1995 wird ein achtzehnjähriger Wehrdienstleistender, der als Ich-Erzähler fungiert, in den Kaukasus versetzt. Zunächst wartet seine Einheit noch auf den Einsatz im unmittelbaren Kriegsgebiet. Das heißt, dass die frischgebackenen Soldaten tagsüber zumeist untätig und hungrig herumlungern und nachts von wenig älteren Berufssoldaten brutalst misshandelt werden. Täglich gelangen mehrere Flugzeugladungen mit Leichen zu ihrem Stützpunkt.
Die Verlegung an die Front bringt keine Verbesserung: Während die nächtlichen Übergriffe durch die älteren Soldaten fortwähren, ist nun auch noch die Todesangst ein täglicher Begleiter; ständig fallen Kameraden den tschetschenischen Partisanen zum Opfer, und zuweilen werden sie mangels Koordination von den eigenen Leuten beschossen. Bald kann die jungen Leute nichts mehr schockieren, denn sie haben alles erdenklich Grässliche gesehen, abgerissene Gliedmaßen, aufgerissene Leiber, von Partisanen gekreuzigte Landleute, aus Rache vor der Tötung kastrierte Tschetschenen.
Im zweiten Teil des Romans findet sich der Ich-Erzähler im nächsten Krieg gegen Tschetschenien wieder. Wenig hat sich geändert an der Grausamkeit der Kriegsparteien und der in diesem Teil noch mehr thematisierten Brutalität innerhalb der russischen Armee. Wodka und Drogen demoralisieren die Streitkräfte. Und den Lohn für die unter zahllosen Opfern errungenen Siege fahren selbstverständlich die Sesselhocker ein, nicht etwa die aktiven Soldaten. So reduziert sich das Leben des Erzählers und seiner Kameraden nur noch auf ein Ziel: "Ich will nach Hause."
"Die Farbe des Krieges" ist ganz sicher kein Roman für allzu Zartbesaitete, denn der Autor, der selbst als Achtzehnjähriger Soldat im ersten Tschetschenien-Krieg war, weiß, wovon er erzählt, und in seinem leidenschaftlichen Appell gegen die jeder Vorstellungskraft trotzende Brutalität des Krieges in seiner ganzen Sinnlosigkeit nimmt er kein Blatt vor den Mund. Er greift die Misshandlungen und Folterungen innerhalb der Armee nicht minder gnadenlos an als die Inkompetenz der Armeeführung, die eine Generation junger Männer vernichtet hat. Auch Politiker wie Putin entlarvt er. (Hoffentlich hat er eine gute Lebensversicherung abgeschlossen?) Ein einseitiger "Nestbeschmutzer" ist Babtschenko übrigens keineswegs, denn er kritisiert auch die tschetschenische Seite angemessen.
Gerade die schlichte Authentizität, die auch die Komposition der unterschiedlichen Charaktere kennzeichnet, macht den Roman erschreckend realistisch und bedrückend. Eindrucksvoller kann man ein schriftliches Mahnmal kaum erstellen.