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Die Fakultät
 
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Die Fakultät [Taschenbuch]

Pablo De Santis , Claudia Wuttke
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 192 Seiten
  • Verlag: Unionsverlag; Auflage: 1., Aufl. (1. September 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3293202799
  • ISBN-13: 978-3293202795
  • Originaltitel: Filosofía y Letras
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 272.640 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Pablo de Santis
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Ein Mann betritt ein verfallenes Gebäude, schleicht sich in den vierten Stock, stellt seine Schreibmaschine auf einen verstaubten Tisch und bringt eine Geschichte zu Papier. Er hatte nach mehreren Anläufen herausgefunden, "dass ich nur hier anfangen konnte, die Wahrheit aufzuschreiben". Und er weiß auch, warum: "Nicht die Mörder, die Überlebenden sind es, die an den Ort des Verbrechens zurückkehren."

Als Esteban Miró dieses Gebäude zum ersten Mal betritt, hat das einen ausgesprochen unspektakulären Grund -- er muss Geld verdienen. Seine Mutter hat ihm eine untergeordnete Stelle am Institut für Nationale Literatur vermittelt, wo er einen Professor Emiliano Conde bei der Arbeit unterstützen soll. Conde entpuppt sich als manischer Anhänger von Homero Brocca. Von diesem Schriftsteller existiert nur eine Erzählung, diese allerdings in zahllosen Fassungen unterschiedlichsten Inhalts. Darüber hinaus behauptet Conde, von Brocca zwei Romane gelesen zu haben, die inzwischen verschollen seien.

Bald wird Miró auch mit zwei weiteren Brocca-Forschern konfrontiert, die ihn bestürmen, ihnen dabei zu helfen, Broccas Werk vor dem böswilligen Zugriff von Conde zu schützen. Höhepunkt dieser Verschwörung, der sich Miró nur widerwillig anschließt, ist eine Expedition in den vierten Stock des Fakultätsgebäudes. Dort lagern unsortierte Massen schimmeliger Manuskripte und Bücher, und dort kommt es auch zur ersten einer ganzen Serie von Bluttaten. Verzweifelt versucht Miró, dieser Welt intellektueller Wahnvorstellungen zu entfliehen.

Noch deutlicher als in seinem Roman Die Übersetzung verwischt Pablo De Santis im vorliegenden Buch die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit. Er treibt ein meisterhaftes Verwirrspiel mit den Erwartungen der Leser, das einerseits der Tradition des klassischen englischen Kriminalromans, andererseits dem Magischen Realismus Südamerikas verpflichtet ist -- mit einem ordentlichen Schuss US-amerikanischer Paranoia: Agatha Christie reicht Borges die Hände, während Philip K. Dick ängstlich lächelnd zusieht -- ein kurzes, brillantes Romanfeuerwerk! --Hannes Riffel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Neue Zürcher Zeitung

