Verschiedenste Personen treten auf und stellen sich dem Leser in interessanten Dialogen vor. Alle sind miteinander verwandt, freundschaftlich verbunden oder aufgrund der Liebe zur Literatur einander zugeneigt. Verschiedene Schauplätze und Handlungsstränge tun sich auf. Manche führen weiter, andere verlaufen sich im Nebensächlichen. Erst nach und nach kristallisieren sich vier Hauptpersonen heraus: zwei Schriftsteller, Edouard und Passavant, die einander nicht gewogen sind, und zwei Gymnasiasten, Bernard und Olivier, gute Freunde, die den Schriftstellern zuarbeiten, ihnen aber auch freundschaftlich und aufgrund homosexueller Neigungen verbunden sind. In den fortlaufenden Text fließen zahlreiche Passagen aus Edouards Tagebuch ein, die das Geschehen immer wieder aus seiner Sicht beleuchten, aber auch die Schwierigkeiten des Schreibens an sich aufzeigen und somit auch die Probleme und Gedanken des Autors Gide einfließen lassen. (Dem Roman ist übrigens ein Tagebuch Gides angehängt, das seine über 7 Jahre andauernde Auseinandersetzung mit dem Roman dokumentiert und zahlreich Übereinstimmungen mit dem Tagebuch Edouards erkennen lässt.) Im Wesentlichen geht es jedoch um die verkrusteten Konventionen der älteren Generation in den 1920er Jahren in Paris und die Jugend, die sich gegen diese auflehnt. Versuchter wie auch realisierter Selbstmord sowie eine Falschgeldaffäre spielen hierbei eine Rolle. Sie entwickeln sich wie in einem Kriminalroman in raffinierter Weise und geben dem Leser ein spannendes Rätsel auf. Insgesamt war ich überrascht, wie sehr mich dieser Klassiker, dieser eben gar nicht mehr zeitgemäße Roman, in seinen Bann gezogen hat. Mir gefielen die sensiblen und so treffenden Beschreibungen von Gefühlslagen und zwischenmenschlichen Beziehungen, bzw. auch menschlichem Unvermögen, die in ein immer spannendes Geschehen eingebaut sind. Ich mochte auch die Offenheit der Handlungsstränge, die teilweise die Geschichte weiterentwickelten und zur Aufklärung der mysteriösen Geschehnisse führten, oft aber auch in die Irre leiteten oder sich völlig im Nebensächlichen verliefen. Ich kann den Roman nur wärmstens weiterempfehlen.