Das Werk der Soziologieprofessorin basiert auf anthropologischen Untersuchungen in Labors von Hochenergiephysikern und Mikrobiologen. Dabei wurden über einen längeren Zeitraum hinweg die Forschungsaktivitäten beobachtet und Interviews durchgeführt. Diese Untersuchungen "aus der Nähre" bringen interessante Ergebnisse zutage, so zeigt sich, dass naturwissenschaftliches Räsonieren gängigen wissenschaftstheoretischen Vorstellungen nicht entspricht. Die Forscher belegen ihre Entscheidungen meist nicht aufgrund theoretischer Überlegungen sondern durch das Ziel, "etwas zum Laufen zu bringen". Theorien stellen so eher politische Regelwerke dar und weniger Glaubensannahmen, die Falsifikationen unterzogen werden. Die Scientific Community, also die Forschergruppe ist auch keine autonome Einheit, im Gegenteil sind wissenschaftsexterne Umstände, wie etwa Sachzwänge, die Möglichkeit an teuren Geräten zu arbeiten und auch Karriereaussichten, usw., wichtige Einflüsse. Knorr- Cetina zeigt den wissenschaftlichen Artikel als verzerrte und teilweise manipulierte Rekonstruktion des Forschungsprozesses. Die Autorin kommt zum SChluss, dass die Trennung zwischen Naturwissenschaften und Sozial- und Geisteswissenschaften nicht realistisch ist. Das gängige Bild des Naturwissenschafters wird, ähnlich wie bei Kuhn, einer Revision unterzogen.
Es handelt sich hierbei m. E. nach um eine anspruchsvolle Lektüre, da die Autorin im Rahmen ihrer Untersuchungen komplexe philosophische Fragen aufwirft und auch sprachlich nicht sehr dem Leser zugetan ist. Deshalb vier Sterne. Man kann aber nicht umhin, dieses Buch als innovativen Beitrag zur Wissenschaftssoziologie anzuerkennen, obwohl es bereits Ende 70er, Anfang 80er entstanden ist.