ManuEla Ritz ist Trainerin für Anti-Rassimus- und Empowerment Workshops. Ihren Beruf und den Weg dorthin beschreibt sie in ihrer Biographie Die Farbe meiner Haut". Sie schildert darin Ausschnitte ihres afrodeutschen Alltags, der beglückende, aber auch schmerzhafte Erfahrungen beinhaltet. Zu Recht bezeichnet die Autorin ihr Buch als keine Biographie im herkömmlichen Sinne". Ihre Lebensrealität - einstmals eine ostdeutsche und nun eine bundesdeutsche - ist verbunden mit ihrem Arbeits-, Lebens- und Leidensthema: Rassismus und wie man sich dagegen zu Wehr setzt.
Dass dieses Buch Mut macht und die Autorin sich die "Hoffnung im Herzen" bewahrt hat, wird im Vorwort deutlich. Darin beschreibt ManuEla Ritz, welche Wirkung die Wahl Barack Obamas ins US Präsidentenamt im Dezember 2008 auf sie hatte. Einen scheinbar aussichtslosen Kampf zu kämpfen und diesen zu gewinnen. Die Erfahrung hat auch sie gemacht und macht sie immer noch. Rassismus in Deutschland existiert" sagt sie, und die in ihrem Buch zusammengetragenen Erfahrungen lassen keinen Raum, dies zu bestreiten.
Aufgewachsen ist sie in einer kleinen Stadt in Sachsen, Mügeln. Der Leser erfährt gleich zu Beginn, dass schon ihre Reise ins und Ankunft im Leben mit Komplikationen und Trennungen verbunden war. Es waren die Umstände ihrer Geburt, die dazu führten, dass ManuEla Ritz wenige Tage danach in der Stadt Meißen die erste Ortsveränderung erfuhr, nämlich die Einlieferung in das 15 km entfernte Säuglingsheim in Mügeln.
Mügeln, wo Manuela Ritz ihre Kindheit und Jugend verbrachte, war der Ort, wo sie ihre ersten Erfahrungen mit Rassismus sammelte. Es gab eine Kinderzeit, da ich mich bedrängt fühlte, mich über eine mir eigene ethnische Herkunft zu definieren, die ich nicht kannte. Man suggerierte mir, ich sei nicht richtig deutsch." Das Gefühl ausgegrenzt zu sein und das Mitspielen im leidigen rassistischen Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann" beschreibt sie in den Kapiteln über ihre Kindheit. Das Spiel ist für sie heute noch ein einprägsames Beispiele dafür, wie früh Kindern rassistische Denkweisen beigebracht werden. Ein Grund mehr für ManuEla Ritz, im Kampf gegen Rassismus früh anzusetzen. Es ist kein Zufall, dass sie in ihrer alten Schule in Mügeln einen Workshop zum Thema Rassismus angeboten hat. Der Ort stand 2007 in den Medien als Synonym für rechte Gewalt, nachdem dort acht Männer indischer Herkunft verprügelt und durch die Straßen gejagt worden waren.
Mügeln ist auch der Ort, in dem ManuEla Ritz zum ersten Mal das befreiende Gefühl kennenlernte, sich gegen Rassismus wehren zu können. Neger, Feger" nannten andere Kinder sie oft in ihrer Kindheit. Meist hatte sie die Täter nicht gesehen. Sie hielt ihren Kopf gesenkt. Irgendwann hat sie den Kopf gehoben und zurückgebrüllt: weißer Scheißer!" Vielleicht war das der erste Schritt zu ihrem heutigen Beruf und zu ihrer inneren Einstellung: Kämpfen befreit.
Und sie musste um und für so einiges kämpfen, z.B. gegen die Widrigkeiten, die sich ihr in den Weg stellten, als sie sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter und ihrem leiblichen Vater machte. Mit unterschiedlichen Erfahrungen und Erkenntnissen am Ende der Wege, die sie erst nach Meißen und viel später, 2007, nach Nairobi führten.
