Der Politikwissenschaftler Dittberner legt gleich zu Beginn seines Buches offen, dass seine Darstellung der FDP auch auf "teilnehmender Beobachtung" beruht. Und zwar nicht in dem Sinne, dass er ein wenig in der Partei hospitiert hat, um Informationen zu sammeln; vielmehr war er selbst jahrzehntelang in der Berliner FDP aktiv und hat verschiedene Ämter - bis hin zum Staatssekretär - innegehabt. Dieser Hintergrund ist natürlich nicht ohne Einfluss auf das vorliegende Buch geblieben, teils zu seinem Vorteil, aber nicht in jeder Hinsicht.
Auf Basis seiner eigenen Erfahrungen kann Dittberner natürlich das Leben an der Parteibasis detailreicher und lebendiger beschreiben als ein distanzierter Fachwissenschaftler: er schildert u.a. exemplarisch eine Ortsverbandssitzung oder die Arbeit einer Fraktion in der Bezirksvertretung. Seine Berliner Insiderkenntnisse führen aber auch dazu, dass der dortige Landesverband als einziger ein eigenes Kapitel bekommt und der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf mehr Aufmerksamkeit erhält, als ihm dies irgendein Außenstehender bei der Gesamtdarstellung der FDP wohl jemals zugestanden hätte. Insofern gibt es hier neben vielen objektiven Informationen über die Parteigeschichte, ihre Organisation und Programmatik sowie ihr Führungspersonal (mit Kurzbiographien) auch eine subjektive Komponente. Bei seiner Beschreibung des jour fixe seines Berliner Ortsverbandes charakterisiert Dittberner sein alter ego als "68er" und "gemäßigt Linker". Demgemäß bewertet er unter anderem den Koalitionswechsel der Liberalen im Jahr 1982 und die 18-Prozent-Kampagne von Westerwelle und Möllemann ziemlich skeptisch und widmet sein Buch den "Liberalen in der FDP", ohne die die Partei so wäre, "wie ihre Gegner sie gern beschreiben". Wenn diese Parteinahme so offen gelegt wird, ist nicht viel dagegen einzuwenden - jedenfalls erwartet eine(n) hier keine Selbstbeweihräucherung, wie sie in offiziell von der Partei in Auftrag gegebenen Darstellungen durchaus gerne vorkommt.
Was mich hingegen bei einer Veröffentlichung in einem namhaften Verlag stört, sind etliche Ungenauigkeiten, vor allem was Jahreszahlen angeht. Gleich zum Auftakt (S. 12) wird eine Veranstaltung im Audimax der FU Berlin, wo sich der Regierende Bürgermeister Schütz den Studierenden stellt, auf den 19. Dezember 1976 datiert - es muss aber 1967 heißen. Auf S. 30 wird die Gründung der linksliberalen Deutschen Staatspartei ins Jahr 1928 verlegt, während sie tatsächlich erst 1930 erfolgte. Im Literaturverzeichnis (S. 404) hat das Buch über die FDP von Peter Lösche und Franz Walter das Erscheinungsjahr 1966, richtig wäre aber: 1996. Einige Angaben sind also - gar nicht mal wegen der subjektiven Parteinahme - mit Vorsicht zu genießen; eine korrigierte Auflage wäre eventuell wünschenswert.