Die Horrorgeschichten H.P. Lovecrafts gehören mit zu den am schwierigsten zu verfilmenden Stoffen, denn der amerikanische Schriftsteller arbeitete nicht mit visuellen Schrecken, sondern mit dem unbeschreiblichen, kosmischen Grauen. Lovecrafts Protagonisten kämpfen nicht mit Schrotflinte oder Kettensäge gegen Horden von Zombies, sondern versuchen verzweifelt, ob des Erlebten den Verstand zu bewahren.
Gerade in den letzten Jahren hat sich die Tendenz entwickelt, Lovecrafts Geschichten im Stile der Stummfilme aus den Zwanziger- und Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts zu verfilmen. Mit "Die Farbe" hat Drehbuchautor und Regisseur Huan Vu eine ähnliche Strategie verfolgt. Der Film, der auf Lovecrafts Kurzgeschichte "Die Farbe aus dem All" basiert, ist in schwarz-weiß gehalten, was seiner Wirkung ungleich zuträglicher ist, als es ein Farbfilm gewesen wäre. Das einzig Farbige ist die namensgebende Farbe aus dem All, die auf diese Weise umso verstörender wirkt.
Dass die Handlung in das Deutschland der Vorkriegszeit verlegt wurde, tut der Qualität der Produktion keinen Abbruch, denn die Optik und Einsamkeit des schwäbisch-fränkischen Waldes passt sehr gut zur Stimmung der Vorlage, die in den Wäldern Neu-Englands angesiedelt ist. An dieser Stelle hätte Vu sogar noch einen Schritt weitergehen und die Rahmenhandlung mit Davis weglassen können, dessen Schauspieler leider kein glaubwürdiges amerikanisches Englisch sprechen kann. Aber auch ansonsten ist diese Rahmenhandlung teilweise obsolet, da sie keinen tieferen Zweck verfolgt.
Die DVD enthält neben dem Film in englischer und deutscher Fassung diverse Dokumentationen wie beispielsweise über die drei Szenen, in denen auf computergenerierte Spezialeffekte zurückgegriffen werden musste.
Laut Website des Films wurde "Die Farbe" bereits auf verschiedenen Festivals vorgestellt und auch mit diversen Preisen ausgezeichnet. Eindeutig zu Recht, muss man hier sagen. Denn was der junge deutsche Regisseur Huan Vu und sein Team hier mit eigenen Mitteln auf die Beine gestellt haben, ist beachtlich. Dieser Film braucht sich nicht vor den Produktionen der H.P. Lovecraft Historical Society zu verstecken. Kleinere technische Schwächen, wie das etwas ungünstig eingesetzte Element der Rahmenhandlung, sind vernachlässigbar. Man darf hoffen, dass das Beispiel von "Die Farbe" Schule macht und Lovecrafts Werke auch weiterhin originell und respektvoll