Borges lässt grüssen
Pablo de Santis durchkämmt die Themenwelt des Meisters
Mit welchem Erfolg auch immer der argentinische Romancier Pablo de Santis sein Literaturstudium im Ganzen abgeschlossen haben mag, sein Spezialgebiet «Erzähltheorie» dürfte er kaum anders als mit der Note «sehr gut» bestanden haben. Der Text als sprachliches Universum, die Macht der Fiktion über die Wirklichkeit, die Welt als Zeichenkette, der Tod des Autors unter dem Ansturm unendlicher Textlawinen: All dies muss de Santis gierig in sich aufgesogen und in allen denkbaren Theorievarianten wieder und wieder durchgespielt haben. Am Ende hat er die Theorie dann in Fiktion verwandelt. «Die Übersetzung» hiess sein erster auf Deutsch erschienener Roman, der sich der tödlichen Kraft einer nicht entschlüsselten Geheimsprache widmete. Das nun ebenfalls auf Deutsch vorliegende Nachfolgewerk «Die Fakultät» nimmt den sprachphilosophischen Faden auf und spinnt ihn weiter durch das schummrige Zwischenreich von Einbildung und Wirklichkeit. Spielstätte der Halluzinationen: das Institut für nationale Literatur in der philosophischen Fakultät der Universität von Buenos Aires. Drei ehrgeizige Literaturwissenschafter sind den Werken von Homero Brocca, einem seit Jahren verschollenen Schriftsteller, auf der Spur. Ganz vorn im akademischen Wettrennen liegt Emiliano Conde, Direktor des Instituts: Das wenige, was von Broccas Werk überhaupt noch vorhanden ist, findet sich exklusiv in seinem Besitz; vor allem ist er der Einzige, der die übrigen auf mysteriöse Weise verschwundenen Werke des Schriftstellers jemals gelesen hat. Den Nachlass zu ordnen, die Varianten der einzig verbliebenen Erzählung zu ordnen, hat er den jungen Literaturwissenschafter Esteban Miró eingestellt, der im Roman zugleich die Rolle des Erzählers übernimmt. Wiederholt hat man de Santis' Werk mit dem seines Landsmannes Jorge Luis Borges in Verbindung gebracht. Die Verbindung ist im vorliegenden Roman nicht nur möglich – sie ist zwingend. «Die Fakultät» nämlich ist nichts anderes als Borges' Roman gewordene Erzählsammlung «Fiktionen». Die grossen Motive des Bandes tauchen nahezu sämtlich in de Santis' Text wieder auf. Immer fraglicher erscheint etwa im Laufe des Romans, ob jener ominöse Homero Brocca überhaupt gelebt hat oder nicht ein blosses Hirngespinst von Conde ist. Zunehmend erscheint er so als Verwandter von Borges' ominösem Herbert Quaine, jenem unfassbaren Literaten, dessen Werke ein hartnäckiger Verehrer zu ordnen sucht – der sich so als Vorbild für de Santis' Emiliano Conde empfiehlt, der zahllose Schriften zu Leben und Werk Broccas auf den Wissenschaftsmarkt wirft, ohne über einen verlässlichen Textkorpus zu verfügen. Als einzig realen Textkorpus hält er die Erzählung «Substitutionen» in den Händen. Doch deren Titel deutet das Unheil an: Brocca hat das Werk von anderen systematisch um- und weiterschreiben, in alle Richtungen wuchern lassen und seinen ursprünglichen Kern so bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Und wer de Santis einmal auf die Spur gekommen ist, der sieht hier Borges mit seiner «Bibliothek von Babel» aus der Ferne winken, der Geschichte um einen unendlichen Textbestand, der de Santis' Phantasie von der entgrenzten Deutungsfülle der Brocca'schen Erzählung Pate gestanden hat. Brocca selbst wiederum entpuppt sich im Laufe des Romans mehr und mehr als eine Erfindung des akademischen Falschmünzers Conde, der so zu einem Wiedergänger des Zauberers aus Borges' Erzählung «Die kreisförmigen Ruinen» avanciert. Der hatte sich einen Menschen bis in die kleinste Einzelheit erträumt – um dann seinerseits in den tiefen Rang einer bloss ersonnenen Figur zu fallen. Doch schlicht als Fiktion in der Fiktion lässt de Santis seinen Roman dann doch nicht enden. Denn Brocca lebt. Zumindest hält sich unter den Dächern der versponnenen Fakultät ein Unbekannter auf, der sich für Brocca hält. Und ganz wie Red Scharlach in Borges' «Der Tod und der Kompass» ersinnt er einen hinterhältigen Plot, nach dessen Regeln er Conde zielgenau in sein Verderben laufen lässt: In den dunklen Räumen der Fakultät nämlich treffen Broccas jüngster Text und Condes Phantasien am Ende aufeinander, eskalieren zu blutiger Wirklichkeit. Ob aber de Santis gut beraten war, seinen theorieschwangeren Roman im geisteswissenschaftlichen Milieu anzusiedeln? Zumindest für manche seiner Leser dürfte der Text Wiedererkennungswert haben. Denn mit kühlem Blick skizziert de Santis die kleinen Intrigen und Eifersüchteleien im akademischen Betrieb, den verbissenen Forscherehrgeiz am bisweilen irrelevanten Objekt, das intellektuelle Reservat, in dem so mancher Professor ein weltabgewandtes Dasein führen darf. Allerdings: Sehr plastisch gerät das Porträt dieser Lebenswelten nicht. Zu flach und holzschnittartig sind seine Protagonisten gezeichnet, allzu spürbar auf die Entwicklung des plot hin angelegt. Alles Leben jenseits von Theorie und Text bleibt ausserhalb der Campusmauern. Das verleiht dem Text einen Zug ins Elitäre, der ihm nicht bekommt. De Santis' Roman: ein Buch von einem Akademiker, geschrieben für Akademiker. Kersten Knipp -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
ein kleines Juwel.... 14. September 2003
Format:Gebundene Ausgabe
Kein Krimi, kein Psychothriller....eine Erzählung, ganz leise, mit einem gehörigen Schuss Ironie daherkommend, schleicht sich in die Herzen der Leser und will doch nur eines: begeistern.
Und das schafft dieser Roman von Pablo De Santis von der ersten Zeile an. Die Geschichte ist kurz erzählt: der junge Esteban Miró tritt seine erste wissenschaftliche Stelle im labyrinthischen alten Fakultätsgebäude bei dem schrulligen Direktor Professor Emiliano Conde an. Conde ist offenbar der einzige Spezialist und Kenner der Werke des genialen Schriftstellers Homero Brocca. Doch Brocca ist ein Gehimnis in sich. Niemand hat je den Schriftsteller gesehen, nirgendwo gibt es Bücher von ihm, keiner weiß, ob er überhaupt noch lebt oder wo er sich versteckt halten könnte. Das einzige, was von ihm zu existieren scheint, sind die "Substitutionen", eine kleine Geschichte, von Brocca mit der Aufforderung in die Welt gestreut, diese Geschichte immer wieder neu zu interpretieren, umzuschreiben und zu verändern. Es scheint tausende Versionen davon zu geben, auf vielen kleinen Zetteln geschrieben.
Esteban Miró erhält von Conde die Aufgabe, diese Zettel zu ordnen, als er merkt, dass es offenbar doch noch andere Wissenschaftler gibt, die sich für Brocca interessieren und die eine Gemeinschaft gegen Conde bilden.
Dieser Gemeinschaft schließt sich Miró an, als sie eine Expedition in den 4. Stock wagen, ein seit Jahren abgeschlossenes heruntergekommenes Archiv des Institutes, wo die kleine verschworene Gemeinschaft zwischen Aktenbergen und zusammenbrechenden Papierstapeln auf die erste Leiche trifft.

