Der Verfasser argumentiert folgendermaßen: Die fortgeschrittenen Industrienationen befinden sich auf dem Weg zu Wissensgesellschaften. Nicht mehr Handarbeit, Kapital und Rohstoffe spielen die entscheidende Rolle, sondern immer mehr die geistigen Fähigkeiten und das theoretische Wissen ihrer Menschen.
Gleichzeitig entwickeln diese Staaten aber ein demographisches Problem: Die Lebenserwartung steigt, während die Zahl der geborenen Kinder immer geringer wird. Und nicht nur das: Je höher das Bildungsniveau und der Lebensstandard sind und die Gleichberechtigung der Geschlechter fortgeschritten sind, desto weniger Kinder werden in den Familien mit qualifizierten Partnern geboren. Die Ökonomen nennen diesen Zusammenhang das Demographisch-ökonomische Paradoxon. Es gilt weltweit, auch in den Entwicklungsländern, galt aber nicht aber in der Aufstiegsphase der Industrienationen vor 1850/80. Vor dieser Zeit erreichten bei den Wohlhabenden und Gebildeten die größere Zahl Kinder das Heiratsalter.
Die Bestandserhaltung der Industrienationen ist damit nicht nur, wie der Verfasser richtig begreift und sehr gut belegt, ein rein quantitatives Problem sondern auch ein qualitatives.
Der Verfasser ist der Auffassung, daß die weibliche Emanzipation in Zusammenwirken mit sozialstaatlichen Regelungen den Reproduktionsmechanismus unserer Gesellschaft in seinem Innersten beschädigt hat und damit das Überleben der Gesellschaft gefährdet. Die Kultur des Westens ist auf dem besten Wege, sich selbst zu zerstören. Der Auflösungsprozeß wird dadurch charakterisiert, daß sich der Anteil der sozial schwachen, bildungsfernen Bevölkerungsteile ständig erhöht.
Der Verfasser diskutiert, inwieweit verschiedene bevölkerungspolitische Maßnahmen wie Erhöhung des Kindergelds, Steuersenkung für Familien, Elterngeld oder die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf grundlegende Abhilfe schaffen können, kommt aber in allen Fällen zu einem ziemlich negativen Ergebnis.
Stattdessen schlägt er vor, das Leben mit Kindern als eine Gemeinschaftsaufgabe zu definieren, an der sich grundsätzlich alle beteiligen müssen. Die Gesellschaft sollte die Norm setzen, daß ein Paar zwei Kinder aufziehen muß, eine Einzelperson ein Kind. Sie müssen das aber nicht selbst tun, sondern sie können die Aufgabe zum Teil oder in Gänze Dritten überlassen, eben der Familienmanagerin, die dafür bezahlt wird. Dafür müssen die Kinderlosen dann aber regelmäßig einen bestimmten Betrag abführen, damit die Familienmanagerinnen ihren Aufgaben in entsprechender Qualität gerecht werden können. Die Höhe der von Kinderlosen als Patenschaftssteuer abzuführenden Beträge könnte sich an den Regelungen des Unterhaltsrechts orientieren. Auf der Grundlage dieser zusätzlichen steuerlichen Einnahmen wird dann der neue Beruf Familienmanagerin vorgeschlagen, der es entsprechend qualifizierten Frauen oder auch Männern erlaubt, aus Familienarbeit ein Einkommen zu beziehen.
So weit der Verfasser und so weit auch einleuchtend. Aber woher sollen diejenigen das Geld für die neue Steuer nehmen, die vorn vornherein keines oder ständig zu wenig haben? Die Arbeitslosen und die Angehörigen des Prekariats? Deshalb läuft der Vorschlag, näher betrachtet, im eigentlichen Sinne darauf hinaus, innerhalb der Mittelschicht eine Umverteilung von den Kinderlosen auf die Kinderreichen in Gang zu setzen. Aber auch das wäre schon etwas! Denn bis jetzt läuft die Umverteilung, wie Demographen und Ökonomen immer wieder beklagen, in die entgegengesetzte Richtung.
Das Buch mit seinen sorgfältig dargelegten und gut lesbaren Argumenten verdient zweifellos Beachtung und sollte in den Medien diskutiert werden.