Da ich kein ausgesprochener Fanta-4-Fan bin, denke ich, dass ich einen relativ emotionslosen Blick auf die technische Umsetzung der 3D-BD werfen kann und diese somit so objektiv wie möglich bewerten kann (wenn es so etwas wie Objektivität in diesem Zusammenhang überhaupt gibt).
Als Hardware dienten mir der VT20 von Panasonic in 50 Zoll (Einstellung Professional 1 mit denen von James Cameron verifizierten Kalibrierungswerten für die 'Avatar'-3D-BD), der DMP300 von Panasonic als Zuspieler, sowie das Onkyo HT-S9305 THX-System für die Wiedergabe des DTS-HD-Sounds (Einstellung THX Music Neo 6)
Der 3D-Effekt ist trotz problematischer Lichtverhältnisse über das gesamte Konzert hinweg sehr gut erkennbar ' vor allem wenn die Jungs auf der Bühne nach vorne treten und direkt in die Kameras sprechen und singen und dabei vielleicht sogar noch ihre Mirkos oder Zeigefinger quasi direkt ins Objektiv der Kamera recken. Der herabfallende Glitter bei 'EWWS' ergibt (beispielsweise) ebenfalls einen tollen 3D-Effekt.
Das großer Aber bezieht sich bei dieser BD auf das elende Problem des 'Ghostings'. Hier 'ghostet' es quasi überall und ständig. Die Doppelkonturen fallen immer wieder sehr störend auf und veranlassen einen dazu, das ein oder andere Mal ein Auge zuzukneifen (und das ist wörtlich gemeint). Hier ist dann festzustellen, dass der Effekt wohl nur die Zuspielung des linken Auges betrifft ' das aber nur am Rande.
Ob das 'Ghosting' nun falsch kalibrierten 3D-Kameras während der Aufzeichnung geschuldet ist und somit beim Mastering der Disc nicht mehr korrigierbar war, oder ob bei der Hauruck-Produktion der 3D-BD geschlampt wurde (die VÖ war immerhin gerade einmal 5 Wochen nach der Aufzeichnung des Konzerts) ist aus meiner Warte schwer zu sagen, wobei ich auf ein Problem mit den Kameras tippe, da die Doppelkonturen meiner Meinung nach in erster Linie bei Aufnahmen einer der Kameras vorne rechts vor der Bühne auftreten.
Der Sound in DTS-HD ist gut bis sehr gut, jedoch alles andere als Referenz. Bei einer aktuellen BD-Produktion, die zudem noch ein Zugpferd auf dem noch sehr jungen und überschaubaren 3D-Markt sein will, muss man mehr erwarten dürfen ' gerade was die Direktionalität der einzelnen Kanäle angeht. Was die tonale Seite der Scheibe angeht, ist dies aber Jammern auf hohem Niveau.
Das 5-minütige 'Making of' ist nur ein Zusammenschnitt von unkommentierten Aufnahmen während der Vorbereitungen auf das Konzert und gibt daher leider keine Aufschlüsse über das Unterfangen 'Wir produzieren jetzt mal so eben ein Live-Konzert in 3D und übertragen es europaweit in Kinos'. Dafür kommt diese kleine Extra aber auch in 3D ' vorbildlich!
So bleibt am Ende einzig wegen der Probleme, die der 3D-Effekt verursacht, ein fader Nachgeschmack, der all denen Öl ins Feuer gießt, die predigen, die 3D-Technik sei noch nicht ausgereift, weshalb man mit der Anschaffung des Equipments warten sollte. Positivbeispiele wie die 'Grand-Canyon'-3D-BD, 'Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 3D' oder 'Monsters vs. Aliens 3D' aus dem Samsung-Bundle zeigen aber, dass, wenn technisch an allen Fronten sauber und gewissenhaft gearbeitet wird, das Ergebnis am Ende voll überzeugen kann.
Somit ist diese Konzert-3D-BD ein löbliches Pionierprodukt, das zeigt, dass auf technischer Seite durchaus noch Luft nach oben ist. Fanta-4-Fans werden die genannten Kritikpunkte jedoch kaum stören. Man kann trotz allem eine Kaufempfehlung aussprechen, da der Preis (momentan) stimmt und es ja auch noch die technisch einwandfreie 2D-Version auf der Disc gibt. Ach ja: und der FSK-Flatschen ist ein abziehbarer Aufkleber, der das gelungene 3D-Hologrammcover (eine eingeschobene Karte, die auf dem eigentlichen Einlegecover liegt) glücklicherweise nicht verschandelt.
Da keine halben Sterne vergeben werden können gibt's nur drei (statt 3 1/2), was letztenendes der überdurchschnittlichen Qualität des Produkts entspricht ohne zu sehr nach Top-Ware oder gar Referenz auszusehen