"Die Fakultät" ist ohne Zweifel eines der originellsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe. Die Wandlungen zwischen Fiktion und Wirklichkeit, getragen von einer grandiosen Sprachvitalität, beeindrucken nachhaltig und machen Pablo De Santis zu einem großen Schriftsteller, von dem hoffentlich noch viel zu lesen sein wird!

War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von the_clairevoyant TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Ein Sprichwort besagt, die Feder sei maechtiger als das Schwert. In Pablo de Santis' „Die Fakultaet" geraet das Schreibutensil im uebertragenen Sinne selbst zur Waffe. Naemlich dadurch, dass sich im Institut fuer Nationale Literatur von Buenos Aires Morde rund um einen verschollenen Schriftsteller ereignen, von dem nicht mal gewiss ist, ob er je existierte. Diesem legendenumwobenen Homero Brocca gilt die akademische Leidenschaft des eitlen Institutsvorstandes und seiner boshaften Gegenspielerin. Zwischen beiden Literaturwissenschaftern hin und her gerissen fristet der eigentliche „Held" des Werkes, Esteban Miró, sein Leben; verkannt und benutzt als einfacher Bibliothekar. Ihm gelingt es nach langen twists and turns, die Spur Broccas aufzunehmen. Zuerst findet er in der obersten Etage der verfallenen Fakultaet nur simple blaue Hefte mit leeren Seiten. Durch ihr buchstaebliches Schweigen sprechen sie, geben Raetsel auf, ob Homero Brocca nur eine Fiktion, ein Wunschbild, oder doch Tatsache ist. Etwas spaeter entdeckt der Bibliothekar eine Spur, die ins Sanatorium Spinoza fuehrt, eine Nervenheilanstalt, in der Brocca zwei Monate verbrachte. Mit seinen Mitpatienten trieb der vermeintlich Verschollene dort ein seltsames Spiel. Er forderte sie auf, eine Geschichte stets aufs Neue zu interpretieren, sie umzuformulieren, ihre Botschaft auszutauschen.
Das Variieren der Botschaft ist gleichsam auch das Leitmotiv von de Santis' „Fakultaet". Wie sein geheimnisumwitterter Literat bringt er spielerisch, angenehm verschroben und vielschichtig eines zum Ausdruck: Schreiben kann die Wirklichkeit veraendern. Dinge koennen nicht ohne Worte bestehen. Aber Worte haben umgekehrt die Macht, Dinge, vielleicht sogar Menschen, zu erschaffen. Was oder wer nun Fakt oder Fiktion ist, bleibt bis zum permanent sich wendenden Showdown stets im Unklaren.
Wie schon in seiner vorigen Novelle „Die Uebersetzung" vermittelt de Santis seine Vorliebe fuer ruinoese Gebaeude und skurrile Charaktere. Er treibt weiter vergnuegt seine Streiche mit dem Aberglauben von Fanatikern und erinnert dabei an Umberto Ecos Meisterwerke „Das Foucaultsche Pendel" oder „Der Name der Rose". Insofern bleibt das Buch nicht im klassischen Krimi-Genre stecken, sondern verstroemt einen belebenden, oft zum Schmunzeln anregenden Duft von Ironie, vor allem wenn die verblendete Eitelkeit des Literaturestablishments vorgefuehrt wird, deren vorrangistes Ziel der Selbstzweck scheint. Man kann nur hoffen, dass Pablo de Santis selbst dem im Buch beschriebenen Van-Holst-Syndrom verfaellt, einer Form von akuter Graphomanie, die einen zwingt, ohne Unterlass zu schreiben...
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Eco 7. April 2012
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Tolle Sprache, lange Geschichte mit ungewöhnlichen Begebenheiten in einem schmalen Buch, das mich an Umberto Eco`s
Im Namen der Rose erinnert, ohne dessen Qualität zu erreichen, denke ich.
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