An diesem Buch, an dem Iréne Némirovsky von 1940 bis 1941 gearbeitet hat, hat sie die Veröffentlichung vor ihrem Tod (1942) nicht mehr erlebt. Ihr damaliger Verleger, hatte aufgrund der Angst vor der deutschen Zensur, bei jüdischen Autoren und Autorinnen, dieses Werk, das unmittelbar, vor
Suite française: Roman entstand, nicht mehr herausgegegeben. Der Originaltitel lautet: Les Biens de ce monde / "Die Güter dieser Welt" und ist in Frankreich 1947 erstmals erschienen.
Die Autorin erzählt darin, die Geschichte der Industriellen-Familie Avot, denen Sie hier den Namen "Hardelot" gibt, es ist der Name eines Strandes (Hardelot Plage) in der Nähe von Touquet, die Avot-Fabriken sind allerdings, durch Bombenangriffe völlig zerstört worden. In einem Zeitrahmen von gut 20 Jahren, zwischen dem 1. und dem 2. Weltkrieg, gibt uns hier Iréne Némirovsky einen Einblick in das Bürgertum, zweier Familien, der zum Einen sehr feinfühlig und fast zärtlich erzählt wird, zum Anderen aber auch einen leichten spöttischen Blick gibt, in eine Welt, in der sich die Menschen in Sicherheit wiegen, die Augen vor der Realität des nahenden Krieges verschliessen, und denen Geburten, Hochzeiten, das Ehe-Versprechen das Höchste ist, und mit Testamenten und dergleichen dem Fortbestand der eigenen Familie, das Wichtigste ist, trotz aller Schicksalschläge, oder der drohenden Ungewissheit, durch die Besetzung der Deutschen.
Némirovsky verarbeitet darin Themen wie Liebe, Enttäuschungen in der Liebe, Verletzung, Versöhnung, Verzeihung, Hass und Neid, Eifersucht, den Wirrungen der Liebe, Heimlichkeiten und Falschheit, von menschlichen Schwächen und Stärken, Ängste und Sorgen, was diese Menschen beunruhigt, von dem menschlichen Bemühen, wie mit Schicksalschlägen umgegangen wird, dem Drohen von Gefahren und Verlusten, dem Ringen um nahestehende Personen, aber auch von einer künstlichen Welt, die auseinander zu brechen droht oder einer Wiedergutmachung, von etwas, das vorausgehend Schaden erlitt. Jedesmal, eigentlich, wenn ich ein Buch dieser Autorin beende, bin ich von einer durchdringenden Menschlichkeit durchströmt, die mich jedes Mal, berührt, überrascht, und mit Freude beseelt.
Dies ist ja nun nicht mein erstes Buch, das ich von Iréne Némirovsky lese. Was diese Autorin aus meiner Sicht so auszeichnet, und warum ich so gerne lese, ist ihr unglaubliches Feingespür für zwischenmenschliche Wahrnehmungen und Beobachtungen, die sie in unglaublicher und brillianter Erzählkunst in Sprache formt, die mich immer wieder auf ihre Bücher zurück greifen lässt. Eine Autorin, auf die man sich verlassen kann, die ihr Handwerk beherrscht, von der ich noch nie enttäuscht wurde. Eine bodenständige und anständige Arbeit, eine Autorin, die einfach Begabung hat, leicht zu lesen ist, feinfühling, spannend, und einfach toll durchdacht und konzipiert.
Das Hörbuch, das dazu produziert wurde, wurde von Iris Berben gelesen.
Die Familie HardelotFazit: Ein feinfühlig erzählte Geschichte, einer provinzialischen Bourgeoisie-Familie, mit all ihren Ecken und Kanten, und die feinfühlig eingearbeitete Liebe eines Ehepaares, angesichts des Krieges, das um ihr Leben und ihre Liebe ringt, in Zeiten die den Menschen zwischen den Kriegen einiges an Opfern abverlangt hat. Eine sehr lesenswerte Geschichte, über Liebende zwischen den Kriegen, aber auch im Krieg selbst. Berührend und authentisch geschrieben mit einer Beobachtungsgabe einer brillianten Erzählerin, die viel zu früh gestorben ist und dieses Buch zu einer Zeit verfasst hat, unter der die Autorin selbst, durch die deutsche Besetzung und Intoleranz, in der damaligen Zeit, sehr gelitten hat...
Hinweis: Im "Mémorial de la Shoah" in Paris, ist bis zum 8.März 2011, der Autorin eine Ausstellung mit dem Titel: IRÈNE NÉMIROVSKY, « IL ME SEMBLE PARFOIS QUE JE SUIS ÉTRANGÈRE » gewidmet. Dazu ist ein bebildertes Begleitbuch erhältlich.