Zuallererst ist dieses Buch natürlich ein Kinderkrimi, und so steht die spannende und durchaus verwickelte Handlung im Vordergrund. In einem auch den Lesern vertrauten Umfeld, nämlich in der Schule, am Bolzplatz und einigen halbwegs geheimnisvollen und deshalb sehr anziehenden Örtlichkeiten, wie sie in jedem Stadtviertel vorkommen, suchen Wladi, Sema, Laura und Kevin, unterstützt von Straßenkehrer Bolle, nach Hinweisen auf die Fahrraddiebe. Klar, dass diese sich weder von Kommissar Sieberbeck noch von den Kindern ohne Weiteres erwischen lassen, denn sie sind Profis.
Immer wieder gelangen Unschuldige in Verdacht, nicht selten solche, die Minderheiten angehören und sich deshalb gut zu Sündenböcken eignen - eben Wladi, der "Russe", Bolle, der verschrobene Straßenkehrer, oder auch Jugendliche aus einem Asylbewerberheim. Und hier setzt der zweite Schwerpunkt des Buchs an. Es zeigt auf, wie leicht Außenseiter oder Angehörige von Minderheiten in ein Klischee gedrängt und verdächtigt werden, wie leicht auch Diskriminierung erfolgt oder ein Spitzname, der vielleicht nicht einmal böse gemeint ist, als solche empfunden wird. "Bolle und die Bolzplatzbande" bricht eine Lanze für die positiven Aspekte des in allen Großstädten vorhandenen "Multikulti" und zeigt auf, wie Kinder sich über scheinbare kulturelle Barrieren hinweg verständigen können.
Wie bereits erwähnt, steht diese Botschaft nicht im Vordergrund, beansprucht jedoch ohne große Aufdringlichkeit ihren Platz. Und seinen Platz findet mit der Zeit auch Wladi dank seiner Freunde.
Die alle paar Seiten anzutreffenden zweifarbigen Illustrationen wirken schlicht und geben doch den Protagonisten Gesichter; zugleich bilden sie spannende oder bedeutende Situationen ab.
Ein spannender Kinderkrimi mit viel Tiefgang!