Diesen Satz spricht Mladen, die Hauptfigur der im heutigen Serbien spielenden Geschichte, direkt in die Kamera. Seine linke Gesichtshälfte ist von Verletzungen und Prellungen gezeichnet, so dass der Betrachter ahnt, dass hier Gewalt im Spiel war. Jedoch wird diese Interviewszene abgebrochen und die Geschichte beginnt an einem anderen Punkt in der Vergangenheit: Mladen führt mit seiner Frau Marija und dem gemeinsamen Sohn Nemanja ein durchschnittliches Leben im gegenwärtigen Belgrad. Dem Bauingenieur und der Lehrerin, beide in Vollzeit arbeitstätig, bleibt gerade mal genug Geld für den Alltag in der Dreizimmerwohnung und den uralten Renault R4. Als bei dem Sohn eine lebensgefährliche Herzerkrankung festgestellt wird, rät der Arzt zur Operation in Deutschland. Um die dafür notwendigen 26.000 Euro aufzutreiben, schaltet man eine Zeitungsanzeige, auf die sich ein dubioser Anrufer meldet. Dieser will das ganze Geld einschließlich der Flugtickets zahlen, wenn Mladen einen Mann aus dem Weg räumt, der schon viel Unglück verursacht habe, so dass eine gute Tat mit einer anderen guten Tat ermöglicht werde. Mladen kann nicht glauben, dass das Angebot ernsthaft sei, muss aber bald feststellen, dass ihm kaum Alternativen bleiben, wenn er seinen Sohn, dem es zunehmend schlechter geht, retten will.
Der Film "Die Falle" bringt zum einen treffend das klassische moralische Dilemma auf den Punkt, welches danach fragt, wie weit Menschen (im Schlechten) bereit sind zu gehen, um ihre (guten) Zielen zu erreichen. Durch die einleitende Interviewszene (die im Laufe des Films mehrfach aufgenommen, fortgeführt und gegen Ende auch abgeschlossen wird) ist der Zuschauer auf einen tragischen Gang mit Fehlern vorbereitet und doch trifft der tatsächliche Verlauf durch die sehr dichte Inszenierung und die hervorragenden Schauspieler emotional schwer.
Zum anderen ist der Film eine sehenswerte Zustandsbeschreibung in einem seit mehr als einem Jahrzehnt vom Krieg und dessen Folgen gezeichneten Land, welches im globalen Kapitalismus seine Werte zu verlieren droht, da ein bürgerlich-legales Leben kaum möglich erscheint. Die Idee zur Geschichte bekam der 35-jährige Regisseur beim Lesen von Belgrader Tageszeitungen, die tatsächlich voll sind von Anzeigen, in denen Menschen öffentlich um Hilfe für ihre kranken Kinder bitten, da sie sonst keinen Ausweg sehen.
Der im Stil des neuen Realismus auf hohem Niveau inszenierte Film zieht den Zuschauer von Beginn an in die Geschichte hinein und wirkt noch lange nach. Sehenswert!