Jahre zuvor war ManuEla Ritz vermittelt worden, dass das wiedervereinigte Deutschland nicht automatisch auch Platz für Schwarze Menschen hat. Erneute Ausgrenzungserfahrungen, die ManuEla Ritz, die auch Drehbuchautorin ist, in einem Drehbuch verarbeitet hat. Es beschreibt wie die Wiedervereinigung für viele Freiheit, für andere Ängste gebracht hat. Für ManuEla Ritz sind diese Erfahrungen Teil ihres Weges: Angst kann lähmen", schreibt sie. Angst kann aber auch motivieren. Angst, und mehr noch der Wille, mein Leben nicht von dieser Angst bestimmen zu lassen, waren wesentliche Aspekte für meine Entscheidung, Antirassismustrainerin zu werden." Diese Tätigkeit beschreibt der zweite Teil ihres Buches in dem sie Erfahrungen und Erkenntnisse teilt, die sie als Anti-Rassismus-Trainerin gesammelt hat. Daneben werden auch Szenen von Alltagsrassismus geschildert, z.B., willkürliche Passkontrollen Schwarzer Menschen und die Verwendung rassistischer und doch im allgemeinen Sprachgebrauch etablierter Begriffe.
Dass eine konstruktive Auseinandersetzung mit rassistischer Diskriminierung von Nöten ist, sagt ManuEla Ritz auch als Mutter zweier afrodeutscher Kinder. Ihnen will sie Strategien an die Hände geben und sie im Umgang mit Rassismus stärken. Das Thema Wie sag ich's meinen Kindern"...was Rassismus ist und wie man sich ihm entgegensetzt, ist ein zentrales Anliegen der Autorin.
TeilnehmerInnen ihrer Workshops lernen, dass Rassismus viele Gesichter hat und dass die Notwendigkeit, sich dagegen zu Wehr zu setzen, elementar für die Gesellschaft ist, nicht nur für Betroffene. Dass die meisten weissen Deutschen sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass Rassismus in Deutschland existiert, dessen ist ManuEla Ritz sich bewusst. Sie bekommen ihn ja nicht ab." Andere schon und nicht alle überleben dies. Das weiss der Leser, wenn er das Kapitel über rassistisch motivierte Morde in Deutschland gelesen und gelernt hat, dass Rassismus jeden etwas angeht. Nicht nur jene die seine Zielscheibe sind. Manuela Ritz weiss: von Mitleid haben Diskriminierte nichts. Mitleid sieht man nicht und es bietet keinen Schutz gegenüber Angreifern. Die Rahmenbedingungen, die Rassismus erst ermöglichen, werden in ihren Anti-Diskriminierungs-Workshops erläutert: Diskriminierung funktioniert nur, wenn es eine Mehrheit gibt, die nichts sagt", sagte ManuEla Ritz einst in einem Interview, Wer schweigt, scheint zuzustimmen."
ManuEla Ritz beschreibt auch Strategien für jene, die rassistischen Angriffen ausgesetzt sind. Ihnen vermittelt sie was es bedeutet, internalisierten Rassismus zu erkennen und wie wichtig es ist, ihn abzulösen durch das Wissen, dass Rassismus eine gesellschaftliche Macht- und Unterdrückungsstruktur darstellt.
Macht- und Unterdrückungsstrukturen sind auch Thema des nächsten Kapitels, in dem ManuEla Ritz in das Thema Adultismus einführt. Adultismus beschreibt die Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen durch Erwachsene. Die Autorin weist anhand dieses Phänomens nach, dass alle Diskriminierungsformen auf ähnlichen Strukturen basieren und belegt diese Erkenntnis sowohl mit einem theoretischen Modell als auch mit empirischen Erkenntnissen aus den gleichnamigen Workshops, die sie seit vier Jahren durchführt.
Nach Beendigung der Lektüre gibt es noch mehr von der Autorin zu lesen. ,Homestory Deutschland', ein multi-mediales Bühnenstück über gelebt-erlebte Schwarze Deutsche Geschichte(n), ist ein vielbeachtetes Projekt, das einen inter-generationalen und bewegenden Blick auf Themen gibt, die der Leser aus ManuElas Ritz' Biographie wiedererkennen wird.