Auf den ersten Blick wirkt das Cover mit der Fürstin und dem Kardinal ungeheuer bieder. Hätte sie sich nicht etwas anderes anziehen können? Dies war meine erste Frage, als ich das Buch in die Hand bekam. Als es 2008 herauskam, wollte ich es sofort lesen. Doch nach dem Blick auf den Buchumschlag habe ich es beiseite gelegt. Zwar blicken beide Protagonisten sehr freundlich und aufgeschlossen drein. Doch der braune Hintergrund und die eher ländliche Verkleidung der Fürstin haben wenig Ansprechendes. Was erwartet man von einem Buch, in dem ein Kardinal, der für manche provokante Schlagzeile in den Medien bekannt ist, und eine Fürstin, die fast nur mit dem Image einer geläuterten Katholikin hantiert, sodass man schon fast "kokettiert" sagen möchte, miteinander ein Gespräch über Glauben und Tradition führen? Journalistisch perfekt aufgearbeitete Fragen sicher nicht und die bekommt man auch nicht. Es werden Themen besprochen, die tatsächlich eher im traditionalistischen Glauben angesiedelt sind und weniger die problematischen Fragen unserer Zeit kritisch durchleuchten. Eine bestimmte Klientel, gut katholisch, wohl situiert, ohne große lebensweltliche Probleme, soll beruhigt werden: Ja, so kann man heute noch glauben, das ist in Ordnung. Dass dabei die Fragen der Fürstin manchmal zu Statements ausarten, in denen sie sich und ihre Familiengeschichte immer wieder an denselben Punkten aufarbeiten muss, fällt auf. Solche Selbstbespiegelungen wären an sich überflüssig und sind auch wenig interessant, da man manche Behauptungen eh nicht überprüfen kann (wo sie wirklich war, als Papst Johannes Paul II. starb, wo sie wirklich war, als Papst Benedikt XVI. nach seiner Wahl auf den Balkon des Petersdoms trat, ob ihr Mann wirklich Fleisch am Karfreitag essen wollte etc.). Manches wirkt sogar ein bißchen peinlich, wenn sie sich in ihrer Glaubensfrömmigkeit damit in Szene setzen will. Peinlich berührt ist man vor allem deshalb, weil sie sich entweder mit ihrer Frömmigkeit ganz oben positioniert oder weil sie andere herabsetzt oder lächerlich macht. Einen Gesprächscharakter haben solche Passagen nicht wirklich, obwohl Kardinal Meisner sehr geschickt auf "wunde" Punkte bei der Fürstin eingeht und sie auch vom theologischen, religiösen und biblischen Standpunkt aus relativiert. Erst durch die Antworten von Kardinal Meisner wird klar, wer Papst Johannes Paul II. wirklich gut kannte und wer mit Papst Benedikt XVI. seit langen Jahren befreundet ist. Diese Erzählungen wirken authentisch und lassen ein tiefes Einfühlungsvermögen und ein tief empfundenes Mitgefühl erkennen. Auch sonst ist man am Ende des Buches eher erstaunt darüber, mit wie wenig Effekthascherei und "bombigen" Sprüchen der Kölner Kardinal seinen Glauben vertritt und wie ethisch relevant er die grundlegensten religiösen Bedürfnisse von Menschen theologisch aufzunehmen und religiös einzubinden versteht. Obwohl sich das Buch eher an kirchlich interessierte, katholische Laien richtet, lesen sich die Ausführungen Kardinal Meisners auch für theologisch Gebildete wohltuend und mit angenehmem geistlichem Gewinn. Dieses Buch lebt von den klaren und dogmatisch korrekten Passagen Kardinal Meisners. Man hätte ihm und auch dem Leser und der Leserin allerdings gewünscht, dass eine andere Form gefunden worden wäre, in der er seine religiöse, ethische und dogmatische Position zum Ausdruck bringen hätte können. Der Frage- bzw. Gesprächsstil mit der Fürstin erschwert das zügige Lesen doch sehr und bringt immer wieder eher bremsende und störende Elemente in den Fluss der inhaltlichen Darstellung hinein. Dies berücksichtigend erreicht das Buch nur das Mittelfeld der Bewertungen.