ich erinnere mich noch, wie hingerissen ich war, als ich das erste Buch von Sibylle Berg las, "Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot", etwas so wild-elegantes, tieftraurig-hochkomisches hatte ich bis dahin nicht gekannt und für möglich gehalten. Ich habe seither alles gelesen, alles mit Begeisterung, aber so betört und gleichzeitig erschüttert und sagen wir mal "angefasst" wie das Erste, hat mich seither keines mehr. Bis jetzt. "Die Fahrt" schlägt nämlich alle vorhergehenden! Man muss es verschlingen, will aber gleichzeitig jeden Satz genießen - es ist umwerfend gut. Und es enthält etwas, das man bislang nicht unbedingt von Berg erwartet hätte: Freundlichkeit, Wärme, Zartheit, in manchen kurz aufblitzenden Momenten sogar Versöhnlichkeit und Liebe. All das kannte man bis jetzt in Bergs Büchern überwiegend als das prominent-abwesende Element, das man hinter der Enttäuschung der verletzten Romantikerin wusste, aber immer nur jenseits der Zeilen, quasi in Eigenleistung mitlesen musste. Jetzt ist es vorne im Text. Wenn auch nur eher homöopathisch dosiert, aber wirkungsvoll. Ein fantasisches Buch, große Musik, anrührendes Kino - für Berg-Süchtige der ultimative Stoff.