen körperlichen und seelischen Kennenlernens, stellt kulturelle Zusammenhänge her, gibt Hinweise und Fallbeispiele, wie Frau eine gute Beziehung führen kann. Dazu bedarf es keines ausladenden Ratgebers, sondern das Buch beweist, dass man auch auf relativ wenigen Seiten Wesentliches präsentieren kann. Und das schafft die Autorin in informativ-straffer und gleichzeitig leichtfüßiger Art und Weise. Damit reiht sich das Buch ein in die gewohnt hoch stehende Qualität der Sex-Bücher aus dem Verlag Krug & Schadenberg. Lisas Buchtip, hamburg.gay-web.de/kultur

Über den Autor

Renate Stendhal, aufgewachsen in Berlin und Hamburg, lebt nach langjährigem Paris-Aufenthalt heute in Berkeley, Kalifornien, und arbeitet als Einzel- und Paartherapeutin. Zu ihren deutschen Veröffentlichungen zählen "Cecilia Bartoli. Eine Liebeserklärung" (1999) und "Gertrude Stein: Ein Leben in Bildern und Texten" (1989/1992).

Auszug aus Die Farben der Lust von Renate Stendhal. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die sieben Stadien des lesbischen Begehrens
Oder: Was hat die Wahrheit damit zu tun?

Als junge Lesbe hatte ich geradezu panische Angst vor dem Erlöschen des sexuellen Feuers und hegte große Zweifel, ob es mir gelingen würde, dem zu entrinnen. Monogamie schien mir der sichere Weg zu sexueller Langeweile. Meine Erfahrung mit serieller Monogamie lehrte mich, dass das Begehren unweigerlich einem langsamen Tod geweiht war. Doch meine Intuition sagte mir etwas anderes. Die Behauptung, dass Leidenschaft und Intimität nicht nebeneinander bestehen können, roch verdächtig nach einem patriarchalen Mythos. Ich begann diese berühmte Unvereinbarkeit zu hinterfragen. Es musste einen Weg geben, anhaltende Liebe und heißen Sex in Einklang zu bringen.
(...)

Während meiner promiskuitiven Jahre gestand ich mir kaum jemals ein, dass mir etwas fehlte. Meine Abenteuer, meine Affären und polyamourösen Experimente waren eine gute sexuelle Lehrzeit, aber sie entpuppten sich oft als emotional oder intellektuell frustrierend oder erstickten an eifersüchtigen Komplikationen. Die sexuelle Hochstimmung war kurzlebig. War ich immer noch auf der Suche nach „der Richtigen“? Ein weiterer romantischer Mythos? Ich gelangte schließlich zu der Überzeugung, dass die auf ewig sexuell attraktive, interessante und faszinierende Frau meiner Träume nicht existierte.
Als ich mich im Alter von einundvierzig Jahren erneut ernsthaft verliebte, war ich demzufolge misstrauisch – trotz meines Entzückens. Ich zog nach Berkeley, Kalifornien, um mit dieser Frau zusammenzusein, die ebenfalls Autorin und Feministin war und meine Liebe zur französischen Kultur und zur deutschen Lyrik teilte. Doch ich war entschlossen, nicht einen Tag länger bei ihr zu bleiben, als meine sexuelle Leidenschaft währte.

Heute, achtzehn Jahre später, hat sich meine frühere Intuition bestätigt: Leidenschaft und Intimität schließen sich nicht zwangsläufig aus. In einer Beziehung ist vieles möglich, wenn die beiden Liebenden zueinander passen, wichtige Interessen miteinander teilen, einander mögen wie beste Freundinnen, sich immer noch anziehend finden, neugierig aufeinander bleiben und, am wichtigsten von allem, sich trauen, ehrlich miteinander zu sein. Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass Wahrheitsliebe im Umgang mit Gefühlen und Körperempfindungen der Schlüssel für anhaltendes Begehren sein kann. Das hatte mir, soweit ich mich erinnern konnte, nie jemand gesagt. Zwar ist viel die Rede davon, dass Ehrlichkeit in allen ethischen und moralischen Beziehungen und natürlich in Liebesbeziehungen eine wichtige Rolle spielt, doch wer hätte je gedacht, dass Ehrlichkeit erotisch sein könnte? Dass Wahrheit ein Aphrodisiakum sein könnte? ...

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