Die Fackelträger (ursprünglich veröffentlicht bei DTV unter "Drachenschiffe drohen am Horizont") schließt die über drei Jahrhunderte römischer Präsenz in Britannien reichende Trilogie von Rosemary Suctcliff ab.
Auch wenn die hier erzählte (oder besser: erneut in lebendigen, kräftigen Farben gemalte) (Lebens-)Geschichte nicht so geschlossen und stringent wie beim Adler der 9. Legion bzw. dem Silbernen Zweig ist, ja streng genommen höchst unwahrscheinlich erscheint, wird man auch hier wieder in jenen so besonderen Bann gezogen, den nur wirklich große Erzähler zu erzeugen vermögen. Wird man wie in einer Zeitmaschine schon auf der ersten Seite in die höchst spannende, dramatische Zeit der Völkerwanderung versetzt. Und taucht erst wieder in der Gegenwart auf, wenn man die letzte Seite tief bewegt schließt.
Vom Unteroffizier einer römischen Reitereinheit zum sächsischen Sklaven in Jütland, zum Anführer einer Kavallerieeinheit eines britannischen Heerbanns, Ehemann einer britannischen Häuptlingstochter und Vater eines Sohnes zwischen den Welten. Kaum eine historische Epoche brachte mehr Veränderung innerhalb kürzester Zeit, innerhalb weniger Generationen. Das alles wie immer schnörkellos und doch auch mit der Liebe des klassischen Malers zum Detail erzählt.
Am Ende steht eine nachdenkliche Szene in einem Palast der alten Königsstadt Winchester. Britannien versinkt in der Dunkelheit - doch am anderen Ende der Nacht erscheint das Licht eines neuen Tages, einer neuen hellen Zeit. Die Hoffnung von Menschen, die sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bewußt sind. Sutcliff enthüllt hier eine Brücke über die Zeit. So, wie sie uns den Blick in eine ferne Vergangenheit eröffnet, läßt Sie ihre Helden in unsere ebenso ferne Gegenwart Ausschau halten - und damit uns sehen.
Dies ist die Magie des Lesens. Ich wünsche allen Jugendlichen von Herzen, dass sie diese von tiefstem Humanismus erfüllte Trilogie für sich entdecken mögen, diese Bilder sehen dürfen. Und sich so auch denen, die lange vor uns gelebt haben, verbunden fühlen können.